Liebes Leben, entschuldige bitte, dass ich dich enttäusche

· 20. Januar 2017

Liebes Leben,

entschuldige bitte, dass ich dich enttäusche. Entschuldige bitte, dass ich dich täusche, weil ich wegen der Angst davor, dass mich andere verurteilen, nicht mehr ich selbst bin. Entschuldige bitte, dass ich dir nicht länger zuhöre, dich zurückweise und glaube, dass du immer auf mich warten wirst.

Ich selbst zu sein in einer Welt, die versucht, genau das zu vermeiden, gleicht einer Heldentat. Kritiken, schräge Blicke, subtile Erniedrigungen,  Umarmungen hinter denen Scheinheiligkeit steckt, zu hohe Erwartungen anderer an meine Person, toxische Beziehungen, Stress, etc.

Jeder einzelne dieser Gründe hat mich dazu gebracht, meine Prioritäten zu überdenken. Soll ich dir sagen was passiert ist? Ich habe mich geirrt. Ich bin vom Weg abgekommen und habe die Hoffnung verloren. Ich dachte, ich würde mir eine emotional gesunde Zukunft aufbauen, doch in Wahrheit habe ich Luftschlösser gebaut.

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Das ist mir erst bewusst geworden als es mir gelang, bis ganz nach oben auf den Turm zu steigen. Doch es gab keine Treppenstufen. So stellte ich fest, dass ich aus Angst vor der Zurückweisung und davor, andere zu verletzen, mich selbst verloren habe.

Ich war nicht mehr ich selbst. Ich gebe es zu. Ich habe das Läuten gehört, das die Pause beendet hat und konnte nichts weiter tun, als wie angewurzelt wegen der Umstände stehen zu bleiben und verblüfft auf die Uhrzeiger zu schauen.

In diesem Zustand der Surrealität erkannte ich, dass es in meinem Kartendeck gute und schlechte Karten gab. Ich habe viele gute Karten gespielt, aber vielleicht habe ich das mit den falschen Menschen auf die falsche Weise getan. Obwohl das an dieser Stelle egal ist, weil ich immer mehr Karten bekomme. In meinem Fall bedeuten die Karten Möglichkeiten. Was ich verstehe, ist, dass nie etwas fehlen wird, wenn sich etwas in mir ändert.

Nichtsdestotrotz muss ich es anerkennen: Beim Ausspielen der Karten fühle ich mich sehr erschöpft. Es gibt so viele Menschen, die ich in schlechter Erinnerung habe, die mich hintergangen haben, und es gibt so viele Enttäuschungen aus Angst, sodass ich manchmal nur das Gefühl haben kann, dass sie meine Gutmütigkeit ausnutzen.

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Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich verstanden habe, dass die Familie, die Gesundheit, Freunde und das Wesen der eigenen Person Seifenblasen sind, die in der Luft gehalten werden müssen und die nicht zerplatzen dürfen. Ich habe es erlebt, dass eine dieser Seifenblasen zu Boden gegangen und vor meinen Füßen zerplatzt ist.

Ich habe das eine oder andere Mal geweint, weil ich zugelassen habe, dass meine Seifenblasen zerplatzt sind. Ich habe verstanden, dass sich an diesem Punkt alles ändert und dass man einen Schaden, wenn er erst einmal entstanden ist, nicht mehr vermeiden kann. Doch dank dieser Rückschläge habe ich auch gelernt, dass die Arbeit nicht eine dieser Seifenblasen ist, sondern sie ist ein Gummiball, der wieder hochhüpft, wenn er zu Boden geht, und aus dem Grund zählt dieser am Ende unseres Lebens nicht so sehr wie die Seifenblasen.

Auf diesem Weg habe ich gelernt, mutig zu sein. Der Beweis dafür ist dieser Brief, denn in Wahrheit sind wir am mutigsten, wenn wir uns mit uns selbst auseinandersetzen.

Heute bin ich mir auch darüber bewusst, dass es genauso emotional befreiend ist, sodass es hin und wieder schon überwältigend ist, wenn einen toxische Menschen nicht mehr länger ansprechen. Es ist so, als würde sich der Müll von allein rausbringen, obwohl meine Moral es nicht zulässt, das laut auszusprechen.

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Ich weiß das mittlerweile, ich habe es verstanden. Aufgrund von Niederlagen, die mich noch immer verfolgen, habe ich mich dazu entschlossen, dich um Vergebung zu bitten und mir selbst zu verzeihen, was im Grunde genommen dasselbe ist. Denn irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man Vieles vorgeben kann, aber nicht Vergebung. Ganz gleich, was man auch versucht: Worte, die nicht ausgesprochen werden, und Tränen, die nicht vergossen werden, wirst du immer in deinem Rucksack mit dir herumtragen.

Aus diesem Grund mache ich heute einen Schritt nach vorn und will schleunigst wieder diesen Teil von mir finden, den Menschen, in denen ich mich geirrt habe, und falsch gesetzte Prioritäten hinter mir lassen. Deshalb verabschiede ich mich von allem, was mir schadet. Deshalb schätze ich mich. Deshalb werde ich mich wieder kennenlernen. Deshalb denke ich um. Deshalb werde ich mir noch eine Chance geben.

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Dass dir alles Gute folgen, dich finden, dich umarmen und bei dir bleiben wird

Ich wünsche dir, dass dir alles Gute folgen, dich finden,
dich umarmen und bei dir bleiben wird… >>>Mehr