Liebe macht uns intelligenter, sagen die Neurowissenschaften

Liebe macht uns intelligenter. Zu dieser Schlussfolgerung sind einige Forscher gelangt. Das liegt daran, dass unsere Gehirne ein "neuronales Liebesnetzwerk" und eine bestimmte Biochemie haben, die eine Reihe kognitiver Funktionen aktiviert und erhöht.
Liebe macht uns intelligenter, sagen die Neurowissenschaften

Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2020

Wenn sich jemand verliebt, wird häufig gesagt, dass er oder sie in gewisser Weise den Verstand verliert. Nun, tatsächlich haben die Neurowissenschaften bewiesen, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Liebe macht uns intelligenter!

Wenn ein Mensch verliebt ist, verändern sich verschiedene Dinge in seinem Gehirn und seiner Physiologie. Diese Erfahrung ist sehr besonders und zwar ganz genau deshalb.

Jeder, der verliebt ist, insbesondere in der ersten Phase einer Partnerschaft, fühlt sich wacher und emotional verbundener mit der Welt. Darüber hinaus sind Menschen dann auch empathischer und leidenschaftlicher.

Fakt ist, dass Liebe uns zu besseren Menschen macht. Aber die Neurowissenschaft hat entdeckt, dass die Liebe uns auch intelligenter macht. Warum? Die Chemie der Liebe findet primär im Gehirn statt und die Transformation, die diese Verliebtheit nach sich zieht, erreicht auch jene Bereiche, die kognitive Funktionen ausführen.

“Die Liebe der Menschen zu fühlen, die wir lieben, ist ein Feuer, das unser Leben nährt.”

-Pablo Neruda-

Liebe macht uns intelligenter - Paar umarmt sich

Liebe macht uns intelligenter

Liebe macht uns intelligenter, das sagt die Neurowissenschaft. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hat eine Gruppe von Wissenschaftlern der University of Chicago die Gehirne verschiedener verliebter Menschen gescannt. Diese Bilder und weitere Tests haben gezeigt, dass Menschen, die lieben, schneller denken, die Ideen und Verhaltensweisen anderer Menschen klarer erkennen und außerdem kreativer sind.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler Elektroden. Diese platzierten sie auf dem Kopf der Teilnehmer. Anschließend zeigten sie ihnen eine Reihe von Fotografien, einschließlich eines Fotos ihres Partners. Darüber hinaus nannten sie den Probanden verschiedene Namen und auch hierbei wieder den Namen des jeweiligen Partners.

Daraufhin entdeckten die Forscher, dass 12 Hirnareale aktiviert wurden, als die Probanden das Foto ihres Partners sahen oder dessen Namen hörten. Einer dieser Bereiche, der eine besonders intensive Aktivierung zeigte, war der Gyrus angularis, eine der Regionen, die traditionell mit dem abstrakten Denken und der Kreativität assoziiert werden. Tatsächlich endete diese Aktivierung auch dann nicht, wenn die Probanden anschließend Fotos anderer Menschen sahen oder andere Namen hörten.

“Den Verstand verlieren”

Die Ergebnisse dieser Studie waren ziemlich schlüssig. Das bedeutet, dass du nicht “deinen Verstand verlierst”, wenn du dich verliebst. In der Tat scheint uns Liebe wirklich intelligenter zu machen.

In diesem Zusammenhang vergleichen die Forscher den Gyrus angularis mit einem kleinen Roboter, der ein komplexes neuronales Netzwerk aktiviert. Denn dieser Bereich des Gehirns ist sehr stark mit anderen Hirnarealen verbunden.

Der Gyrus angularis spielt eine Rolle bei Funktionen wie Zahlen- und Sprachverarbeitung sowie bei hochkomplexen autobiografischen Daten. Das bedeutet, dass wir mit der Liebe auch eine spezielle Fähigkeit erwerben, aufgrund derer wir unser eigenes Verhalten besser verstehen können. Das geschieht auf einer tieferen Ebene als in normalen Situationen.

Diese Gedanken- und Wahrnehmungssteigerung führt bei verliebten oder liebenden Menschen dazu, dass diese Menschen die Verhaltensweisen anderer auf einer tieferen Ebene besser verstehen können. Daher nehmen sie die Eigenschaften anderer effektiver wahr und erkennen deren Gefühle auf eine bessere Weise. Und dies führte die Forscher zu dem Schluss, dass Liebe uns auch zu besseren Menschen macht.

Liebe macht uns intelligenter - verliebtes Paar

Über die anfängliche Verliebtheit hinaus

Es ist klar, dass all diese Gehirnaktivierungen und Reaktionen in der ersten Verliebtheitsphase intensiver sind. Allerdings wurde in einer anderen Studie herausgefunden, dass die gleichen Effekte auch in späteren Phasen einer Beziehung beobachtet werden können. Solange die Liebe vorhanden ist, zeigen sich sehr reale Vorteile. Selbst wenn diese Liebe nicht mehr so euphorisch ist, wie in der anfänglichen Phase der Verliebtheit.

An der University of California haben Studien dies bestätigt. Dieses Mal haben die Forscher eine Reihe von Paaren untersucht, die im Durchschnitt 21,4 Jahre zusammen waren. Was diese Paare gemeinsam hatten, war, dass sie alle angaben, ihren Partner nach wie vor zu lieben. Die Forscher fanden heraus, dass ihre Gehirne ähnlich wie die oben erwähnten Paare reagierten, also jene Paare, die sich erst vor kurzem verliebt hatten.

Eine besondere Beobachtung war ein erhöhter Dopamin-Spiegel in ihren Gehirnen. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der positive Auswirkungen auf die Stimmung eines Menschen hat und der außerdem die kognitive Aktivität beeinflusst. Grundsätzlich hilft er dabei, den Informationsfluss zu regulieren und zu modulieren. Daher führt ein Dopamin-Mangel auch zu Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Problemlösungsschwierigkeiten.

Aufgrund all dieser Beweise können wir zu der Schlussfolgerung gelangen, dass Liebe uns tatsächlich intelligenter macht. Und diese Intelligenz bezieht sich nicht nur auf die rein kognitiven Bereiche, sondern umfasst auch die breite Welt der emotionalen Intelligenz.

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