Monsignore Arnulfo Romero: Biografie eines zeitgenössischen Heiligen

11 Dezember, 2020
Für lange Zeit war Monsignore Arnulfo Romero als "Der Heilige von Amerika" bekannt. Er wurde zum Märtyrer erklärt und ihm wurde das Wunder der Heilung einer Frau namens Cecilia Flores zugesprochen.

Monsignore Arnulfo Romero war der erste Salvadorianer und Mittellamerikaner, der von der katholischen Kirche heilig gesprochen wurde. Außerdem war er auch der erste Katholik, der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Märtyrer geweiht wurde. Aber nicht nur die Katholiken verehren ihn, sondern auch die Anglikaner, Lutheraner und sogar Ungläubige.

Das britische Parlament schlug Monsignore Arnulfo Romero im Jahr 1979 für den Friedensnobelpreis vor. Allerdings ging die Auszeichnung in jenem Jahr dann an Mutter Teresa (Heilige Teresa von Kalkutta). Der Priester wurde im Jahr 2018 von Papst Franziskus heilig gesprochen.

Monsignore Arnulfo Romero war zu seinen Lebzeiten eine Legende und ist dies auch nach seinem Tod. Er zeichnete sich durch seine Güte und seinen Mut aus. Dieser Mann verteidigte nachdrücklich die Menschenrechte und verurteilte diejenigen, die sie missachteten, indem er sie namentlich von seiner Kanzel aus anprangerte. Der Mord an ihm, der sich während der Sonntagsmesse ereignete, gilt als einer der Auslöser für die grausamste Phase des Bürgerkriegs in El Salvador.

Monsignore Arnulfo Romero - Hand mit einer Taube

Monsignore Arnulfo Romero: Eine frühe Berufung

Monsignore Arnulfo Romero wurde am 15. August 1917 in Ciudad Barrios, einer Gemeinde im Departamento San Miguel in El Salvador geboren. Er kam aus sehr bescheidenen Verhältnissen; sein Vater war ein Telegrafist und seine Mutter eine Hausangestellte. Seine Freunde aus der Kindheit sagen, dass seine religiöse Hingabe bereits in sehr jungen Jahren begann. Denn er begann den Tag immer damit, in die Kapelle zu gehen, um für seine Familie zu beten.

Nachdem er die Grundschule beendet hatte, wurde er Zimmermann und Musiker. Im Alter von 13 Jahren sprach er mit einem Priester und bekundete sein Interesse daran, dem Seminar beizutreten. Das niedrige Einkommen seiner Familie war anfänglich ein Hindernis. Aber dank der Zusammenarbeit der Claretiner-Gemeinschaft konnte er seinen Traum schon bald verwirklichen.

Obwohl es aufgrund der Armut seiner Familie nicht einfach war, das Seminar fortzuführen, zeichnete er sich durch sein großes Engagement und seine Intelligenz aus. Infolgedessen wurde er nach Rom geschickt, um sein Studium dort zu beenden. Sein Lehrer in Italien war jener Mann, der später Papst Paul VI. wurde.

Ein Leben voller Höhen und Tiefen

Es gibt eine wenig bekannte Episode im Leben von Monsignore Arnulfo Romero, welche sich wahrend seiner Rückreise in seine Heimat ereignete. Er verließ Spanien auf einem Schiff namens Marqués de Comillas. Das war im Jahr 1943, inmitten des Zweiten Weltkrieges.

Als das Schiff in Kuba anlegte, wurde er verhaftet und in einem Lager interniert. Die Menschen vertrauten ihm nicht, da er aus Mussolinis Italien und Francos Spanien kam. Er blieb für 127 Tage in Gefangenschaft, bis die Kubaner sicher waren, dass er kein Spion der Deutschen war.

Im Jahr 1944 kehrte er nach einem Aufenthalt in Mexiko schließlich nach El Salvador zurück. In seiner Heimat widmete er sich fortan mit Inbrunst der Arbeit für die Schwächsten der Schwachen. Darüber hinaus begann er auch eine erfolgreiche kirchliche Karriere. Infolgedessen wurde er am 3. Februar 1977 der Erzbischof von San Salvador.  Zu jener Zeit herrschten in seinem Heimatland bereits große interne politische Spannungen. 

Monsignore Arnulfo Romero - zwei Menschen halten sich die Hand

Ein Märtyrer für Lateinamerika

Viele Menschen glauben, dass Monsignore Arnulfo Romero konservative religiöse Ansichten vertrat. Allerdings war er auch ein sehr engagierter Katholik, der angesichts der Ungerechtigkeiten nicht schwieg, die in seinem Land begangen wurden. Daher verwandelte er seine Kanzel auch in eine Plattform, die er nutzte, um Menschenrechtsverletzungen anzuprangern.

In jener Zeit wurden viele religiöse und gläubige Menschen in El Salvador ermordet und beinahe alle aus einem einzigen Grund: Wenn sie sich auf die Seite der Armen stellten. Obwohl die Morde nie geahndet wurden, prangerte Romero in seinen Predigten immer wieder das an, was geschah, und machte es öffentlich. Außerdem hatte er eine Audienz bei Papst Paul VI., um ihm von dieser Situation zu berichten und erhielt die Unterstützung des Papstes.

Als er aber einige Jahre später mit dem neuen Papst, Johannes Paul II., sprechen wollte, weigerte sich dieser, ihm zuzuhören. Im Vatikan galt Romero als revolutionärer Priester und daher war seine Anwesenheit auch nicht erwünscht. Tatsächlich zweifelte der Papst sogar Romeros Aussagen an.

Nach dieser Episode kehrte Monsignore Romero völlig niedergeschlagen nach El Salvador zurück. Am 24. März 1980, während er in seiner Gemeinde eine Messe abhielt, wurde er von mehreren bewaffneten Männern erschossen.

Dieses Ereignis schockierte das gesamte Land und gilt als Beginn eines Bürgerkrieges, der mehr als 75.000 Menschenleben und weitere 7.000 Vermisste forderte. Bis heute ist Monsignore Arnulfo Romero eine der großen Legenden Lateinamerikas.

SALCEDO, J. E. (2000). El martirio de monseñor Oscar Arnulfo Romero. Theologica Xaveriana, (133), 115-118.