Mit Humor oder Wut leben

· 10. Dezember 2017

Es gibt Menschen, die scheinbar den Dreh heraushaben, schwierigen Situationen mit einem Lächeln auf den Lippen begegnen und auch dich so sehr zum Lachen zu bringen, bis es dir nicht mehr schwerfällt, dich für Humor oder Wut zu entscheiden. Sie verhalten sich so, weil Humor in ihrem Wesen steckt. Sie tun es, weil das Leben für sie Musik und Rhythmus besitzt. Und weil es ihnen nie so kompliziert erscheint, wie es andere Menschen sehen.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich ohne Grund streiten, und von allem geblendet werden. Sie sehen Wände dort, wo andere Brücken erkennen. Sie erzeugen einen Sturm, wenn Windstille herscht, und lösen mit ihrer Wut Spaltungen aus. Es ist unsere Wahl, auf welche Seite wir uns stellen, ob wir mit Humor oder Wut leben wollen.

Warum sind menschliche Beziehungen so komplex? Wir sollten uns bewusst machen, dass es besser ist, denjenigen aus dem Weg zu gehen, die dazu tendieren, unsere Psyche ins Wanken zu bringen, und stattdessen die Zeit mit denjenigen verbringen, die uns Freude bringen. Dennoch, selbst wenn das die beste Option ist, können wir sie nicht immer umsetzen. Da wir mit anderen zusammenleben und unsere Mitmenschen nicht in allen Lebensbereichen auswählen können, müssen wir ihre Perspektiven verstehen lernen. Und vor allem lernen, schwierige Situation zu überstehen, egal ob wir es mit Friedensstiftern oder wütenden Drachen zu tun haben.

Mit Humor leben

Das Leben muss mit Liebe und Humor gelebt werden. Liebe, um es zu verstehen, und Humor, um es zu erdulden.

Oft ist es der Fall, dass diejenigen, die sich wegen allem streiten, depressiv oder anders unglücklich sind. Und in anderen Fällen verstecken die, die über alles lachen, eine aggressive, zuweilen sogar selbstzerstörerische Natur – oder tiefe Trauer. Jeder Verhaltenstyp hat seine Extreme. Daher müssen wir verstehen lernen, wie man diese Menschen, die aus anderen Welten zu kommen scheinen, liest und interpretiert.

Wütender Igel

Sind die Menschen, die uns ständig zum Lachen bringen, glücklich?

Peter McGraw ist als Psychologe an der University of Colorado (Colorado, USA) tätig und ist berühmt für die Gründung des „Humorlabors“. Er studiert den Humor, fragt sich, was Situationen humorvoll erscheinen lässt, und wie sich gewonnene Erkenntnisse in einer Therapie einsetzen lassen, um die Lebensqualität von chronisch Kranken oder Krebspatienten zu verbessern. Die Wissenschaft unterstützt diese Initiativen, obwohl längst bewiesen wurde, dass das, was den Alltag dieser Patienten wirklich verbessert, ihre Einstellung, ihr Optimismus und ihre innere Stärke sind.

In seiner Theorie beschreibt Peter McGraw vier Arten des Humors. Es lohnt sich, diese zu erforschen, um diese Art der Dynamik, der wir in unserem Alltag begegnen, besser zu verstehen.

  • Aggressiver Humor: Diese Art des Humors kommt sehr häufig bei denen vor, die uns durch Ironie und zynischen Sarkasmus, die dazu erschaffen wurden, über Dritte zu spotten, zum Lachen bringen.
  • Humor mit Selbstkritik: Diese Art des Humors ist eine der gesündesten und hilft uns dabei, mit Stress umzugehen. Dieser Humor kommt zum Vorschein, wenn jemand über sich selbst lacht, wenn er auf einen schlechten Tag oder einen Fehler zurückblickt, den er begangen hat. Hier können wir auch den Gebrauch des ironischen Humors einbeziehen, den wir ausdrücken, wenn wir darüber lachen, wie wir in einer Tätigkeit oder Aufgabe scheitern. Es geht schlicht darum, die Spannung zu lösen.
  • Selbstmissbräuchlicher Humor: Das ist die andere Seite des Humors, den wir gerade erwähnt haben. Es handelt sich hier um eine Art Selbstmissbrauch, bei der wir den Humor auf zerstörerische Weise gegen uns nutzen. Diese Art des Humors wird oft in Situationen genutzt, in denen das Selbstwertgefühl am Boden liegt. Grund dafür kann eine Depression sein, oder das Streben danach, sich den Menschen um sich herum als Opfer darzustellen.
  • Affiliativer Humor: Hier haben wir die nützlichste und schönste Art des Humors. Es ist der Humor, der von jemandem kommt, der uns zum Lachen bringt, um uns näherkommen zu können, um Verständnis aufzubauen, und Glück und Wohlbefinden zu erzeugen.

Es ist wichtig, zu erkennen, dass viele Menschen, die uns ständig zum Lachen bringen, eben nicht immer glücklich mit sich sind. Sie projizieren nicht immer eine positive Gefühlslage.

Mit Humor leben

Wenn man alles in Betracht zieht wird klar, dass wenn wir sagen, dass jemand einen „guten Sinn für Humor“ hat, wir nicht wirklich wissen, welche Art von Humor er benutzt, und wie dieser Humor die Menschen um ihn herum beeinflusst. Zum Beispiel haben wir alle das Gefühl erlebt, dass jemand uns zum Lachen bringt, und wir uns danach aber unwohl fühlen, weil wir realisieren, dass der Humor eine bösartige Absicht hatte.

Diejenigen, die sich wegen allem streiten… Haben sie Freude daran, unser Leben schwer zu machen?

Tal Ben-Shahar, ein Professor der Harvard University (Massachusetts, USA), ist als Glücksguru bekannt. Seine zahlreichen Veröffentlichungen über Emotionen und Stimmungen sind immer einen Blick wert, wenn es darum geht, bestimmte Verhaltensmuster besser zu verstehen. Zum Beispiel, was hinter den Menschen steckt, die sich wegen allem streiten, und es scheinbar genießen, sich und anderen Schwierigkeiten zu bereiten.

„Schlechter Humor macht uns sehr klein.“

Doménico Cieri Estrada

Die Antwort ist einfach: Unzufriedenheit. Sie ist etwas, das niemand verdient. Doch Unzufriedenheit rührt aus einem ganzen Kaleidoskop voller schlecht gehandhabter und ungeklärter Situationen. Gründe dafür können die Unfähigkeit, mit Frustration umzugehen, schlechte Strategien zum Lösen von Problemen, unrealistische Erwartungen, ein Tunnelblick, mangelnde Reflektion, ein schwaches Selbstwertgefühl, eine unzureichend entwickelte emotionale Intelligenz und andere sein.

Person, die hinter der lachenden Maske weint

Wir alle erleben solche Zeiten. Schwere Momente, in denen wir uns unglaublich schwach fühlen. Diese bringen uns dazu, Probleme zu sehen, wohin wir auch gehen. Das macht unserer sonst positiven Einstellung zu schaffen, und jedes normale Gespräch kann in einen Streit ausarten. Wir alle können in die Tiefen der Entmutigung und des Unbehagens fallen. Das ist ganz normal und verständlich. Was aber absolut erforderlich ist, ist, aus diesen schädlichen Gewässern auch wieder herauszukommen und zurück zu uns selbst zu finden.

Um dies zu erreichen, brauchen wir Willensstärke und Selbstkontrolle. Höre auf, dich als Opfer darzustellen. Hebe die zerbrochenen Teile auf und repariere sie mit dem Kleber des Selbstwertgefühls, bevor du sie mit dem Lack der Motivation versiehst.

Dann können wir auch verstehen, dass nicht alle, die lachen, glücklich sind. Und nicht alle, die sich wegen allem streiten, hoffnungslose Fälle. Wir alle können uns selbst heilen. Wir alle können die Balance und das Glück finden.