Louisa May Alcott - die Biographie einer Nonkonformistin

Louisa May Alcott war nicht nur die Autorin eines der bekannstesten Jugendbücher der englischsprachigen Literatur. Sie stach auch als unabhängige Frau heraus. Sie war die Tochter eines Vordenkers, der ihr die Liebe zu Kunst und Bildung in die Wiege legte.
Louisa May Alcott - die Biographie einer Nonkonformistin

Letzte Aktualisierung: 01. Januar 2021

Louisa May Alcott schrieb den berühmten Roman Little Women – zu deutsch auch Betty und ihre Schwestern – einen literarischen Welterfolg, der eine ganze Epoche prägte und auch heute noch auf großes Interesse stößt. Das Buch wurde in mehr als 27 Sprachen übersetzt. Der Erfolg des Familienepos lässt sich auch an den zahllosen Verfilmungen messen. 

Little Women setzte in der Weltliteratur Maßstäbe. Nicht nur, weil der Roman wunderschön geschrieben ist, sondern auch deshalb, weil der Inhalt des Buches die Realität nachzeichnet.

Als der Roman veröffentlicht wurde, standen Autorinnen noch ziemlich stark im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Little Women entfernte sich zudem von romantisierten Vorstellungen und tauchte in die Realität ein – in den Alltag echter Frauen. Darum wurde Louisa May Alcotts Buch unmittelbar zum Bestseller; etwas Vergleichbares war damals nicht im Umlauf.

“Eine überzeugende Beeinflussung ist besser als jede moralisierende Belehrung.”

Louisa May Alcott

Darüber hinaus spiegelt Alcotts Roman wohlbegründete Ideen und Werte wider. Sie schreibt über Frauen, die denken und die Schöpferinnen ihres eigenen Schicksals sind. Das war für die damalige Zeit etwas völlig Revolutionäres. Man sieht durch die Zeilen auch die Einstellung der Autorin als Gegnerin der Sklaverei und Befürworterin radikal demokratischer Ideen.

Eine Frau liest das Buch von Louisa May Alcott.

Louisa May Alcott und ihre besondere Familie

Louisa May Alcott wurde am 29. November 1832 in Germantown, Pennsylvania geboren. Sie war die zweitälteste von vier Schwestern; der einzige Bruder starb im frühen Kindesalter.

Es war nicht überraschend, dass sie sich zu einer aufgeklärten und unabhängigen Frau entwickelte, da ihr Vater ein berühmter Lehrer war, der seiner Zeit weit voraus war. Er hieß Amos Bronson Alcott und war Lehrer, Schriftsteller und Philosoph im inneren Kreis der amerikanischen Transzendentalisten. Die Mutter Abigail war eine entschlossene und wissbegierige Frau. Es lässt sich daher leicht erklären, dass Louisa in einem intellektuell und künstlerisch äußerst anregenden Umfeld aufwuchs.

Der Vater widmete sich hingebungsvoll der Erziehung seiner Tochter in den eigenen vier Wänden. Er war ein Mann, der Erziehung als Befreiungsprozess erachtete, wobei die Hauptfunktion der Erziehung seines Erachtens darin lag, den kleinen Menschen das Denken beizubringen. Diese Ansicht galt zur damaligen Zeit als ausgesprochen revolutionär – wo doch der damalige Schwerpunkt der Erziehung auf Auswendiglernen und Disziplin lag.

Der philosophische Ansatz der Transzendentalisten

Louisas Vater gehörte der transzendentalistischen Bewegung an – einer Lebens- und Gesellschaftsreform, die starke Anleihen bei der Religion nahm. Mit im Zentrum dieser Philosophie steht das Nachdenken über die tiefsten Aspekte des Menschseins. Bronson Alcott tat sich als Pädagoge hervor – im Besonderen mit seiner experimentellen Temple School, die er mitbegründete. Er war von fortschrittlichen pädagogischen Gedanken inspiriert.

In seiner Schule gab es Mikroskope, Lineale und andere Hilfsmittel für einen Unterricht, bei dem die Beweisführung vor dem Auswendiglernen Vorrang hatte. Da er jedoch die damals radikale Entscheidung traf, afroamerikanische Schüler zuzulassen, wurde seine Schule geschlossen.

Bronson Alcott glaubte auch stark an die Gleichberechtigung der Frau und war überzeugt davon, dass Frauen das Wahlrecht gegeben werden sollte. Deshalb ermutigte er seine junge Tochter dazu, sich dem zu widmen, was ihre größte Leidenschaft werden sollte: dem Schreiben.

Er traf auch Entscheidungen, die wahrscheinlich einen Einfluss auf die Imagination der jungen Autorin hatten. Er gründete in Harvard, Massachusetts eine sozialutopische Siedlung, die er “Fruitlands” taufte. Dabei handelte es sich um eine Gruppe Menschen, die in einem abgelegenen Landstrich wohnten und nur Obst und Gemüse aus Respekt vor den Tieren verzehrte.

Das Talent für Geld fehlte Vater Alcott völlig und das Experiment überlebte nur kurze Zeit. Darum war die Familie wie so oft von neuem gezwungen, sich nach Arbeit und Wohnraum umzusehen.

Ein offenes Buch liegt auf einem Holztisch. Louisa May Alcott

Die erfolgreiche Autorin

Louisa May Alcott arbeitete in verschiedenen Berufen wie Kindergartenerzieherin, Näherin, Haushälterin und Krankenschwester im amerikanischen Bürgerkrieg. Als Jugendliche begann sie auch damit, Artikel zu schreiben, die in Frauenmagazinen veröffentlicht wurden.

Sie wollte der eigenen Familie finanziell unter die Arme greifen, obwohl ihr Vater stets darauf bestand, dass sie das tun sollte, was sie liebte und dabei nicht an das Geld denken sollte.

Zunächst begann sie zögerlich, ihren Roman Little Women zu verfassen. Zu dieser Zeit hatte sie bereits mehrere Bücher geschrieben, fast alle davon Schauerromane. Für dieses Genre hegte sie leidenschaftliche Gefühle. Ihr Verleger Thomas Niles, der auch ihren Vater verlegte, erzählte ihr von seinem Interesse für einen Roman, der auf junge Frauen der Zeit zugeschnitten war. Louisa machte sich im Mai 1868 – wenn auch etwas widerwillig – gleich ans Werk. Sie schrieb Little Women in nur zwei Monaten.

Das Buch wurde nach seiner Erstveröffentlichung unmittelbar zu einer Erfolgsgeschichte – bereits nach den ersten zwei Wochen waren schon mehr als 2.000 Stück davon verkauft und die Verkaufszahlen steigen bis zum heutigen Tag immer noch kontinuierlich an. Louisa May Alcott wurde eine reiche und berühmte Frau und konnte ihrer Familie im großen Stil aus ihrer misslichen finanziellen Situation helfen.

Die Autorin blieb unverheiratet. Nach dem Tod ihrer Mutter führte sie die Familie als Oberhaupt an, bis sie selbst am 6. März 1888 starb – nur zwei Tage nach ihrem Vater. Man sagt im allgemeinen, dass Little Women vor allem ein autobiographisches Werk ist. Das Buch ging in die Geschichte ein als einer dieser Romane, der das wirklich Wesentliche im Leben abbildet – und genau aus diesem Grund kam Little Women auch niemals aus der Mode.

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  • Alcott, L. M. (2018). Louisa May Alcott. Hombrecitos.