Asperger-Syndrom: Ich bin kein Roboter ohne Gefühle

· 2. April 2017

Ich bin ein Mensch, so wie du auch. Ich bin kein Roboter ohne Gefühle und wenn du über mich lachst, verletzt mich das. Es mag sein, dass ich weder Ironie noch Witze verstehe, dass ich jedes Wort von dir auf die Goldwaage lege, aber das macht mich nicht weniger menschlich. Ich habe Gefühle und auch wenn du es nicht siehst, weil ich es nicht zeigen kann, tun mir deine Worte manchmal sehr weh.

Ich bin nicht taub und höre alles, was du sagst, auch wenn ich das Gesagte anders auffasse. Ich bin keinesfalls eingeschränkt in meiner Intelligenz, auch wenn du das vielleicht denkst. Du kannst ruhig glauben, dass ich etwas seltsam bin, doch das Einzige, das mich unterscheidet, ist, dass ich die Welt rationaler betrachte und auf Kleinigkeiten achte. Ich bin nicht außergewöhnlich, ich bin wie du, aber ich sehe die Welt eben anders und deswegen sagt man, dass ich das Asperger-Syndrom habe.

„Alles hängt davon ab, wie du die Dinge siehst. Eines Tages verstehst du, wie sie denken und wie sie die Welt sehen. Was an einem Tag als Unfähigkeit gesehen wird, kann an einem anderen Tag ein Talent oder eine Gabe sein.“

Szatmari

Du solltest mich nicht verurteilen, wenn du nicht in meiner Haut steckst

Wie leicht es uns doch fällt, andere zu verurteilen, wenn wir uns nur auf ihr Verhalten konzentrieren, die Umstände aber nicht bedenken; wenn wir uns nicht in die Lage des anderen hineinversetzen und kein Mitgefühl zeigen; wenn es Spaß macht, über diejenigen Witze zu reißen, die sie nicht verstehen; wenn Persönlichkeiten wie Sheldon Cooper aus der Sitcom The Big Bang Theory  jemanden verkörpern, der die Welt mit anderen Augen sieht.

Man sagt, dass wir diese tiefgreifende Entwicklungsstörung haben – das ist keine Krankheit -, was die Empathie beeinflusse. Doch seltsamerweise wenden diejenigen, die damit angeben, sie zu haben, sie nicht beim Umgang mit uns an. Sie benutzen uns wie Google, weil wir viele Fakten kennen, so als wären wir Maschinen, und sie bedenken dabei nicht, dass sie uns verletzen, wenn sie uns unsere Menschlichkeit nehmen und mit unseren Gefühlen spielen.

„Sieh mit den Augen des anderen, höre mit den Ohren des anderen und fühle mit dem Herzen des anderen.“

Alfred Adler

Wir werden schamlos verurteilt, automatisch und ohne, dass man uns kennt, nur weil wir in ihren Augen Puzzleteile mit außergewöhnlichen Formen sind, die nicht in ihr Puzzle der von ihnen wahrgenommenen Welt passen. Niemand stellt sich vor, wie es ist, in unseren Schuhen zu laufen und versucht unter unseren Bedingungen zu leben. Sie wissen meist nur, dass das Asperger-Syndrom im DSM-5 den Autistische Störungen zugeordnet ist, und das reicht ihnen, für ihren persönlichen Trailer, am gesamten Film sind sie nicht interessiert. Doch Autismus und Asperger sind sehr unterschiedliche Störungen.

Ein Mensch, der unter dem Asperger-Syndrom leidet, unterscheidet sich dadurch von anderen, dass es ihm schwerfällt, mit anderen Menschen eine Verbindung aufzubauen, und das ist zwar ein Unterscheidungsmerkmal, charakterisiert ihn aber nicht. Das hat teilweise mit Sprachproblemen und der als solche bekannten Pragmatik zu tun. In Bezug auf andere Merkmale oder Fähigkeiten gibt es Ähnlichkeiten und Unterschiede, so wie eben auch zwischen dir und mir.

Die Gefühlswelt ist für jeden schwer zu verstehen

Die Gefühlswelt ist für jeden schwer zu verstehen, daher ist die emotionale Intelligenz sehr wichtig für die Anpassung des Menschen. Doch im Rahmen des Asperger-Syndroms wird sie noch komplizierter. Deshalb sollten wir uns im Klaren über einige Fakten hinsichtlich der Bedürfnisse dieser Personengruppe und der Art, wie wir mit jemandem umgehen, der darunter leidet, sein. Dabei spielt auch das Alter eine wichtige Rolle.

Wie es ist, mit einem Kind zu leben, das das Asperger-Syndrom hat

Kinder mit Asperger-Syndrom sind normalerweise von Geburt an einzigartig. Sie brauchen es, dass wir so positiv wie möglich mit ihnen sprechen, sie häufig loben und uns auf das konzentrieren, was sie toll machen, anstatt darauf, was wir an ihrem Verhalten vermissen. Oftmals ist es sehr praktisch, ihnen zu sagen, was sie tun sollen, und wir sollten uns von dem distanzieren, was sie unterlassen sollen.

Ihnen beizubringen, zuzuhören, ist sehr wichtig. Wir müssen vernünftige und kindgerechte Bitten formulieren. Es erleichtert die Kommunikation erheblich, wenn wir uns verständlich, klar und deutlich auszudrücken.

Es ist wichtig, ihnen dabei zu helfen, ihre Gefühle zu verstehen. Kinder mit Asperger-Syndrom können nur sehr schwer Gefühle anderer anerkennen und ihre eigenen zum Ausdruck bringen. Es ist auch sehr hilfreich, sie dabei zu unterstützen, ein gutes Selbstbild von sich zu haben, da sich das auf direkte Weise auf ihr Selbstwertgefühl auswirkt.

Das Asperger-Syndrom im Jugendalter

Während der Jugend ist das Asperger-Syndrom am meisten zu spüren. Betroffene Jugendliche können den Anschein erwecken, dass sie nicht an sozialen Veranstaltungen oder am Kampf um die Unabhängigkeit interessiert sind, während andere in ihrem Alter langsam erwachsen werden und ihren Platz in der Gesellschaft suchen.

Ein ebenfalls wichtiger Aspekt ist die Beziehung zu möglichen Partnern, seien es Männer oder Frauen, da sie nicht dazu in der Lage sind, Beziehungen auf einer leidenschaftlichen Ebene zu verstehen. In dieser Zeit sollte die sexuelle Aufklärung ein wichtiger Bestandteil der Erziehung sein, wie bei jedem anderen Jugendlichen auch.

Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter

Menschen mit Asperger-Syndrom können, und tun das für gewöhnlich auch, ein ganz normales Leben führen. Wenn sie während ihrer Kindheit die Fähigkeit entwickelt haben, sich an ihr Umfeld und ihre Gefühle anzupassen, werden sie später in der Welt der Erwachsenen nicht viele Probleme haben. Am schwierigsten ist es am Arbeitsplatz für sie, wenn sie eine Stelle haben, in der sie in der Öffentlichkeit stehen. Sie können sich normalerweise am besten entfalten, wenn sie individuelle Projekte entwickeln dürfen, unabhängig von der Komplexität dieser.

Wie du siehst, habe ich das Asperger-Syndrom, aber ich bin kein Roboter und Gefühle. Traue dich einfach, mich kennenzulernen mich zu verstehen. Versetze dich in meine Lage und mache Gebrauch von dieser Fähigkeit, der Empathie, die du theoretisch besitzt – es liegt an dir. Verurteile mich nicht und lache mich nicht aus. Versuche, mich zu verstehen und zeige mir, wie ich dich verstehen kann. Ich bin davon überzeugt, dass ich dich überraschen werde.