Mein Kind will nicht zur Schule: Was tun?

Dein Kind will nicht in die Schule gehen? Wir sprechen heute über die möglichen Ursachen.
Mein Kind will nicht zur Schule: Was tun?
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 11. September 2022

Veränderungen sind oft beängstigend, auch für die Kleinsten des Hauses. Es kann vorkommen, dass ein Kind an manchen Tagen nicht zur Schule will, das ist normal. Wenn dies jedoch häufig, oder vielleicht sogar jeden Tag der Fall ist, solltest du den Ursachen auf den Grund gehen.

Manche Kinder haben einfach das Bedürfnis, einen Tag zu Hause zu bleiben, um neue Energie zu tanken. Die Schulverweigerung kann allerdings auch mit Ängsten zu tun haben kann. Studien zeigen, dass bis zu 18 % der Kinder zwischen 3 und 14 Jahren von starken Schulängsten betroffen sind. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren.

Mein Kind will nicht zur Schule: Was tun?
Wenn dein Kind normalerweise gerne zur Schule geht, sich jedoch plötzlich weigert, solltest du unbedingt die Gründe herausfinden.

Mein Kind will nicht zur Schule: Warum?

Es gibt viele Gründe, warum dein Kind nicht zur Schule gehen will. Diese Art der Verweigerung ist ein komplexes Problem, das auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist:

  • Trennungsangst;
  • Angst vor verschiedenen schulischen Ereignissen: vor Schlägen oder Hänseleien, Kritik in der Klasse, Scham beim Umziehen für den Sportunterricht, Vorsprache beim Direktor, Angst beim Sprechen vor anderen, eine soziale oder eine andere spezifische Phobie;
  • Probleme mit generalisierten Ängsten oder Depressionen.

Häufig verweigern Kinder nach den Ferien, in die Schule zu gehen, denn nach der langen Zeit zu Hause fällt es ihnen schwer, sich zu trennen und wieder Verantwortung zu übernehmen. Auch Veränderungen in der Familiendynamik sind häufig die Ursache: Eine Scheidung, mangelnde Zuneigung oder Konflikte zwischen den Eltern können Unsicherheit auslösen.

Zudem sind gesundheitliche Probleme häufige Auslöser. Nicht zu vergessen ist Mobbing: Studien der UNESCO (2019) legen nahe, dass fast jedes dritte Kind (32 %) weltweit irgendwann an Mobbing leidet und 1 von 13 Kindern (7,3 %) ständig gemobbt wird.

Die Gründe herausfinden 

Folgende Fragen können dir helfen, die Gründe herauszufinden, warum dein Kind nicht zur Schule gehen will.

  • Hat dein Kind Probleme in der Schule? Mit Lehrern oder Mitschülern?
  • Wann wollte dein Kind nicht mehr zur Schule? Was ist davor passiert?
  • Gab es Veränderungen im familiären Umfeld? Ein neues Geschwisterchen oder andere familiäre Gründe könnten dahinterstecken.
  • Gibt es in derselben Klasse andere Kinder, die nicht zur Schule möchten? Erkundige dich bei anderen Eltern, vielleicht liegt ein Konflikt mit einer Lehrkraft oder mit Mitschülern vor.
  • Gibt es ein medizinisches oder psychologisches Problem? Versuche, alle medizinischen oder psychischen Probleme auszuschließen. Überlege, ob dein Kind in letzter Zeit andere Symptome hatte, und wenn ja, konsultiere einen Arzt oder Psychologen.

Was tun, wenn dein Kind nicht zur Schule will?

Folgende Tipps können dir helfen:

1. Sprich mit deinem Kind

Du solltest offen mit deinem Kind sprechen, damit es dir selbst erklären kann, was mit ihm los ist. Verwende einen ruhigen Tonfall und höre aufmerksam zu.

2. Beobachte sein Verhalten

Hat dein Kind auch Probleme, das Haus zu verlassen, um andere Orte zu besuchen? Dann liegt es eventuell nicht an der Schule, sondern am Kind selbst. Es ist vielleicht unsicher und ängstlich und möchte deshalb nicht von deiner Seite weichen. In diesem Fall lässt du dich am besten von einer psychologischen Fachkraft beraten.

3. Seine Gefühle verstehen und akzeptieren

Wenn dein Kind nicht zur Schule möchte, solltest du nicht sofort mit ihm schimpfen. Versuche, Einfühlungsvermögen zu zeigen und akzeptiere die Gefühle deines Kindes: “Ich weiß, dass du traurig (wütend, ängstlich …) bist, das geht in Ordnung, doch du wirst sehen, dass alles gut gehen wird.”

Hilf deinem Kind, seine Gefühle zu benennen, auch wenn es ihm schwerfällt. Emotionale Beweglichkeit ist eine sehr vorteilhafte Strategie.

3. Sprich mit den Lehrkräften

Frage die Lehrkräfte, ob sie Ungewöhnliches beobachten oder es in der Klasse Konflikte gibt. Lehrende können dein Kind in seiner Schulumgebung beobachten und vielleicht die Gründe herausfinden, warum es nicht zur Schule möchte.

4. Ermutige dein Kind zum Lernen

Vielleicht will dein Kind nicht zur Schule gehen, weil es keine Motivation zum Lernen hat. In diesem Fall kannst du es unter anderem mit folgenden Techniken ermutigen:

  • Kontext. Hilf dem Kind, das Lernen mit früheren Erfahrungen und Kenntnissen zu verknüpfen, damit es diese mit der Realität, in der es lebt, in Verbindung bringen kann. Das motiviert das Kind, weil es ihm ermöglicht, die Realität, in der es lebt, zu verstehen.
  • Kreativität. Stimuliere die kreative Lösung von realen und bedeutenden Problemen. Dieser Prozess ist motivierend, weil er dem Kind zeigt, dass es das Gelernte anwenden kann und dass es sinnvoll ist, zur Schule zu gehen.
  • Neugierde. Wecke das Interesse des Kindes am Lernstoff. Verschiedene Methoden können die Neugierde fördern, damit das Kind selbst nach Antworten sucht.
  • Kontrolle. Ermögliche es deinem Kind, sich zu beteiligen und selbst zu entscheiden, mit welchen Methoden es lernen möchte. Das hilft ihm, Autonomie zu entwickeln und stärkt seine Fähigkeit, den Lernprozess selbst zu steuern.
  • Kollaboration. Um dein Kind zum Lernen zu motivieren, ist es wichtig, einen Raum für Zusammenarbeit, Interaktion und Austausch zu schaffen. Die Teamarbeit gibt dem Kind das Gefühl, begleitet und unterstützt zu werden.
Mädchen möchte nicht zur Schule
Die Motivation ist die Grundlage für Beteiligung und Engagement.

5. Beobachte dein Kind beim Spielen und Zeichnen

Die Spiele und Zeichnungen von Kindern spiegeln deren Realität wider. Beobachte dein Kind beim Spielen, höre den Dialogen zu und achte auf die Situationen, die es im Spiel nachstellt.

Erlaube ihm, sich beim Zeichnen frei auszudrücken. Vielleicht entdeckst du auf den Zeichnungen den Grund, warum es nicht zur Schule will.

6. Professionelle Hilfe

Wenn du keine Antworten findest, solltest du unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Normalerweise gibt es an der Schule Psychologen, die helfen können. 

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