Mit gesundem Menschenverstand erziehen

· 21. September 2016

Es ist keine einfache Aufgabe, ein guter Erzieher zu sein. Erziehen wird dir weder in der Schule beigebracht, noch lernst du es einfach so in deinem Leben, sondern du musst dich dieser Aufgabe stellen, wenn du auf einmal Mutter oder Vater wirst.

Kinder kommen auch nicht mit einer Gebrauchsanweisung auf die Welt, in der klar steht, was man in bestimmten Situationen tun muss oder wie wir uns verhalten können, wenn sie ängstlich, durcheinander oder traurig sind. Normalerweise wiederholen wir einfach das, was wir unser Leben lang in unserem Zuhause erlebt haben und wir denken, wenn unsere Eltern uns so erzogen haben, dann wird das schon richtig sein.

Unglücklicherweise haben unsere Eltern nicht unbedingt immer die beste Form der Erziehung gefunden, auch man sollte weiterhin betrachten, dass die Zeiten sich ändern und wir uns als Eltern dem anpassen müssen.

Formen der Erziehung

Es gibt viele Formen der Erziehung, aber um uns eine generelle Übersicht zu verschaffen, können wir sie mehr oder weniger in drei Gruppen kategorisieren:

Autoritäre oder kontrollierende Erziehung

In der Regel machen solche Eltern von autoritärer Erziehung Gebrauch, die denken, dass manches Wissen „einem eingebläut“ werden muss, oder anders gesagt, dass die Kinder brav und hörig werden, wenn man Angst und Drohungen anwendet. Sicherlich kann autoritäre Erziehung zum Gehorsam der Kinder führen, jedoch immer nur aus Angst. Das Kind wird nicht das Warum der Grenzen und Normen verstehen. Außerdem bringen wir ihm so bei, dass mit Aggressivität Probleme gelöst werden können.

Diese Kinder werden zu jungen Menschen mit sehr niedrigem Selbstbewusstsein, die sich von ihren Eltern kaum akzeptiert fühlen. In vielen Fällen verwandeln sie sich schließlich in aggressive und ängstliche Personen, die für ihr Verhalten Ablehnung empfangen.
Gefangenes-Maedchen

Permissive Erziehung

Dies ist das genaue Gegenteil des vorherigen Stils. Auf permissive Art zu erziehen heißt, dass die Eltern ihren Kindern viel Liebe und Zuneigung schenken, aber nicht dazu in der Lage sind, klare Grenzen zu setzen. Sie verwirren vielmehr das Kind mit konfusen Normen, die am Ende nicht eingehalten werden, da sie selbst ständig nachgeben.

Sie überbehüten das Kind aus ihrer eigenen Angst heraus, dass ihm etwas geschehen könnte, wodurch sie es jedoch daran hindern, seine Fähigkeiten zu entwickeln, selbstverantwortlich zu werden und zu reifen.

Genauso wie ihm vorherigen Fall haben Kinder, die auf permissive Weise erzogen worden sind, ein sehr niedriges Selbstwertgefühl, weil sie sich nicht in der Lage fühlen, ihre eigenen Probleme ohne fremde Hilfe zu lösen.

Demokratische Erziehung

Demokratische Erziehung wendet den gesunden Menschenverstand an. Es wird beachtet, dass die Kinder nicht schon mit dem Wissen darüber auf die Welt kommen, wie diese funktioniert, sondern dass man sie ihnen erklären muss. Normen und die Grenzen sind nicht einfach da, „weil ich das sage und ich deine Mutter bin“, sondern sie unterliegen einer Logik, es gibt einen Grund, warum das Kind sie verinnerlichen sollte.

In der demokratischen Erziehung wird weder geschrien noch wird dem Kind alles Recht gemacht, weil es dadurch überhaupt nichts lernen kann, sondern sie besteht aus Dialog, durch den alles verständlich gemacht wird. Es wird dem Kind die Möglichkeit eingeräumt, etwas falsch zu machen und seinen Fehler zu korrigieren, es wird bedingungslos als Mensch anerkannt und ihm wird tiefe Liebe entgegengebracht, aber ohne es überzubehüten.

Mutter-und-Kind

Einige Techniken demokratischer Erziehung

Wie wir gesagt haben, bedeutet demokratische Erziehung, dass der Dialog, die bedingungslose Akzeptanz und der Respekt dem Kind gegenüber über allem steht und dass wir uns als Erwachsene selbst kontrollieren müssen, auch wenn das in vielen Fällen schwerfällt. Einige Techniken, die du bei der Erziehung deines Kindes anwenden kannst, sind folgende:

Negative Bestrafung

Negative Bestrafung besteht darin, dem Kind eine Quelle der Freude oder des Genusses zu entziehen, wenn es irgendeine Norm nicht erfüllt oder eine Grenze überschreitet, die wir gesetzt haben. Wenn unser Kind zum Beispiel sein Zimmer aufräumen sollte und es nicht getan hat, dann sollten wir ihm etwas wegnehmen, was ihm viel Spaß macht (z.B. ein Spielzeug, seine Lieblingsfernsehsendung, in den Park gehen, usw…).

Das Wichtigste bei dieser Technik ist nicht die Technik an sich, sondern wie wir sie durchführen. Eine negative Bestrafung bringt überhaupt nichts, wenn wir das Kind dabei anschreien und es bedrohen, denn es wird nur noch nervöser werden und es nicht verstehen. Man muss das auf souveräne Art machen, ohne sich selbst zu widersprechen, als etwas ganz Normales, was es einfach lernen muss: Es gibt im Leben Konsequenzen, wenn man bestimmte Normen nicht erfüllt.

Positive Verstärkung

Genauso wie wir die negative Bestrafung bei schlechtem Verhalten anwenden, sollten wir auch das richtige Verhalten auszeichnen. Es sollte niemals eine Strafe ohne Belohnung und umgekehrt geben. Wenn das Kind eine Norm erfüllt hat oder etwas Gutes gemacht hat, dann sollten wir es immer dafür belohnen. Es ist wichtiger, dass wir an das Belohnen als an das Strafen denken.

Positive Verstärkung sorgt dafür, dass seine Motivation nicht abfällt und dass es sich weiterhin richtig verhält. Wir können ein „Token-System“ anwenden, wenn das Kind noch klein ist, indem es Punkte für jedes richtige Verhalten bekommt, die später in Belohnungen eingetauscht werden oder es durch Lob, Umarmungen und Glückwünsche belohnen, wenn es bereits größer ist.

Vater-Sohn-und-Hund

Wiedergutmachung

Wiedergutmachung kommt zum Tragen, wenn dass Kind etwas Falsches gemacht hat und wir wollen, dass es seinen Fehler korrigiert und etwas Neues lernt. Wenn das Kind zum Beispiel sein ganzes Essen auf den Boden geworfen hat, dann muss es dieses wieder aufheben und außerdem Mama und Papa dabei helfen, die ganze Küche sauber zu machen (Geschirr, Tisch, Boden…).

Sich mit Assoziationen den Ängsten stellen 

Wenn wir unsere Kinder überbehüten, dann werden wir sie ängstlich werden lassen, was ganz und gar nicht positiv ist. Um ihnen dabei zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, müssen wir ihnen beibringen, sich ihnen zu stellen. Damit es ihnen leichter fällt, können wir diese Ängste mit lustigen Dingen assoziieren.

Wenn unser Sohn zum Beispiel Angst vor Dunkelheit hat und nicht allein schlafen kann, dann könnten wir mit ihm im dunklen Zimmer spielen und irgendwo ein Stückchen Schokolade verstecken, was er finden soll, während Mama und Papa draußen auf ihn warten und ihm Tipps geben. Das Kind verbindet nun Dunkelheit mit Spielen, also etwas Positives, während es sich ihr gleichzeitig aussetzt und merkt, dass gar nichts Schlimmes passiert.

Dies sind einige Techniken, die du selbst in der Erziehung anwenden kannst. Das Wichtigste dabei ist immer, wie sie umgesetzt werden: Immer mit Liebe und Akzeptanz, mit viel Geduld, im Rhythmus des Kindes und stets unsere Emotionen unter Kontrolle haltend.

 

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