Lösungsaversion: Ein weit verbreitetes Verhalten

Es ist nie einfach, eine gemeinsame Basis für die Lösung konkreter Probleme zu finden. Tatsächlich wird dies noch komplizierter, wenn die Ideologie oder die persönlichen Interessen einer Partei zu einer Leugnung der Existenz des besagten Problems führen. Dies ist eine sogenannte Lösungsaversion.
Lösungsaversion: Ein weit verbreitetes Verhalten
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2023

“Der Klimawandel existiert nicht. Eine Gruppe von Menschen hat ihn erfunden, um ihre eigenen Interessen damit zu verfolgen.” “Menschen sind arm, weil sie nicht arbeiten wollen.” “Ich habe keine gesundheitlichen Beschwerden, daher kann ich essen, was ich will, und muss auch keinen Sport treiben.” Dies sind nur einige Beispiele für etwas, das Experten als “Lösungsaversion” bezeichnen.

Vermutlich ist auch dir schon einmal ein Mensch begegnet, der ähnlich extreme Argumente vorbringt, wie in den eben genannten Beispielen. Wenn du diesen Menschen zuhörst, kann das gleichermaßen beunruhigend und frustrierend sein. Wie kann es sein, dass jemand solche eindeutigen Beweise negiert? Beispielsweise bestreiten einige Menschen nach wie vor die Gefahren des Rauchens.

Psychologen haben sich schon immer dafür interessiert, warum sich einige Menschen weigern, eindeutige und überzeugende wissenschaftliche Belege zu glauben. Darüber hinaus scheint die Lösungsaversion in dem sozialen Kontext, den wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, die politische Polarisierung zu verschärfen.

Im Jahr 2014 haben die Psychologen Troy Campbell und Aaron Kay von der University of Oregon dieses Phänomen untersucht und benannt. Wir wollen uns nun ein wenig genauer damit beschäftigen.

Lösungsaversion - Stadt am Wasser

Was genau ist die Lösungsaversion?

Ein sehr relevantes Beispiel für die Lösungsaversion sind Menschen, die die Existenz des Klimawandels verleugnen oder bestreiten. Dabei spielt es offensichtlich keine Rolle, dass die Meeresspiegel und Temperaturen ansteigen oder dass meteorologische Ereignisse und Wetterphänomene jedes Jahr extremere Ausmaße annehmen. Darüber hinaus scheint auch die zunehmende Wüstenbildung für diese Menschen kein überzeugendes Argument zu sein.

Ein Grund, warum Menschen den Klimawandel verleugnen, ist die Tatsache, dass sie die Maßnahmen, die Aktivisten vorschlagen, um ihn aufzuhalten, nicht mögen. Denn viele der möglichen Lösungen bestehen beispielsweise darin, den Verbrauch fossiler Brennstoffe erheblich zu reduzieren oder vollständig zu beenden. Dies hätte auch eine vollständige Veränderung der Industrie und der Produktion zur Folge.

Wenn jemand also eine Lösung nicht begrüßt, kann dies dazu führen, dass dieser Mensch das gesamte Problem einfach verleugnet. Allerdings beschränkt sich dieses Verhalten oftmals nicht nur auf das bloße Abstreiten der Existenz des Problems. Darüber hinaus könnte es passieren, dass diese Menschen in die Offensive gehen und jene verunglimpfen, die diese Beweise verteidigen und vertreten.

Es gibt noch weitere Beispiele dieses Phänomens. Beispielsweise die Menschen, die ihren Lebensstil nicht verändern möchten oder mit dem Rauchen aufhören, nachdem sie einen Herzinfarkt erlitten haben. Häufig kannst du dann folgende Argumentationen hören: “Wir werden alle irgendwann sterben” oder “Mein Vater hat sein ganzes Leben lang geraucht und er wurde 95 Jahre alt!

Lösungsaversion tritt häufig bei Menschen auf, die ihre Lebensgewohnheiten nicht verändern wollen und die Lösungen als Bedrohung ihrer Lebensweise ansehen.

Wenn deine Ideologie dich keine Lösungen akzeptieren lässt

Troy Campbell und Aaron Kay, die Psychologen, die wir bereits erwähnt haben, prägten den Begriff “Lösungsaversion” vor ungefähr sechs Jahren. Ihre Lösungsaversionstheorie besagt, dass zwei bestimmte Arten von Menschen dieses Verhalten zeigen:

  • Diejenigen, die Lösungen nicht akzeptieren, weil diese nicht in ihre persönliche Ideologie passen.
  • Und diejenigen, die sie nicht akzeptieren, weil die Lösungen ihren Bedürfnissen, Vorlieben oder Interessen widersprechen.

Der erste Typ kommt häufiger vor und zieht in der Politik tendenziell mehr Aufmerksamkeit auf sich. In den Vereinigten Staaten beispielsweise lehnen die Republikaner traditionell alle Bemühungen und Vorstöße ab, die den Klimawandel und Verschärfungen der Waffengesetzgebung betreffen.

Da es gegen ihre Interessen verstoßen würde, wenn sie sich damit befassen würden, ist es für sie wesentlich einfacher, diese Probleme einfach zu negieren. Demgegenüber stehen die Demokraten. Sie behaupten stets von sich, die einzige soziale und politische Gruppe zu sein, die sich für diese Veränderungen einsetzt.

Lösungsaversion - Menschen bei einem Arbeitsmeeting

Lösungsaversion, um zu vermeiden, ein Problem zu akzeptieren

Bei dem 15-jährigen Daniel wurde Diabetes diagnostiziert. Allerdings will er diese Diagnose nicht akzeptieren. Die Vorstellung, dass er sich Insulin spritzen oder weniger Zucker essen darf, belastet ihn sehr.

Bei der 68 Jahre alten Natalie wurde eine Augenerkrankung diagnostiziert. Daher kann sie ihren Führerschein nicht erneuern lassen. Sie weigert sich, diese Diagnose zu akzeptieren und besteht darauf, dass ein Problem mit einem Auge ihre Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigen würde. Sie möchte weiterhin Auto fahren.

Es lassen sich sehr einfach viele Beispiele dafür finden, was Menschen unternehmen, wenn sie die mögliche Lösung eines Problems nicht mögen. Wir mögen sie nicht, weil sie zu einer Änderung unseres Lebensstils führen würden. Daher reagieren viele Menschen sehr häufig mit Angst, Wut und Frustration, wenn sie mit diesen Möglichkeiten konfrontiert werden.

Lösungsaversion ist weitaus häufiger und verbreiteter als du vermuten würdest. Allerdings kann dieses Verhalten dem Gemeinwohl durchaus im Wege stehen. Dies erschwert unsere Fähigkeit, uns als Gesellschaft zu entwickeln, weil wir nicht gemeinsam auf eine Lösung hinarbeiten können.


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  • Campbell, T. H., & Kay, A. C. (2014). Solution aversion: On the relation between ideology and motivated disbelief. Journal of Personality and Social Psychology, 107(5), 809–824. https://doi.org/10.1037/a0037963

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