MUM-Effekt: Was ist das und wie wirkt er sich aus?

Hiobsbotschaften zu überbringen ist eine sehr schwierige Aufgabe. In unserem heutigen Artikel sprechen wir über dieses Thema.
MUM-Effekt: Was ist das und wie wirkt er sich aus?

Letzte Aktualisierung: 21. Juli 2021

Auf dem Gebiet der Sozialpsychologie gibt es viele interessante Phänomene, die bestimmte Verhaltensweisen im Umgang mit anderen Menschen erklären. Der MUM-Effekt ist eines davon. Damit bezeichnen Experten das Zögern, das die meisten Menschen an den Tag legen, wenn es darum geht, schlechte Nachrichten zu überbringen.

Häufig geht es um die Angst, dass die Empfänger der Nachrichten dann eine negative Assoziation zu dieser Person aufbauen. Des Weiteren versuchen wir dadurch auch, Schuldgefühle zu vermeiden und unser Selbstwertgefühl nicht in Gefahr zu bringen. Erfahre nachfolgend Interessantes über den MUM-Effekt.

Das bescheidenste Individuum übt einen gewissen Einfluss auf andere aus, entweder zum Guten oder zum Schlechten.

Henry Ward Beecher

Eine nachdenkliche Frau

Der MUM-Effekt: Was ist das?

Von einem MUM-Effekt wird gesprochen, wenn eine Person versucht zu vermeiden, schlechte Nachrichten zu übermitteln. Manche Personen versuchen, Negatives schönzureden oder zu vertuschen, denn es handelt sich um eine schwierige Aufgabe. Viele haben unbewusst Angst, mit der schlechten Nachricht in Verbindung gebracht und negativ beurteilt zu werden.

Bei diesen negativen Nachrichten kann es sich um einen Unfall, eine ernste Krankheit oder jede andere schwierige Situation handeln. Der MUM-Effekt kann sich innerhalb der Familie, bei Freunden oder auch im Berufsleben zeigen.

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen schlechte Nachrichten oder Gerüchte genau das Gegenteil bewirken. Aus diesem Grund gibt es zum Beispiel verschiedenste Fernsehsendungen, die solche Nachrichten verbreiten. Allerdings handelt es sich dabei normalerweise nicht um Menschen, zu denen ein direkter Kontakt besteht. Die Geschichten oder Lebenserfahrungen anderer scheinen zum Teil beruhigend zu wirken, denn sie zeigen, dass auch sie mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Welche Auswirkungen hat der MUM-Effekt?

Eine häufige Strategie ist, die schlechte Nachricht unbewusst anzupassen oder abzuschwächen, damit sie nicht so schlimm erscheint. Auch wenn die Person, die diese Nachricht überbringt, nicht für das Geschehene verantwortlich ist, versucht sie damit meist unbewusst, nicht selbst negativ zu wirken oder damit in Verbindung gebracht zu werden.

Experten, die täglich schwierige Nachrichten überbringen müssen, sind entsprechend geschult und auch durch ihre Erfahrung resistenter gegen diesen Effekt. Ein Beispiel dafür sind Ärzte, die bei der Wahrheit bleiben müssen, auch wenn es sich um sehr kritische Situationen handelt.

In den meisten Fällen verursachen negative Nachrichten jedoch Unbehagen und Widerstand. Betroffene Personen versuchen, den Schmerz, den sie mit einer Hiobsbotschaft auslösen können, möglichst gering zu halten und die Person, an die sie gerichtet ist, im Rahmen des Möglichen zu “kompensieren”.

Ursachen für den MUM-Effekt

Es gibt verschiedene Theorien über diesen Effekt, unter anderem die Theorie der Verstärkung (Lott und Lott, Byrne). Wir bemühen uns grundsätzlich darum, von anderen Menschen gemocht zu werden. Deshalb zielen wir darauf ab, Beziehungen durch unser Verhalten zu stärken. Hiobsbotschaften sind dabei nicht förderlich und könnten die Beziehung zu einem Menschen negativ beeinflussen.

Andererseits kann eine kognitive Verzerrung unsere Sicht der Realität verändern. Der “Glaube an eine gerechte Welt” fördert die irrationale Vorstellung, dass das Leben alle fair behandeln sollte. Andererseits ist der Gedanke, dass jeder bekommt, was er verdient, ebenfalls ein Irrtum. Er könnte jedoch eine weitere Erklärung dafür sein, warum wir so zurückhaltend sind, wenn es darum geht, Personen, “die es nicht verdient haben”, schlechte Nachrichten zu überbringen.

Niemand möchte Hiobsbotschaften überbringen

Tatsache ist, dass niemand gerne der Überbringer schlechter Nachrichten ist. Dafür gibt es viele Erklärungen:

  • Wir möchten damit Schuldgefühle vermeiden, auch wenn uns dies oft nicht bewusst ist.
  • Außerdem möchten wir andere nicht verletzen, was sich durch Empathie erklären lässt.
  • Wir orientieren uns an bestimmten sozialen Normen, wenn wir mit Menschen interagieren. Es handelt sich also auch um erworbenes Verhalten.
  • Außerdem ist es nicht angenehm, mit den Hiobsbotschaften in Verbindung gebracht zu werden (und damit den Eindruck zu erwecken, weniger attraktiv oder weniger positiv zu sein).
Ein Mann denkt nach

Es gibt keine magischen Formel für das Überbringen schlechter Nachrichten

Das Überbringen schlechter Nachrichten ist immer schwierig und es gibt dafür keine allgemeine Formel, um negative Auswirkungen zu verhindern. Allerdings kann zum Beispiel das von Buckman und Baile entwickelte SPIKES-Protokoll, das 2006 im Journal of Intensive Care Medicine veröffentlicht wurde, sehr hilfreich sein. Es handelt sich um eine Leitlinie für Aufklärungsgespräche mit schwer kranken Menschen. Des Weiteren gibt es auch andere Protokolle, die in diesen Situationen zum Einsatz kommen, um die Überbringung dieser negativen Nachrichten zu erleichtern.

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  • Tesser, A., & Rosen, S. (1975). The reluctance to transmit bad news. In L. Berkowitz (Ed.). Advances in experimental social psychology, Vol. 8, pp. 194-232. New York: Academic Press.