Motivierende Gesprächsführung: Menschen helfen, sich zu verändern

4. Januar 2019

Nur wenige Methoden sind in kurzer Zeit so populär geworden wie die motivierende Gesprächsführung, und ihr Erfolg ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Sie erleichtert die Beziehung zum Gegenüber und ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich erwiesen. Motivierende Gesprächsführung wird heutzutage in vielen Kontexten angewendet. Von ihr profitieren Kunden, Patienten, Studenten, Arbeiter, Süchtige, Kriminelle und viele andere. Diejenigen, die diese Technik anwenden, können Mentoren, Erzieher, Therapeuten, Trainer, Psychologen, Ärzte oder Krankenschwestern sein. Dies macht sie zu einem so leistungsfähigen Werkzeug.

Was ist motivierende Gesprächsführung?

Allgemein gesagt ist motivierende Gesprächsführung ein Werkzeug, das Menschen dabei unterstützt, zu ändern, was ihnen an sich selbst nicht gefällt. Dies sind Dinge, die Dissonanzen erzeugen und daher unzufrieden machen. Durch diese Art der Gesprächsführung können wir Barrieren bei unserem Gesprächspartner abbauen und ihm helfen, sich zu verändern.

Ein Mann und eine Frau sind in einer angeregten Unterhaltung.

Die Wahrheit ist, dass wir jeden Tag auf irgendeine Weise über Veränderungen sprechen. Wir sind täglich im Gespräch mit unseren Mitmenschen und sind daher geübt in der Wahrnehmung von Nuancen der Alltagssprache. Diese Sprache umfasst zuweilen in Zurückhaltung, Bereitwilligkeit und Engagement, die „zwischen den Zeilen“ vermittelt werden. Darüber hinaus ist die Verbreitung von Informationen eine der wichtigsten Funktionen der Sprache, die das Verhalten anderer Menschen motiviert und beeinflusst.

Das kann so einfach sein, jemanden nach dem Salz zu fragen, oder so komplex wie das Aushandeln eines internationalen Vertrags. Es können auch Gespräche über Veränderungen in Form einer professionellen Beratung stattfinden. Hier versucht der Berater, dem Ratsuchenden beim Wandel zu helfen. Therapeuten, Psychologen und andere Experten führen zudem Gespräche, die sich primär um Verhaltensänderungen und Lebensstil drehen.

„Die Dinge ändern sich nicht; wir ändern uns.“

Henry David Thoreau

Die motivierende Gesprächsführung widmet sich der natürlichen Sprache des Wandels. Ihr Zweck besteht darin, effektivere Gespräche über den Wandel zu führen, insbesondere wenn sie in einem Kontext stattfinden, in dem jemand einer anderen Person professionelle Hilfe anbietet.

Oft finden solche Gespräche auf unkonstruktive Weise statt, wie auch immer die Intentionen des Gegenübers sein mögen. Motivierende Gespräche aber sollten einen konstruktiven Ansatz wählen, um Herausforderungen zu meistern. Dieser besteht darin, dass jemand versucht, die Motivation seines Gesprächspartners positiv zu beeinflussen.

Motivierende Gesprächsführung heißt deshalb auch, Gespräche zu organisierenganz unabhängig von ihren Werten und Interessen, können Menschen in organisierten Gesprächen dazu bewegt werden, sich zu verändern.

Eine Hand, die ein Tafelbild malt, das einen Mann eine Treppe hinaufsteigen zeigt.

Kommunikationsstil

Wir können uns diese besondere Art der Gesprächsführung so vorstellen, als befänden wir uns auf einem Pfad. An einem Ende des Pfades befindet sich die Methode der Führung. Am anderen Ende finden wir die Methode der Begleitung. Motivierende Gesprächsführung folgt einem Modell, das in der Mitte dieses Pfades angesiedelt ist. Um dies besser zu verstehen, nehmen wir das Beispiel zur Hand, dass wir in ein fremdes Land reisen und einen Fremdenführer buchen, der uns dort helfen soll.

„Was Menschen brauchen, ist, gehört zu werden.“

Mary Lou Casey

Die Aufgabe des Fremdenführers besteht nicht darin, uns zu sagen, wann wir ankommen. Er soll uns nicht sagen, wohin wir gehen oder was wir sehen oder tun sollen. Ein erfahrener Guide weiß, wie er uns zuhören muss. Er kann, falls erforderlich, nützliche Informationen gemäß unserer Interessen anbieten. Motivierende Gesprächsführung funktioniert ähnlich, auf einem Mittelweg zwischen Regie und Begleitung, wobei sie Elemente aus beiden beinhaltet. Führen ist eine Aufgabe, bei der nicht nur notwendig ist, zu leiten, sondern auch zu begleiten und manchmal eben auch beides gleichzeitig zu tun. Der geführten Person werden so mehrere Möglichkeiten eröffnet.

Zum Beispiel bedeutet die Stimulierung des Lernprozesses eines Kindes in den meisten Fällen, dass wir als gutes Beispiel vorangehen. Es setzt voraus, dass es Begleit- oder Supervisionsperioden gibt, aber auch Raum für klare Anweisungen und Perioden des freien Entfaltens, die sich miteinander abwechseln.

Das Vermeiden des Korrekturreflexes

Menschen üben unterschiedliche Berufe aus, in denen sie ihren Mitmenschen aus verschiedenen Gründen helfen. Möglicherweise möchten sie der Gesellschaft etwas zurückgeben, Leiden verhindern und lindern, ihre Liebe zu Gott offenbaren oder sonstigen Motiven folgen. Ironischerweise können dieselben Gründe dazu führen, dass diese Menschen sich zu sehr in Richtung Leitung und Regie bewegen, wenn es um Hilfsangebote geht. Davor sollten wir uns alle in acht nehmen. Zu viel Führung kann ineffektiv oder kontraproduktiv sein, wenn wir Menschen effektiv helfen wollen.

Wenn wir zu sehr führen, kommt der sogenannte Korrekturreflex zum Vorschein. Wir möchten der Person so sehr helfen, dass wir dazu neigen, zu bestimmen, was sie tun oder lassen sollte. Das schafft jedoch Widerstand. Motivierende Gesprächsführung zielt darauf ab, diesen Widerstand zu minimieren.

Was ist keine motivierende Gesprächsführung?

Es mag nützlich sein, zu klären, was motivierende Gesprächsführung von anderen Gesprächen unterscheidet. Denn diese besondere Art des Gesprächs besteht nicht einfach darin, freundlich zu anderen zu sein. Es ist auch nicht dasselbe wie die klientenzentrierte Therapie, die von Carl Rogers entwickelt wurde. Nein, die Gesprächstechnik, von der hier die Rede ist, zeichnet sich durch eine absichtliche und strategische Hinwendung zu einem oder mehreren spezifischen Zielen aus.

Eine Frau bei einem ernsten Gespräch mit einem Mann.

Aber eigentlich handelt es sich hierbei nicht so sehr um eine „Technik“. Es auch kein einfacher Trick, den wir in unserem Alltag nutzen können. Eher ist es ein Stil, mit anderen zu reden, und der Einsatz konkreter Fähigkeiten, die die Motivation des Gegenübers fördern.

Motivierende Gesprächsführung ist ein komplexer Stil der Gesprächsführung, der im Laufe der Zeit perfektioniert werden kann. Sie ist weder ein Allheilmittel noch eine Lösung für alle klinischen Probleme. Sie wurde aber entwickelt, um Menschen dabei zu helfen, Ambivalenz angesichts von Veränderungen aufzulösen und ihre Motivation zu stärken.

In diesem Prozess werden fünf wichtige Kommunikationsmittel verwendet: offene Fragen formulieren, bestätigen, reflektieren, zusammenfassen sowie Informationen und Rat geben, immer mit Zustimmung des Gesprächspartners.

Wie wir sehen können, ist diese Art der Gesprächsführung effektiv, um Veränderungen beim Gesprächspartner in Gang zu bringen. Sie schwächt den Widerstand gegenüber dem Wandel und steigert die Motivation. All dies ist durch die motivierende Gesprächsführung möglich, ohne dem Gegenüber etwas aufzuzwingen.