Mir blieb nicht viel, aber ich habe Frieden gefunden

· 4. April 2017

Durch unser Leben fegt so manch starker Wind, bei dem wir denken, dass er uns fortwehen wird. Andere Winde scheinen weniger verheerend zu sein, und auch wenn ihre Brise kein bisschen wohltuend ist, verspüren wie sie doch häufiger und sie nehmen uns unseren Frieden. Aber es gibt auch die Winde, die uns den Sinn des Lebens näherbringen. Winde voller Vitalität, die uns die Liebe der Menschen schenken, von denen wir glauben, dass sie geboren wurden, damit wir unser Leben mit ihnen teilen können. Manche Winde berauben uns unseres Friedens und andere bringen ihn uns.

Hin und wieder werden aus diesen Winden richtige Wirbelstürme, die uns mitreißen. Vielleicht waren wir für sie ein „Fliegengewicht“, geschwächt durch negative Erfahrungen, die uns ins Schwanken gebracht, aber nicht zu Boden gerissen haben. Und wieder andere Male kommen diese Winde in unser Leben, wenn wir am wenigsten damit gerechnet haben, und beuteln uns mit solch einer unerwarteten Wucht und nehmen uns unseren Frieden.

Sobald uns dieser Wirbelsturm erfasst hat und wir seine gewaltige Kraft zu spüren bekommen, kann uns das Gefühl überkommen, dass wir alles, was wir in unserem Leben sicher geglaubt haben, nach und nach verlieren. Unser Kopf kann nicht aufhören, zu denken, bis er die schmerzhafte Realität erkennt, die er niemals sehen wollte, beispielsweise bei einem Betrug oder wenn uns ein Mensch verlässt. Und das Gedankenkarussell dreht sich, versucht, diese Gedanken durch andere, wichtigere zu ersetzen. Bis wir verstehen, dass dieser Wirbelwind einen Teil, aber nicht den besten von uns verweht hat. Er musste ihn auf diese Art verwehen, damit wir reagieren und unseren eigenen Frieden suchen und finden konnten.

Ich habe diese Wirbelwinde in meinem Leben verspürt und noch heute bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich notwendig war, dass sie mich mit ihrer gesamten Wucht erwischt haben. Doch auch wenn dem so ist, ist es auch eine Tatsache, dass sie mir gezeigt haben, was wichtig ist. Mir blieb nicht viel, aber genug, um weiterzumachen und in Frieden zu leben.

Was blieb, waren vertrocknete, abgebrochene Zweige, doch sie strahlten Frieden aus

Wir alle haben Zeiten erlebt, in denen es uns so vorkam, als wäre das Leben nicht mit einem Waffenstillstand einverstanden, nicht einmal mit ein wenig Ruhe, damit wir herausfinden konnten, warum alles so verwirrend erschien. Ich glaube nicht an das Gesetz der Anziehungskraft, doch ich glaube, dass das Leben erst Ruhe gibt, wenn du auf die eine oder andere Weise mit ihm zusammengestoßen bist, wenn etwas schlecht läuft und du nicht den Sinn dahinter verstehst.

Die Frage ist doch, ob dieser Schmerz, von dem wir dachten, dass er es wert sei, nur eine Einbildung war. Er war nicht der Inbegriff des Unglücks. Dieses Gefühl von Bewunderung für etwas, das gleichzeitig wie ein Mysterium auf uns wirkt, löst sich in Luft auf, um uns auf die Mittelmäßigkeit dahinter hinzuweisen.

Ab und an haben wir das Gefühl, als hätten wir all unsere Blätter und Äste, die voller Blüten waren, verloren, sowie ein ausgetrockneter Baum. Aber du solltest bei der Betrachtung dieses trockenen Baumes nicht vergessen, dass es trotzdem noch Leben, Hoffnung und ein Versprechen in ihm gibt.

Dieser Baum ist trotz allem noch immer da. Und obwohl ihn nichts schmückt, ist er doch irgendwie authentischer als je zuvor. Ihm blieb im Grunde genommen nichts, doch noch genug, um wieder zu erblühen.

Er scheint seinen Frieden gefunden zu haben, auch wenn bald wieder ein Sturm droht. Als wäre dieses Versprechen, das in seiner mickrigen Erscheinung steckt, seine größte Tugend. Und manchmal sind die schönsten Sachen die, die schön waren und nicht wiederkommen werden, nicht mehr in unserem Leben sind, aber versprechen, in einer neuen Form wieder aufzuleben. Vielleicht ist das der einzigartige Sinn des Lebens.

Von Ästen, die wieder beginnen, zu blühen

Wir sollten besser aufhören, zu lamentieren. Was uns wie ein Tsunami vorkam und alles weggespült hat, von dem wir dachten, dass es uns besonders machen würde, hat nämlich auch viel Unbrauchbares hinfort getragen. Sobald uns das bewusst wird, schütteln wir den Staub von unseren Schultern ab und wir spüren, dass uns eine Last von unseren Schultern genommen wird.

Alles ist plötzlich viel leichter und natürlicher geworden. Scheinheiligkeit irritiert uns nicht länger und lässt uns tief in unserem Inneren einfach lachen. Es gibt keine bessere Antwort für Menschen, die dich verletzt haben, weil sie dich hintergangen oder extrem enttäuscht haben, als diese innere Gleichgültigkeit, von der du auf einmal Gebrauch machen kannst. Du musst anderen nicht einmal davon erzählen. Es ist wie dieses spontane Lächeln auf deinen Lippen, wenn du frisch verliebt ist.

Leidenschaftliche Herzen brechen nur wegen etwas, das für immer eine tiefe Spur in ihnen hinterlassen kann. Ein intelligenter Mensch trauert immer dem hinterher, der mutig war. Für Feigheit ist im Gedächtnis kein Platz. Das erinnert dich nur an dein verletztes Ego, nicht an den schmerzlichen Verlust.

Deshalb beginnen die Blumen wieder zu erblühen. Dir fällt auf, dass du vorher dachtest, dass du nichts mehr hättest, doch dass der gesamte Prozess notwendig war, um dich zu fühlen, wie du dich jetzt fühlst. Dir würde es nicht im Traum einfallen, etwas oder jemanden zu beschuldigen. Dieses Gefühl von Frieden kommt nur als Antwort auf schwierige Zeiten, die dir nichts anhaben konnten und  dich komplett verändert haben.

Es ist ein Privileg, uns hin und wieder zu sehen, wie wir nichts haben und mit Vielem zu brechen. Nicht jeder sieht einen Sinn in diesem Prozess, das schätzen zu lernen, was man hat, wenn man nichts hat. Sie warten darauf, etwas finden zu können, darauf, recht gehabt zu haben, und oftmals verlieren sie ihr Ziel aus den Augen.

Der Grund für diesen Prozess liegt in der Zukunft. Du hast bereits festgestellt, was wirklich wichtig ist, um weiterzumachen. Du bist kraftvoller, was nicht heißen soll, dass du frei von Problemen bist. Aber du wirst zukünftig wegen der Wunden, die durch wahre Liebe entstanden sind, erschüttert sein, und wirst mit deinen Freundinnen über solche Momente lachen können. Du wirst dein Sozialleben genießen und hast auch nicht mehr das Bedürfnis, das alles zu zeigen.

Das Schönste daran ist, dass du voller Würde diese Zeiten überstanden hast und nicht mehr derselbe Mensch bist, sondern dich nun viel besser fühlst. Du trauerst einem Lächeln der Vergangenheit nicht mehr hinterher. Das Lächeln der Gegenwart ist nun dein treuer Begleiter wegen des Guten, das noch kommen wird, und das ab und an erst sichtbar wird, wenn der heftige Sturm nachgelassen hat.

Du bist nicht deine Erfahrungen, sondern das, was du aus ihnen lernst

Einer der Hauptgründe für Kummer ist oft der folgende: Wir
setzen so viel mit bestimmten Erfahrungen gleich, dass… >>> Mehr