Kreative Hoffnungslosigkeit: Das Licht, das wir jenseits unserer Beschwerden sehen

· 8. Januar 2019

Kreative Hoffnungslosigkeit erinnert uns daran, dass wir uns früher oder später unseren Umständen stellen müssen. Diese Technik hilft nicht nur, unser Vermeidungsverhalten zu umgehen, sondern auch, unsere Realität zu akzeptieren. Wir müssen lernen, momentane Hoffnungslosigkeit zu akzeptieren, um dann einen neuen Plan zu schmieden. Wir müssen neue Motivation schaffen, in der Hoffnung besteht.

Kreative Hoffnungslosigkeit ist Teil der Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Für diejenigen Leser, die noch nie von dieser Therapie gehört haben, sei gesagt, dass sie Teil der dritten Welle der Verhaltenstherapie ist.

„Schlage einen Tunnel der Hoffnung durch den dunklen Berg der Enttäuschung.“

Martin Luther King

Dank zweier wichtiger Komponenten führt diese Methode zu positiven Veränderungen. Erstens bekämpft sie automatische Gedanken. Diese Gedanken lassen uns nur leiden. Zweitens ist die Akzeptanz- und Commitmenttherapie durch direkte, menschliche und umfassende Interaktion mit dem Patienten gekennzeichnet. Durch ein fließendes, komfortables und urteilsfreies Gespräch verändert sich der Patient und nimmt adaptivere Verhaltensweisen an.

Um die genannten Änderungen zu fördern, wird üblicherweise die sogenannte kreative Hoffnungslosigkeit verwendet. Dieses Werkzeug kann den Patienten dazu bringen, seinen eigenen Wert zu entdecken. Es hilft dem Betroffenen, Ruhe und Harmonie zu erlangen. Dieser Zustand schafft eine Ausgangslage, in der neue Optionen gesehen werden und Möglichkeiten, wie diese zu erreichen sind.

Eine blonde Frau steht auf einem Feld und ist von dunklen Luftballons umgeben.

Was beinhaltet kreative Hoffnungslosigkeit?

Um kreative Hoffnungslosigkeit zu verstehen, beginnen wir mit einer kleinen Geschichte. Diese Geschichte handelt von einem Bauern. Jemand macht ihm ein seltsames Angebot, das ihm große Vorteile bringen soll. Seine Aufgabe besteht darin, ein Feld nur mit einem Esel und einer Schaufel zu bearbeiten. Allerdings gibt es einen kleinen Haken: Der Bauer muss bei der Arbeit seine Augen bedecken.

Der gute Mann nimmt das Angebot an und befolgt die Anweisungen. Was er jedoch nicht weiß, ist, dass das gesamte Feld Löcher hat. Wie zu erwarten, fällt der Bauer in eines von ihnen. Verzweifelt, weil er keinen anderen Ausweg findet, nimmt der Bauer seine Augenbinde ab. Dann verwendet er das einzige Werkzeug, was er zur Verfügung hat, um seiner misslichen Lage zu entkommen – seine Schaufel. Fast einen ganzen Tag lang gräbt und schaufelt er. Aber dann erkennt er, dass er sich nur noch viel tiefer in das Loch graben wird, wenn er so weitermacht.

Als er sich dessen bewusst wird, beschließt der Mann, seine Situation neu einzuschätzen. Er wählt daraufhin eine andere Strategie, in der er die Schaufel auf eine andere Weise verwendet …

Dieses kleine Beispiel zeigt uns die Essenz kreativer Hoffnungslosigkeit. Unser eigenes Vermeidungsverhalten macht unsere Probleme noch komplizierter und führt zu einer noch größeren Verzweiflung.

Eine junge Frau sitzt traurig an einem Flussufer und hat ihren Kopf auf die Knie gelegt.

Die Ziele der kreativen Hoffnungslosigkeit

Wenn eine Person einen Psychologen aufsucht, bringt sie vielerlei Probleme mit, wie zum Beispiel Abwehrmechanismen oder die Angst vor dem Leben. Diese werden meist im frühen Therapieverlauf offensichtlich.

Es ist jedoch nicht einfach, den Patienten dazu zu bringen, die Sitzung mit einem „besseren Gefühl“ zu verlassen. Allerdings ist es auch nicht das Hauptziel der Behandlung. Es muss ein Plan erstellt werden, um dieser Person Hoffnung zu geben. Aber wie kann man das erreichen?Wie kann man den Patienten dazu bringen, mehr Begeisterung zu empfinden, wenn sein Geist zur Gänze von depressiven Gedanken durchsetzt ist?

So seltsam es auch erscheinen mag, die kreative Hoffnungslosigkeit ist ein guter Anfang. Sie ist ein Werkzeug, das manchmal sehr nützlich sein kann. Sehen wir uns nun an, warum.

Warum kreative Hoffnungslosigkeit so wirkungsvoll ist

  • Das erste Ziel ist, dass der Patient die negativen Erlebnisse akzeptiert, die er nicht selbst kontrollieren konnte oder kann. Der Betroffene sollte nicht länger gegen sie ankämpfen oder versuchen, ihnen zu entkommen. Er sollte auch nicht von ihnen besessen werden. Stattdessen sollte er lernen, die Hoffnungslosigkeit zu umarmen und verstehen, dass sein früherer Weg sinnlos war: „Ich akzeptiere es, um es gehen zu lassen.“
  • Nachdem der Betroffene diese schmerzhafte oder beunruhigende Realität akzeptiert hat, sollte der Psychologe ihn umleiten. Dies sollte durch einen Dialog geschehen, der andere Perspektiven oder Wege aufzeigt, sowie durch positive Verstärkung, einen Zweck und echte Hoffnung.
  • Durch Empathie kann der Psychologe die Person dazu bringen, das zu erkennen, was jetzt in der Vergangenheit liegt. Er kann den Patienten das erkennen lassen, die ihm wehtut und nicht mehr nötig ist. Dabei kann seine  Hoffnungslosigkeit ein Mittel sein, um neue Wege zu finden. Denn manchmal müssen wir zwei Schritte zurückgehen, um einen vorwärtszukommen.
Ein Schmetterling sitzt auf der Hand einer Frau.

Das Licht am Ende des Tunnels

Wir sollten kreative Hoffnungslosigkeit auch in anderen Lebensbereichen anwenden. Wir alle haben irgendwann schon einmal versucht, vor etwas davon zu laufen. Aber ohne es zu wissen, verstärkten wir damit unser Unbehagen. Ganz wie eine Person, die eine Stadt besucht und sich verfährt, aber nicht nach dem Weg fragen will und bald nur noch im Kreis fährt.

Um diesem Teufelskreis zu entkommen und das Licht jenseits unserer eigenen Beschwerden zu sehen, müssen wir zuerst verstehen, dass es sinnlos ist, dieselben alten Strategien anzuwenden. Diese führen uns nur zu den gleichen Ergebnissen. Wir müssen den Kreislauf durchbrechen und akzeptieren, dass wir verloren sind und unser Weg nirgendwo hinführt. So erst können wir weiterkommen. Dann können wir unseren Kopf erheben und unsere eigene Falle sehen. Dann werden wir einen besseren Weg für uns entdecken, der uns zur Freiheit führt.