Leben mit Schwindel: das posturale Tachykardiesyndrom

Wir sprechen heute über eine seltene Störung des autonomen Nervensystems, die den Alltag der Betroffenen stark einschränken kann.
Leben mit Schwindel: das posturale Tachykardiesyndrom
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 02. Februar 2023

Zahlreiche Menschen leben mit Schwindel. Sie verlieren häufig das Gleichgewicht, oft reicht schon ein leichter Blutdruckabfall, Hitze, Kopfschmerzen oder das fehlende Frühstück: Die Kräfte lassen nach und plötzlich dreht sich die ganze Welt. Es kann jederzeit dazu kommen, was den Alltag oft stark behindert. Welche Gründe verbergen sich dahinter? Es gibt verschiedene Auslöser, heute konzentrieren wir uns allerdings auf das posturale Tachykardiesyndrom (POTS).

Es handelt sich um eine seltene, noch unterdiagnostizierte Krankheit, die sich durch starke Schwindelgefühle bemerkbar macht – vor allem während der ersten Minuten nach dem Aufstehen. Erfahre anschließend mehr darüber.

Obwohl die Ursachen des posturalen Tachykardiesyndroms noch nicht eindeutig identifiziert werden konnten, wissen wir, dass es häufig nach einer Viruserkrankung, einer Schwangerschaft, einem Trauma oder einer Operation auftritt.

Mann mit Schwindel hat das posturale Tachykardiesyndrom
Betroffenen wird es in den ersten zehn Minuten nach dem Aufstehen schwindlig.

Das posturale Tachykardiesyndrom: Was ist das?

Das posturale Tachykardiesyndrom ist eine seltene Erkrankung unbekannten Ursprungs. Es handelt sich um eine Störung des autonomen Nervensystems: Die Nervensignale an die Blutgefäße, die eine Kontraktion bewirken, um beim Aufstehen eine ausreichende Blutversorgung zu garantieren, funktionieren nicht richtig. Das Herz schlägt zwar schneller und der Puls erhöht sich, aber trotzdem gelangt zu wenig Blut in Gehirn, Lunge und Herz.

Weitere Symptome sind Herzklopfen, Unruhe, Zittern, jedoch auch Übelkeit und Bauchschmerzen, rund 30 – 40 % der Betroffenen leiden an Migräne. Besonders gefährlich sind Synkopen (Kreislaufkollaps oder Ohnmacht), da sie das Risiko für Verletzungen erhöhen. Das posturale Tachykardiesyndrom tritt bei jungen Menschen häufiger auf. Untersuchungen der Universität von Texas zeigen, dass Frauen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ebenfalls häufiger daran leiden. Generell wird dieses Syndrom jedoch bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis zu 50 Jahren beobachtet.

Das posturale Tachykardiesyndrom kann auch bei Kindern und Jugendlichen auftreten.

Anzeichen für das posturale Tachykardiesyndrom

Das posturale Tachykardiesyndrom hat ein sehr breites und komplexes Krankheitsbild. Es handelt sich um ein stark einschränkendes Phänomen, das an folgenden Symptomen zu erkennen ist:

  • Starke Schwindelgefühle beim Aufstehen, Tachykardie innerhalb von zehn Minuten
  • Herzklopfen (Wahrnehmung des Pulses im Kopf)
  • Verschwommenes Sehen
  • Sofortige, überwältigende Müdigkeit
  • Bewegungen fallen schwer
  • Gastrointestinale Symptome wie Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit
  • Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen
  • Starke Ängste
  • Migräne

Was sind die Ursachen?

Die genauen Auslöser sind derzeit nicht bekannt. Es werden jedoch klinische Studien und Umfragen durchgeführt, um dieses Syndrom besser zu verstehen und Betroffenen helfen zu können. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine Kreislauffehlregulation handelt, die auf eine Störung des autonomen Nervensystems zurückzuführen ist. Wenn die Person aufsteht und eine aufrechte Körperhaltung (Orthostase) einnimmt, kommt es zur Überaktivität des Nervensystems, was zu den beschriebenen Symptomen führt.

Verschiedene Hypothesen sehen einen Zusammenhang mit folgenden Faktoren:

  • Mutation im Noradrenalin-Transporter-Gen
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden
  • Virale Infektionen
  • Autoimmunkrankheiten
  • Trauma
  • Hormonelle Faktoren (Das Syndrom kann nach einer Schwangerschaft vorkommen oder mit der Menstruation zusammenhängen.)
Ärztin erklärt Anzeichen für das posturale Tachykardiesyndrom
Viele Menschen leiden chronisch unter dem posturalen Tachykardiesyndrom.

Was tun?

Zunächst kommen allgemeine Maßnahmen zum Einsatz, dazu gehören folgende:

  • langsam aufstehen
  • ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
  • langes Stehen veremeiden
  • Kompressionsstrümpfe
  • Bewegung
  • Verbesserung der Schlafgewohnheiten

Auch die Regulierung des Blutdrucks und die Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit sind wichtig. Veränderungen des Lebensstils und das Wissen um die Krankheit helfen vielen Patienten, damit besser umzugehen.

Nur, wenn diese Maßnahmen nicht helfen, kommen Medikamente zum Einsatz. 

Abschließend möchten wir kurz erwähnen, dass es wichtig ist, diese Realität sichtbar zu machen, um neue Methoden und Maßnahmen zu finden, die Betroffenen helfen können. Sie sehen sich durch das posturale Tachykardiesyndrom oft sehr stark im Alltag eingeschränkt.

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