Konkurrenz, Missgunst und Neid – Lass dich von der bösen Seite nicht verführen

· 13. Oktober 2017

Jeder findet es abstoßend, anderen Menschen Unheil an den Hals zu wünschen oder sie sogar zu verletzen, aber hat dich deine böse Seite noch niemals in Versuchung geführt oder verführt? Manchmal ist es einfacher, andere Menschen als Werkzeuge zu nutzen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Besonders weitverbreitet ist derartige Missgunst am Arbeitsplatz, und deshalb verwenden wir sie in diesem Artikel als Beispiel. Konkurrenz und Neid vergiften uns jedoch auch in anderen Lebensbereichen, das sollte nicht vergessen werden.

Seine Kollegen zu treten, ist eine häufig angewandte Strategie, sich zum Liebling des Chefs zu erheben. Es ist eine Abkürzung auf dem Weg zum Ziel und verspricht größere Befriedigung bei geringerer Notwendigkeit, Hindernisse zu überwinden. Breiten wir da alle nicht allzu gerne – zumindest teilweise – ein Mäntelchen darüber?

Menschliche Wesen suchen nach sofortiger Belohnung. Wenn wir uns noch einmal dem vorausgegangenen Beispiel zuwenden – wir geben nicht gern unser Bestes, stecken viel Mühe hinein und warten dann monatelang, bis wir unser Ziel mit ehrlichen Mitteln erreicht haben. Wenn wir uns da so einiges an Zeit sparen können, warum sollten wir es nicht tun?

So denken jene, die sich in Versuchung bringen lassen und Missgunst am Arbeitsplatz zeigen. Sie behandeln ihre Kollegen nicht mehr wie Menschen, sondern fangen an, sie als Werkzeuge zu benutzen, damit sie ihnen zum eigenen Vorteil gereichen. Dabei ignorieren sie, dass sie zu einem wichtigen sozialen Stressor für ihre Umwelt werden.

„Selbstsüchtige Menschen leben auf der dunklen Seite. Mitfühlende Menschen leben auf der lichten Seite. Wenn du auf die lichte Seite gehst, wirst du glücklich sein. Mit anderen zu fühlen, ihnen zu helfen und nicht über dich selbst, sondern über die anderen nachzudenken, schenkt dir ein Gefühl der Freude, das du auf eine andere Weise nicht bekommen kannst.“

George Lucas

Das Böse ist verführerisch

Wir haben alle schon einmal gute Menschen getroffen, die sich dem Bösen zugewandt haben. Menschen, die manipulativ wurden und anfingen, Dinge zu tun, die sie früher hätten zusammenzucken lassen. Das ist der erste Hebel, den das Böse ansetzt, um uns zu verführen. Er bewirkt, dass wir uns durch das Verhalten anderer Leute verletzt fühlen. Wir sehen uns als Opfer der Umstände, die das ganze Unheil nicht verdienen, das ihnen zugefügt wurde. Wir werden der Probleme, mit denen wir es zu tun hatten, Stück für Stück überdrüssig. Die Ressentiments übernehmen schließlich die Kontrolle und verwandeln uns in Persönlichkeiten, die wir nicht sein möchten.

Menschen, die missbraucht werden, können schlussendlich auch selbst missbrauchen. Menschen, die kritisiert werden, können zum Kritiker werden. Menschen, die im Konkurrenzkampf mit ihren Kollegen lange unterlegen waren, weil sie nach den Regeln gespielt haben, können selbst Missgunst am Arbeitsplatz zeigen.

Nachdem wir so viel Schmerz erduldet haben, entscheiden wir uns dafür, uns nicht mehr zum Narren halten zu lassen und behandeln andere nun genauso, wie wir zuvor behandelt wurden. Was wir dabei nicht erkennen ist, dass die Zielscheiben unserer bösen Handlungen unschuldige Mitmenschen sind. Zu dieser Gruppe hatten wir einst auch gehört.

Hinter der Fassade kann sich Boshaftigkeit verstecken

Das Böse hat eine weitere, verführerische Qualität, die uns dazu verleitet, andere wie Instrumente und nicht wie Menschen zu behandeln: Wir können in unserem Umfeld andere beobachten, wie sie durch ihre bösen Taten machtvoll werden. Wir hassen sie. Wir sind eifersüchtig auf sie. Wie können sie ein solches Glück erreichen, wenn sie doch so böse Menschen sind?! Alle diese negativen Gefühle veranlassen uns dazu, ihre Handlungen zu imitieren, weil unsere Ehrlichkeit uns nicht das Glück verschafft, das sie erreichen.

Sei vorsichtig mit dem Stein, den du heute auf mich wirfst. Es könnte derselbe sein, über den du morgen fällst.

Wenn wir unsere Augen weit aufmachen, werden wir feststellen, dass wir uns haben vergiften lassen. Das ist wie in einer Obstschale zu liegen – mit lauter verfaulten Äpfeln um uns herum. Da wir nicht in der Lage sind, uns aus dieser Situation zu befreien, stecken wir uns an. Sie zieht uns dann an, diese verführerische böse Seite, die uns dazu bringt, Menschen auszunutzen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Oder ihnen einfach den Schmerz zuzufügen, den wir einst erlitten haben.

Die Anziehungskraft der Macht

Wir fühlen uns voll Ressentiments und wie Idioten, wenn wir andere dabei beobachten, wie sie sich arglistig verhalten und dennoch zu den Ergebnissen kommen, die wir auch erreichen wollen. Aber hinter dem Ganzen steckt ein gewichtiger Grund, warum wir von der bösen Seite vereinnahmt werden. Und warum wir Leute nicht mehr so sehen, wie sie sind, sondern vielmehr als Objekte: Macht.

Die Kontrolle an uns zu reißen verleiht uns Macht, ebenso wie unterdrücken, manipulieren, lügen und verletzen. Wir machen das alles mit Absicht und manchmal ist es uns egal, wenn wir den anderen Menschen völlig zerstören, falls wir dadurch einen Vorteil erlangen. Jetzt sind wir Herr der Situation und dies befeuert unser Verlangen nach mehr. Es reißt uns hin. Wie weit sind wir wohl bereit, zu gehen?

Der Wolf im Schafspelz

Obwohl wir uns momentan gut fühlen, wenn wir die Gefühle anderer ignorieren, verbittert uns Missgunst am Arbeitsplatz schließlich und macht uns traurig, auch wenn sie von uns selbst ausgeht. Als menschliche Wesen suchen wir überall nach Herzensgüte, weil wir uns dadurch im Frieden fühlen. Obwohl uns das Böse auf gewisse Weise zum Vorteil gereicht oder uns erlaubt, Gerechtigkeit zu erlangen, kommen wir nicht zum selben Ergebnis.

„Die Verführung der dunklen Seite beginnt mit einem diabolischen, spielerischen Flirt. Mit einer Mischung aus Spannung und Schuld. Bis du einknickst und die Reue weit von dir schiebst.“

Antonio Crego Díaz

Wir werden von der Macht verführt, die uns böse macht. Dieser unschuldige Flirt mit dem Bösen kann einen Punkt erreichen, wo es kein Zurück mehr gibt, wenn wir nicht aufpassen. Wenn wir andere wie Objekte behandeln, bekommen wir vielleicht, was wir wollen. Aber es führt uns fort vom Gleichgewicht, vom Frieden und vom Glück. Wir vergessen, dass es immer einen Preis zu bezahlen gilt, wenn wir uns so verhalten. Wir opfern uns – so wie wir sind, um mehr zu bekommen. Ist es das wert?

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Catrin Welz-Stein