Limerenz: Wahnsinnig verliebt sein

· 7. Mai 2017

Als die Doktorin der Psychologin Dorothy Tennov ihr Buch Limerenz, über Liebe und Verliebtsein  schrieb, hat sie den perfekten Begriff für einen Zustand des Wahnsinns gefunden, der bei manchen Menschen mit dem der Verliebtheit einhergeht. Limerenz ist ein Zustand des Wahnsinns, der uns aufwühlt und bewegt und uns dazu bringt, alles, außer die Person, in die wir verliebt sind, zu vergessen. Der berühmte Ausdruck „wahnsinnig verliebt“ passt perfekt auf diesen psychologischen Prozess.

Eine Frage von Limerenz oder von Besessenheit?

Limerenz kann eine Phase körperlicher und mentaler Aufruhr beschreiben, die größtenteils durch unsere Liebe zu einer Person ausgelöst wurde. Bis zu einem bestimmten Grad weichen die Symptome dieser körperlichen Verfassung nicht von der des natürlichen Verliebtseins ab. Exzessives Schwitzen, Herzklopfen, Gefühle von Leichtigkeit und hormonelles Chaos sind das Entscheidende und werden von vielen Verliebten in diesem Stadium erfahren, das hauptsächlich durch idealisierende, romantische Liebe gekennzeichnet ist.

Allerdings wird dieser natürliche Prozess manchmal zu einem psychologischen Phänomen, das Limerenz genannt wird. Wenn ein Mensch wahnsinnig verliebt ist, dann ändert diese Kondition Abläufe in seinem Gehirn. Auch wenn das in den meisten Fällen keine schwerwiegenden Konsequenzen hat, war die Limerenz doch der Grund für viele geschichtsträchtige, oft tragische Tode von Verliebten: Limerenz hat Romeo und Julia in den Tod getrieben – oder genauer gesagt, die Verzweiflung über die Unmöglichkeit einer Beziehung zu dem Menschen, von dem man wie besessen war.

Wer will nicht wahnsinnig verliebt sein?

Das Widersprüchliche an der Limerenz ist, dass es nicht einen einzigen Menschen gibt, der noch niemals in seinem Leben an einem Punkt war, an dem er wahnsinnig verliebt sein wollte. Wo ist da der Widerspruch? Ganz einfach, da ist der Geist, der zwischen einer stabilen, schon bestehenden Beziehung und der Sehnsucht danach, jemand anderen kennenzulernen und die anfängliche Euphorie erneut zu erleben, schwankt.

„Mich selbst in deinen Armen zu verlieren, süßer Wahnsinn, du, meine härteste Droge…“

Die baskische Band Doctor Desire hatte Recht und genau wie sie wissen wohl auch viele Leser, was es heißt, jemanden wahnsinnig zu lieben. Allerdings kennen wir auch die Konsequenzen einer solchen Verliebtheit. Selbst wenn wir Gefühle niemals unterdrücken sollten, hat es zu körperliche und mentale Folgen, wenn wir sie bis ins Extrem ausreizen. Limerenz wird zu einer richtigen Krankheit, wenn die Besessenheit nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Dann hält sie den Wahnsinnigen nämlich von seinen Alltagsverpflichtungen ab.

Wahnsinnig verliebt zu sein kann so weit gehen, dass diejenigen, die an der Limerenz leiden, in eine tiefe Depression verfallen und sogar Selbstmord begehen. Wem wurde in diesem kurzen Leben allerdings beigebracht, vernünftig zu lieben? Niemand wurde allwissend geboren und nur die Jahre zeigen uns, was Liebe für uns als Individuen bedeutet. Sich selbst zu kennen ist der Schlüssel dazu, zu wissen, wie du lieben und wie du dich fühlen willst.