Kinder kommunizieren durch ihr Verhalten: Lerne zuzuhören

Kinder können sich noch nicht so gut ausdrücken wie Erwachsene, deshalb ist es wichtig, ihr Verhalten zu beobachten, um ihre Bedürfnisse zu erkennen.
Kinder kommunizieren durch ihr Verhalten: Lerne zuzuhören
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2022

In der Erziehung bewerten wir das Verhalten oft mit gut und schlecht, erwünscht oder unerwünscht. Kinder benötigen Unterstützung, um bestimmte Verhaltensmuster zu korrigieren und zu verbessern. Wenn wir uns jedoch nur auf die Handlungen konzentrieren, sehen wir nicht, was uns unsere Kinder mit ihrem Verhalten sagen. Wir müssen lernen, ihnen zuzuhören.

Hinter jedem Verhalten eines Kindes steckt eine Botschaft, denn sein Handeln ist ein Spiegelbild seiner inneren Welt, seiner Gedanken und Gefühle. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns Kinder nicht ärgern, verzweifeln oder verletzen wollen, es stecken keine bösen Absichten hinter ihrem Verhalten. Um sie zu unterstützen, solltest du deshalb verstehen, was deine Kinder dir sagen möchten.

Kinder kommunizieren mit ihrem Verhalten

Die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern ist von Geburt an grundlegend für ihre emotionale Entwicklung. Die Aufgabe der Eltern ist, die Bedürfnisse des Babys wahrzunehmen und zu verstehen und eine gesunde Bindung aufzubauen. Wir alle wissen, dass ein Neugeborenes schreit, weil es hungrig ist, ihm kalt ist, es sich unwohl fühlt oder Zuneigung benötigt. Uns ist klar, dass Weinen sein einziges Ausdrucksmittel ist, und wir bemühen uns, zu verstehen, was es braucht und entsprechend zu handeln. Wenn Kinder jedoch älter werden, verlieren wir diese Sensibilität.

Wenn ein Zweijähriger einen Wutanfall hat, gehen wir davon aus, dass er sich uns widersetzt und dass dies ein schlechtes Verhalten ist. Schlägt ein Kind sein Geschwisterchen oder will nicht alleine schlafen, machen wir ihm schnell Vorwürfe, ohne die Situation näher zu hinterfragen. Oft sind Kinder nicht fähig, sich anders auszudrücken oder sich zu kontrollieren.

das Verhalten eines kleinen Mädchens mit seiner Mutter
Die Kommunikation mit Kindern ist wichtig, um zu verstehen, was mit ihnen passiert und wie sie sich fühlen.

Welche Botschaften stecken hinter dem schlechten Verhalten von Kindern?

Das Verhalten von Kindern kann verschiedene Botschaften vermitteln. In jedem Fall ist es notwendig, die Situation zu analysieren und das Kind genau zu beobachten. Hier sind einige Beispiele, an denen du dich orientieren kannst:

Emotionale Intensität, mit der das Kind nicht umgehen kann

Ein Wutanfall kann die Folge angesammelter Emotionen sein, die das Kind aufgrund seiner unvollständigen Entwicklung nicht auf andere Weise bewältigen kann. Die Fähigkeit zur Selbstregulierung ist noch gering, deshalb können Kinder von negativen Emotionen wie Wut, Traurigkeit oder Frustration überwältigt werden.

In diesem Entwicklungsstadium versuchen Kinder, sich selbst zu behaupten, ihre Meinung durchzusetzen und sich den Befehlen anderer bis zu einem gewissen Grad zu widersetzen. Wenn sie gezwungen werden, etwas zu tun, was sie nicht wollen, oder wenn ihnen etwas verweigert wird, können Kinder übermäßig aktiv werden und einen Wutanfall bekommen.

Wenn wir nur auf ihr Verhalten achten, reagieren wir vielleicht wütend, fühlen uns herausgefordert und versuchen, uns durchzusetzen, um Gehorsam zu erzwingen. Hören wir jedoch auf die Botschaft, bemerken wir, dass das Kind keine Zurechtweisung braucht, sondern Begleitung und Hilfe, um seinen emotionalen Zustand zu regulieren.

Eifersucht und Unsicherheit

Stell dir vor, dein Kind hat sich angewöhnt, seinen kleinen Bruder beim Spielen zu schlagen oder anzuschreien. Auf den ersten Blick scheint dies ein Verhaltensproblem zu sein und die Lösung scheint klar: Bring deinem Kind bei, andere nicht anzugreifen. Es ist jedoch wichtig, das Problem an der Wurzel zu packen: Warum verhält dein Kind sich so?

Es ist möglich, dass sich das Kind seit der Geburt seines Bruders von seinen Eltern verdrängt oder vernachlässigt fühlt. Vielleicht, weil es gleich nach der Geburt in sein eigenes Zimmer geschickt wurde; weil die Eltern die beiden Geschwister häufig miteinander vergleichen oder weil sie der Betreuung des jüngeren Kindes Vorrang einräumen.

Diese kleinen Gesten, die vielleicht unbemerkt bleiben, können große Auswirkungen auf das Kind haben und zu unangemessenem Verhalten verleiten. Wenn wir verstehen, was das Kind fühlt und auf seine emotionalen Bedürfnisse eingehen, können wir das Fehlverhalten besser korrigieren.

Angst

Nehmen wir ein letztes Beispiel. Stell dir vor, dein Kind hat mit Nagelbeißen begonnen und verletzt sich dabei. Du kannst bitteren Lack auftragen oder mit dem Kind schimpfen, wenn du es dabei erwischst.

Es handelt sich jedoch in den meisten Fällen um ein Zeichen von Angst, Sorge und Nervosität. Vielleicht ist das Kind gestresst, leidet an übermäßigem Streit zwischen den Eltern oder an Konflikten in der Schule. Sobald die Ursachen bekannt sind, ist auch die Lösung einfacher.

Verhalten eines Kindes bei Traurigkeit
Die Familiendynamik beeinflusst, wie Kinder sich selbst und die Welt um sie herum sehen.

Kinder kommunizieren mit ihrem Verhalten, wenn sie keine anderen Ressourcen haben

Die Botschaft, die sich hinter dem Verhalten der Kinder verbirgt, zu erkennen, ist ein wesentlicher erster Schritt, aber es ist auch wichtig, Kindern andere Mittel zur Selbstdarstellung und zum Selbstmanagement näherzubringen. Emotionale Erziehung hilft dabei, eigene Gefühle zu verstehen und diese angemessen auszudrücken und zu managen. Dies ist für kleine Kinder zwar nicht einfach, doch in einer respektvollen Erziehung unterstützen die Eltern bei den Lernprozessen.

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