Lerne, deine Gefühle zu würdigen und dich ihnen zu stellen

· 7. März 2018

Es gibt niemand Blinderen als denjenigen, der nicht sehen möchte. Aber Schmerz, Trauer und Qualen lassen sich nicht einfach wegzaubern. Du kannst deine Augen vor deinen Gefühlen nicht verschließen, oder mit deinen Fingern schnipsen und sie ändern. Du musst damit beginnen, anzuerkennen, dass Schmerz existiert, und lernen, wie man sich seinen Gefühlen stellen kann.

Sogar wenn du Angst hast oder denkst, das Schlimmste stehe noch bevor, wisse, dass sich Situationen für gewöhnlich nicht so schlimm ergeben, wie wir es befürchten. Einer der größten Dämonen, denen wir uns stellen müssen, ist deshalb unser Katastrophendenken, welches einige Menschen gar bewusst nähren, da sie denken, es würde sie vor Enttäuschung schützen. Es braucht Mut, diesen Dämon zu bekämpfen.

Aber wie konfrontierst du, was dir am meisten Angst macht? Schritt für Schritt – und der erste Schritt ist es, deinen inneren Kampf zuzugeben, dein Leiden nicht mehr zu leugnen und damit aufzuhören, dir selbst einzureden, dass nichts Schlimmes geschehen könne, während du innerlich schreist. Wenn du dein Leid einmal zugibst, wirst du deine schlimmsten Ängste freilegen, was dir helfen wird, die wirksamsten Waffen gegen sie zu finden.

Die Welt ist ein lebensfeindlicher Ort, denn nur für denjenigen, der ihr ohne Angst begegnet, wird es möglich sein, sein Leben vollkommen auszuleben.

Frau im Vogelkäfig mit Taube in der Hand

Das Gewicht der Welt spüren

Zuerst wirst du das Gewicht der Welt auf deinen Schultern fühlen und es wird dir so vorkommen, als würde alles um dich herum schwarz werden. Aber du wirst erkennen, dass du der Panik oder Depression, die sich in deinem Inneren festgesetzt hat, nur einen Namen geben musst. Hat sie einmal einen Namen, wird sie weniger angsteinflößend sein, denn du weißt dann, was in dir passiert, und kannst um Hilfe fragen, um diesen scheinbaren Bedrohungen begegnen zu können.

„Die Angst vor einem Namen vergrößert die Angst vor dem Ding selbst.“

J. K. Rowling

Deinen Gefühlen einen Namen zu geben bedeutet nicht, deine Realität auf ein Label zu reduzieren. Auch ist es keine Entschuldigung, hinter der du dich jedes Mal verstecken kannst, wenn du einen Fehler machst, oder eine vollständige Definition deiner selbst.

Sich seinen Gefühlen stellen ist nur ein Teil des Ganzen, aber es definiert den Menschen nicht – denn er ist viel mehr als das, was er fühlt. Dem Problem einen Namen zu geben bedeutet eben nicht, den Kontext zu vergessen, in dem es entstanden ist, die Unterstützung, die wir erhalten haben, oder die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Es ist nur ein Weg, einen Komplex aus Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen zu vereinfachen, die sonst schwer zu verstehen wären.

Vereinfachen heißt dabei nicht vergessen, dass hinter jedem Namen, jeder Angst, jedem Dämon eine Person mit ihrer eigenen Geschichte steckt. Eine Person, die leidet, die mutig ist, die Unterstützung und Verständnis braucht.

„Liebe nicht, wer du bist, sondern wer du sein kannst.“

Miguel de Cervantes

Frau befreit sich von Fesseln

Verschwende deine Zeit nicht damit, die Realität zu leugnen

Die Wirklichkeit nicht wahrhaben zu wollen, ist Zeitverschwendung. Was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn du anerkennst, was vor sich geht? Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn du aufhörst, neue Erfahrungen zu vermeiden? Die Welt ist voller Möglichkeiten; du musst nur damit anfangen, sie in all ihrer Intensität zu erforschen.

An diesem Punkt werden die Dämonen nicht die einzigen sein, die deinen Geist beschäftigen. Hingegen wird sich eine Menge an Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen vor dir auftun. Dies wird dir erlauben, dich auf jedem Level selbst kennenzulernen und dich selbst bedingungslos zu akzeptieren. Es wird dir zeigen, dass du stärker bist, als du es dir jemals vorstellen konntest.

„Wachstum beginnt, wenn wir unsere eigenen Schwächen zu akzeptieren beginnen.“

Jean Vanier

Du wirst Angst haben, aber du wirst Strategien kennen, die du nutzen kannst. Du wirst verletzt werden, aber du wirst auch die Liebe und Zuneigung deiner Mitmenschen spüren. Und du wirst erkennen, dass der schlimmste Schmerz, den du dir selbst zufügen kannst, entsteht, wenn du dich selbst kontrollierst, um eine Leben ohne Schmerz zu leben. Denn dann leugnest du einen Teil deiner Realität.

Erinnere dich daran, dass wir nicht glücklicher sind, wenn wir weniger fühlen. Wir sind glücklicher, wenn wir unsere Emotionen anerkennen und akzeptieren. Ob du lebst oder dich versteckst, liegt in deiner Hand. Ob du deine Gefühle akzeptierst und sie konfrontierst, ist deine Entscheidung. Wenn du es tust, wird das Ergebnis Hoffnung sein. Die Hoffnung ist dein, um sie zu teilen und unter deinen Lieben zu verbreiten.