Die Sprache des Sarkasmus: verdeckte verbale Aggressionen

9. Juli 2017 en Psychologie 504 Geteilt

Viele Menschen sind der Meinung, dass sarkastische Personen intelligenter, gewitzter und raffinierter im Umgang mit Worten seien. Diese Ausdrucksform ist jedoch manchmal vergiftet, beladen mit versteckten Aggressionen und unterschwelliger Geringschätzung, die das Potenzial haben, das Selbstbewusstsein anderer zu zerstören.

Wir alle kennen Filme und Serien, deren Protagonisten außergewöhnlich intelligent und inspirierend sind. Diese Charaktere können aufgrund ihrer besonderen Persönlichkeit komplizierteste Verbrechen aufklären und Diagnosen stellen. Sie zeichnen sich jedoch auch durch eine Sprache aus, die von sarkastischen Bemerkungen durchsetzt ist. Macht sie das sympathisch? Der Sarkasmus als Kommunikationsform hat tatsächlich viele Anhänger.

„Die Neigung zur Aggression ist eine angeborene Eigenschaft des Menschen.“

Sigmund Freud

Klar ist, dass diese scharfe Sprache, die sowohl satirisch als auch einfallsreich ist, effektiver Kommunikation nicht zugutekommt. Oft schwingt in ihr nicht nur eine klare Geringschätzung mit, sondern es besteht eine regelrechte Unfähigkeit, einen neutralen Dialog zu führen, eine harmonische Unterhaltung, in der Macht oder Dominanz nicht in Form von Spott zum Ausdruck kämen.

Ein Aspekt sollte aber nicht außer Acht gelassen werden: Sarkasmus wird häufiger unter Menschen angewandt, zwischen denen eine Vertrauensbeziehung besteht. Dies können Arbeitskollegen, Freunde, Verwandte oder Partner in einer romantischen Beziehung sein. Diese Tatsache kann den Sarkasmus entschärfen, verstärkt aber zuweilen den zermürbenden Effekt dieser Ausdrucksform noch.

Intellektuelle Raufbolde und ihre Lieblingswaffe: der Sarkasmus

Es gibt eine Art von Mobbing, die häufig vernachlässigt wird. Es handelt sich dabei eben um den Sarkasmus, und die damit verbundene, akzeptierte Art der Aggression, die vor allem in der Welt der Erwachsenen existiert.

Dem „Ranking Bully Types“ von 2010 zufolge spezialisieren sich intellektuelle Raufbolde auf Herablassungen. Diese Individuen verbergen ihre Unsicherheiten hinter großen Worte und arroganten Bemerkungen. Gleichzeitig genießen sie es, dass andere sich minderwertig fühlen, weil sie glauben, dass sie das in einem besseren Licht dastehen lässt.

Am schlimmsten ist, dass wir diese Verhaltensweisen oft verherrlichen oder als unschuldige Witze abtun. Die wenigsten Menschen sind fähig, solch ein Verhalten als eine Art von Mobbing und Spott zu identifizieren. Die meisten bewundern diese vermeintliche Genialität und das feine Spiel mit den Worten. Wenn ein intellektueller Raufbold jedoch seine verbale Artillerie jeden Tag aufs Neue zum Einsatz bringt, kann das ernste Folgen haben, z.B. die Schädigung der Beziehungsfähigkeit des Gegenübers.

Sarkasmus ist ein Attentat auf das Selbstbewusstsein des anderen, eine Aggression und erbarmungsloses Mobbing. Eine wichtige Erkenntnis, die gleichzeitig interessant und verheerend ist, ist, dass sich der sarkastisch argumentierende Mensch jedoch nur selten seines Verhaltens und seiner einschüchternden Handlungen bewusst ist. Er entwickelt eine zwischenmenschliche und soziale Gefühlskälte, gelangt in einen emotionalen Zustand, der ihn  dazu veranlasst, sein intellektuelles Können, sein Begabung, mit Worten umzugehen, ständig vorzuführen. Denn diese sind die einzigen Werkzeuge, die er besitzt, um sein Selbstwertgefühl zu heben.

Drei Möglichkeiten, sich gegen sarkastische Aggressionen zu verteidigen

Wir sind alle von der verbalen Begabung von Persönlichkeiten wie Sherlock Holmes fasziniert. Irgendwo hinter dieser Begabung muss jedoch ein nahbarer, empathischer und respektvoller Mensch stecken. Denn im Angesicht einer herabwürdigenden Botschaft ist die Genialität eines Satzes nichts wert.

„Wer gut kommuniziert, kann das hören, was nicht gesagt wird.“

Peter Drukcer

Solche Dynamiken lassen sich beispielsweise bei einem Abendessen mit Freunden erkennen. Selten fehlt dieser jemand, der einen sarkastischen Kommentar über seinen Partner macht, der alle am Tisch zum Lachen bringt, außer den Partner selbst. In solch einem Fall werden alle Anwesenden zu Komplizen dieser verdeckten Aggression, dieser getarnten Geringschätzung, der wir mit Vorsicht begegnen sollten, um sie einzudämmen.

Im Folgenden erklären wir, wie das möglich ist.

Wie wir uns gegen einen sarkastischen Menschen verteidigen können

Der erste Tipp ist folgender: Lassen wir den Sarkasmus nicht einfach über uns ergehen. Es geht nicht darum, wütend zu reagieren und uns in einen Konflikt zu stürzen. In der Regel handelt es sich bei dem sarkastischen Menschen um jemanden, der sehr gut mit Worten umgehen kann, der aber im Umgang mit Gefühlen unsicher ist, und das ist unser Vorteil. Wir sollten daher zunächst einmal ruhig äußern, dass uns sein Kommentar verletzt hat.

Reife Menschen sind aufrichtig und direkt in dem, was sie sagen. Unsichere Menschen verstecken sich hinter Wortspielen. Bestehe daher auf Direktheit. Sarkastische Menschen sind Meister der Metaphern und der Ironie. Akzeptiere dies nicht.

Die dritte Empfehlung ist es, dem intellektuellen Raufbold die Wirkung seines Verhaltens deutlich zu machen. Wenn es sich um einen Arbeitskollegen oder Freund handeln, müssen wir ihm klarmachen, wie wir uns unter seinen verbalen Attacken fühlen. Wenn er sich uns gegenüber darauf nicht freundlicher verhält oder nahbarer wird, sollten wir auf Distanz gehen. Auch wenn der Sarkasmuskünstler unser Partner ist, sollten wir mit ihm über den Schmerz reden, den er uns verursacht, und ihm klarmachen, dass dieser ständige Angriff auf unser Selbstbewusstsein weder ein Ausdruck von aufrichtiger Liebe ist, noch logisch, noch feinfühlig, noch reif. Fordere Respekt, Ehrlichkeit und Zuneigung.

Sarkasmus und intellektuelle Aggressoren verdienen es nicht, dass ihnen mit Bewunderung begegnet wird, sondern mit der Wahrheit über die Folgen ihres Verhaltens.

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