Mercedes Rodrigo: Spaniens erste Psychologin

16. Juni 2019
Mercedes Rodrigo war Spaniens erste Psychologin. Doch erst vor Kurzem wurde ihre Leistung anerkannt. Erfahre hier mehr über diese außergewöhnliche Frau!

Mercedes Rodrigo war Spaniens erste Psychologin. Ihre Arbeit war lange Zeit in Vergessenheit geraten, doch vor Kurzem wieder entdeckt. Erst lange nach ihrem Werk erhielt sie die Anerkennung, die ihr zusteht.

Mercedes Rodrigo verbrachte einen Großteil ihres Lebens damit, sich mit beruflicher Bildung und Auswahlverfahren bei Bewerbungen zu befassen. Darüber hinaus gründete sie das erste Psychologieprogramm in Südamerika.

Rodrigo wurde 1891 in Madrid, Spanien, geboren, wo sie den größten Teil ihrer Kindheit verbrachte. 1911 machte sie ihren Abschluss in Pädagogik mit Spezialisierung auf gehörlose und blinde Kinder. Da sie unbedingt ihre Ausbildung fortsetzen wollte, war sie glücklich, als sie ein Stipendium für ein weiteres Studium an der Universität Genf in der Schweiz erhielt.

Studium unter Édouard Claparède

In Genf studierte sie unter Édouard Claparède und arbeitete jahrelang mit ihm in seinem Labor. Claparèdes Arbeit war einer der Hauptgründe, warum Genf zum Zentrum der modernen europäischen Pädagogik wurde. Seine Leistung bezieht sich auf die Entwicklung eines neuen Bildungsmodells, das sich sehr von den traditionellen pädagogischen Modellen unterscheidet.

Denn Claparède war überzeugt von einem ‚aktiven‘ Schulmodell, dessen Hauptaugenmerk auf den Interessen der Schüler liegen sollte. Das heißt, die Ausbildung der Schüler sollte auf ihre Interessen zugeschnitten werden. Dies erregte die Aufmerksamkeit weiterer bedeutender Pädagogen dieser Zeit.

Claparède nahm Konzepte und Ideen aus der Psychologie und wandte sie auf den Ausbildungsprozess an. Denn der Pädagoge war davon überzeugt, dass Lehrer die Interessen ihre Schüler durch vorab festgelegte Umfragen herausfinden sollten. Anschließend sollten die gewonnenen Erkenntnisse angewandt werden, um den Unterricht auf die Bedürfnisse der Schüler auszurichten.

1923 erhielt Mercedes Rodrigo ihren Abschluss in Psychologie an der Universität Genf. Zusammen mit Claparède half sie, die Grundlagen der modernen Bildung zu revolutionieren. Das heißt, beide Wissenschaftler waren frühe Befürworter einer individuelleren Art des Unterrichts, die die Interessen des Einzelnen in den Mittelpunkt rücken sollte.

Mercedes Rodrigo arbeitete lange mit Claparède in Genf zusammen.
Mercedes Rodrigo arbeitete lange mit Claparède in Genf zusammen.

Mercedes Rodrigo: Spaniens erste weibliche Psychologin

1923 kehrte Rodrigo nach Spanien zurück. Dort wurde sie die erste Psychologin des Landes. Außerdem startete sie ein Projekt, um Lehrer in höheren Bildungseinrichtungen auszubilden. In Zusammenarbeit mit Piaget verwendete sie ein in Genf entwickeltes Lehrbuch.

Gemeinsam brachten sie Pädagogen bei, wie sie ihre Schüler beobachten und ihre Beobachtungen auf das Klassenzimmer anwenden können. Dies war für das damalige Spanien ein revolutionärer Schritt in der Ausbildung von Pädagogen.

Im Jahr 1929 begann Rodrigo an einem staatlichen Institut in Madrid zu arbeiten. Sie spezialisierte sich auf Psychometrie. Denn ihr Ziel war es, die Erkenntnisse aus ihrer Forschung bezüglich den Prozessen der Berufsausbildung und Mitarbeiterauswahl in die Praxis umzusetzen. Doch musste Mercedes Rodrigo wegen des aufkommenden Faschismus 1939 aus Spanien fliehen.

Mercedes Rodrigo in Kolumbien

Mercedes Rodrigo verschlug es nach Kolumbien in der Hoffnung, psychotechnische Evaluierungsprogramme an Universitäten zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund erstellte sie einen Aufnahmetest für kolumbianische Universitäten für den Studiengang Medizin. Dies war äußerst wichtig, da die Zahl der Bewerber viel größer war als die Zahl der von den Universitäten angebotenen Plätze.

Die Universitäten implementierten diesen Aufnahmetest und waren von den Endergebnissen begeistert. Daraufhin übernahmen auch andere Bildungseinrichtungen und Firmen Rodrigos Test.

Aber 1948 brachen politische Unruhen in Bogotá, Kolumbien, aus, die das Leben dort erschwerten. Die Spannungen wurden größer und es zeichnete sich ein Krieg ab. Während dieser Zeit warf eine Jesuitenzeitung Rodrigo vor, Kommunistin zu sein, weil sie die damalige UdSSR besucht hatte.

Zusätzlich erinnerte die Zeitung ihre Leser daran, dass Rodrigo ein Flüchtling war. Die Publikation schreckte ebenfalls nicht davor zurück, Negatives über den von Rodrigo entwickelten Zulassungstest zu verbreiten. Letztendlich waren die Artikel der Zeitung Schuld daran, dass Rodrigo und ihr Team das Land verließen.

Mercedes Rodrigo in Puerto Rico

Nachdem die Psychologin Kolumbien verlassen hatte, arbeitete sie eine Weile als Professorin und beratende Psychologin an der Universität von Puerto Rico.

Später entschloss sie sich, als Therapeutin mit einzelnen Patienten und Gruppen zu arbeiten. Allerdings sollte sie sich zeitlebens für die Psychometrie interessieren.

In Puerto Rico wurde Mercedes Rodrigo berühmt, weil sie ihr Leben der Bildungsforschung und der Lehrerausbildung widmete. Dank Rodrigos Ruf konnten viele spanische Studenten (nach dem Bürgerkrieg) ihren Lebenslauf verbessern und ihr Studium in Puerto Rico abschließen.Mercedes Rodrigo ist eine wichtige Figur in der kolumbianischen Wissenschaftsgeschichte.

Wohlverdiente Anerkennung

Rodrigos Forschung und ihr Engagement für die Weiterentwicklung im pädagogischen Feld waren von grundlegender Bedeutung. Denn sie trugen dazu bei, weitere Studien zu initiieren und Fachkräfte in allen Bereichen der modernen Psychologie in ganz Lateinamerika auszubilden.

Der 20. November ist ein Tag in Kolumbien, der der Psychologie gewidmet ist. An diesem Tag wird die Gründung des ersten unabhängigen psychologischen Instituts des Landes gefeiert. Auch Mercedes Rodrigo war daran beteiligt. Aus diesem Grund ist sie eine sehr wichtige Figur in der (kolumbianischen) Wissenschaftsgeschichte.

Obwohl sie die erste Psychologin Spaniens war, war sie jahrzehntelang in Vergessenheit geraten. Glücklicherweise bemühen sich heutzutage viele Menschen, vergessene Pionierinnen, die Schlüsselfiguren in der Entwicklung der modernen Wissenschaft waren, wieder in unser kulturelles Gedächtnis zu rufen.