DISG-Modell: Was hat Wonder Woman mit dem Studium der Persönlichkeit zu tun?

· 21. April 2019

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts stellte Dr. William Moulton Marston die Theorie des DISG-Modells für die Analyse der Persönlichkeit vor. Im Englischen spricht man vom DISC Model, das vier Persönlichkeitsmerkmale umfasst: Dominanz (D), Initiative (I), Stetigkeit (S) und Gewissenhaftigkeit (G).

Um das Jahr 400 v. Chr. entwickelte Hippokrates die Theorie der vier Weisen. Demnach mussten die vier menschlichen Körperflüssigkeiten (auch „vier Säfte“ genannt: Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle) immer im Gleichgewicht sein. Man ging jedoch davon aus, dass einer dieser Säfte im Individuum vorherrschte und zu einem bestimmten Temperament führte. Danach wurden Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker oder Melancholiker unterschieden.

Etwa 2300 Jahre später wurde die achte Ausgabe der All Stars Comics veröffentlicht. Und es gab eine neue Superheldin namens Wonder Woman. Sie war eine der ersten und zweifellos beliebtesten Superheldinnen. Ihr Schöpfer, Charles Moulton, machte aus dem Manuskript ein Drehbuch. Aber was hat das mit Hippokrates‘ Theorie zu tun? Und mit Marston und dem DISG-Modell?

Ein Psychologe, der an „normalen Menschen“ interessiert ist

Die Antwort ist ganz einfach: Charles Moulton war nichts weiter als das Schriftstellerpseudonym von William Moulton Marston, dem bereits erwähnten ehemaligen Professor für Psychologie. Das DISG-Modell war das erste Modell zur Kategorisierung der Persönlichkeit in der Neuzeit, das auf den vier Hauptmerkmalen menschlichen Verhaltens basierte, wie in der Theorie von Hippokrates. Diese Merkmale repräsentieren vier extreme Persönlichkeiten. Die verschiedenen möglichen Kombinationen dieser Persönlichkeitsmerkmale wiederum definieren das DISG-Profil der einzelnen Person.

Jeder Buchstabe im DISG-Modell steht für ein anderes Persönlichkeitsmerkmal.

Der Name des Modells stammt aus den Abkürzungen dieser Persönlichkeiten: Dominanz (D), Initiative (I), Stetigkeit (S) und Gewissenhaftigkeit (G).

Professor Marston interessierte sich nicht für das Studium psychischer Erkrankungen. Eigentlich mochte er „normale“ Leute viel lieber. In seinem Buch Emotions of Normal People (zu Deutsch: Emotionen normaler Leute, nicht auf Deutsch verfügbar) hat er sein DISG-Modell zuerst detailliert beschrieben.

Was bedeutet die Abkürzung DISG?

Aber was ist die wahre Bedeutung der Abkürzung DISG? Das DISG-Modell berücksichtigt zwei Achsen: Wie man sich in Bezug auf das soziale Umfeld eines Menschen wahrnimmt und ob man dieses Umfeld als günstig oder antagonistisch empfindet.

Hier sind die vier Persönlichkeitsmerkmale des DISG-Modells:

  • D für Dominanz: Du hältst dich gegenüber deiner Umgebung, die du als antagonistisch einschätzt, für überlegen. Deshalb konzentrierst du dich darauf, deine Macht auszuüben. Dieses Persönlichkeitsmerkmal überwiegt bei hartnäckigen und selbstbewussten Menschen, die sich auf das Erreichen ihrer Ziele konzentrieren.
  • I für Initiative: Auch du hältst dich deiner Umwelt gegenüber für überlegen. Du verhältst dich jedoch ihr gegenüber wohlwollend. Dieses Persönlichkeitsmerkmal überwiegt bei optimistischen, extrovertierten und enthusiastischen Menschen.
  • S für Stetigkeit: Du hältst dich deiner scheinbar antagonistischen Umgebung gegenüber für unterlegen. Du verpflichtest dich selbst, stets „das Richtige zu tun“. Dieses Persönlichkeitsmerkmal überwiegt bei zurückhaltenden, klugen und analytischen Personen.
  • G für Gewissenhaftigkeit: Du betrachtest dich selbst als unterlegen, aber du akzeptierst diese Unterordnung. Mit anderen Worten, du betrachtest deine Umgebung nicht als antagonistisch, sondern als günstig. Dieses Persönlichkeitsmerkmal überwiegt bei ruhigen, bescheidenen und geduldigen Menschen.

Aktuelle Verwendung des DISG-Modells

Tatsächlich gibt es mehrere Tests zur Analyse der Persönlichkeit, die auf Marstons Modell basieren. Einige sind gar von kommerzieller Natur und werden von Personalabteilungen verwendet. Dies liegt daran, dass das Wissen über das Verhaltensprofil eines Bewerbers für die Verantwortlichen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter von großem Interesse ist.

Das DISG-Modell kann auch von Arbeitgebern während des Einstellungsprozesses verwendet werden.

Darüber hinaus setzen Lehrer das DISG-Modell auch im Bildungsbereich ein, um die Reaktionen und Motivationen ihrer Schüler besser zu verstehen. Dank der Anwendung des DISG-Modells ist es weiterhin möglich, unser Wissen über unser eigenes Verhalten zu vertiefen.