Kinder, die lügen, müssen belehrt, nicht vernachlässigt werden

31. Mai 2017 en Psychologie 133 Geteilt

Alle Eltern würden gern wissen, warum Kinder lügen. Manchmal muss man sich einfach nur in sie hineinversetzen, um diese Frage zu beantworten. Aber sind sie sich die Kinder dessen bewusst, wie ernst es ist? Machen sie einen Unterschied bei der Art von Lügen, die sie erzählen? Wir werden diese Aspekte in diesem Artikel ansprechen.

Kinderlügen erforschen

Nein, Kinder, die lügen, sind nicht weniger liebenswürdig als andere. Tatsächlich sehen Kinder laut der Psychologin Victoria Talwar von der McGill University (Kanada) Lügen nicht in schwarz und weiß. Für sie hängt die Entscheidung, zu lügen oder die Wahrheit zu sagen, davon ab, welche Konsequenzen das Gesagte hat und welchen Schaden es ihnen zufügen könnte.

In anderen Worten werden sich Kinder Talwas Studie zufolge in Abhängigkeit von der erwarteten Bestrafung oder dem Schaden, der angerichtet würde, dafür entscheiden, erblich zu bleiben oder zu lügen. Sie machen das nicht mit Absicht, sie vermeiden einfach negative Folgen.

Wenn aber ein Elternteil ein Kind belügt, ist dies viel schlimmer. Wenn das passiert, fühlt sich das Kind betrogen.

„Kinder erinnern sich nicht daran, was du versuchst, ihnen beizubringen. Sie erinnern sich daran, wie du bist.“

Jim Henson

Das Interessante an dieser Studie, die 100 Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren und ihre Eltern untersuchte, ist, dass Eltern ihren Kindern meist erklären, dass Lügen schlecht sei. Aber Eltern lügen auch, selbst wenn sie das meist mit der guten Absicht tun, ihrem Kind das Leben zu erleichtern. Aber das bringt Kinder durcheinander, besonders wenn sie noch ganz klein sind.

Bedenken Kinder die Motivation hinter einer Lüge?

In Talwars Studie wurden Kindern verschiedene Videos gezeigt, die Situationen darstellten, in denen jemand verletzt wurde. In manchen Fällen geschah das, weil jemand gelogen hatte, und die Person, welche die Wahrheit sagte, wurde dafür bestraft.

Nachdem sie das Video gesehen hatten, wurden die Kinder befragt, was sie von den Handlungen der jeweiligen Personen hielten. Die Forscher beabsichtigten, mehr über das moralische Urteil der Kinder mit Bezug auf die Situationen herauszufinden und so die jeweilige Entwicklungsstufe des Kindes in dieser Hinsicht zu analysieren.

Die Antworten waren sehr vielseitig und ließen verschiedene Interpretationen zu. Obwohl es kein bestimmtes Alter gibt, in dem Kinder zwischen richtig und falsch zu unterscheiden beginnen, konnten deutliche Muster beobachtet werden:

  • Die jüngsten Kinder, die an der Studie teilnahmen, beurteilten Lügen im Allgemeinen als negativ. Aber sie akzeptierten die Lüge auch eher, wenn sie irgendeine Art von Schaden verminderte oder verhinderte.
  • Für Kinder im Alter zwischen 10 und 12 war der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge verschwommener. Sie waren sich sowohl über die Konsequenzen des Lügens als auch über die Folgen der Wahrheit bewusst, sodass sie diese im vollen Bewusstsein zu ihrem eigenen Vorteil einzusetzen pflegten.

Aus welchen Gründen lügen Kinder?

Wenn ein Kind lügt, ganz besonders in jungem Alter, sollte man das nicht als Betrug oder eine schockierende Handlung betrachten. Alicia Banderas, Autorin des Buches Pequeños Tiranos  (zu Deutsch: Kleine Tyrannen), zufolge tun sie es hauptsächlich, um einer Bestrafung zu entkommen. Andere Gründe können sein, dass sie sich schämen, etwas Böses getan zu haben, oder dass ihnen etwas Spaß macht, etwas zu tun, von dem sie wissen, dass es verboten ist.

Der Wissenschaft zufolge beginnen Kinder, deren kognitive Entwicklung zügig voranschreitet, bereits im Alter von 2 Jahren, zu lügen. Das durchschnittliche Alter hierfür liegt aber bei 3 oder 4 Jahren. Kinder lügen auf die gleiche Weise, wie sie jedes unbekannte Gebiet erforschen: durch Experimentieren, Versuch und Irrtum, indem sie eine Lüge erzählen und gucken, wie es läuft und wie dramatisch die Konsequenzen sind.

Andererseits lügen Kinder auch manchmal, um mit etwas anzugeben, um ihre Privatsphäre zu schützen, oder einfach weil ihnen gerade danach ist.

Wir sollten also als Eltern vorsichtig sein, wenn wir unsere Kinder belügen. Wenn sie herausfinden, dass wir gelogen haben, werden sie sich wahrscheinlich hintergangen fühlen. Und wenn wir häufig lügen, ganz besonders, wenn wir es tun, um sie mit Versprechungen zu manipulieren, die dann nicht gehalten werden, werden sie uns eines Tages überhaupt nichts mehr glauben.

„Die beste Erziehungsmethode für Kinder ist es, sie glücklich zu machen.“

Oscar Wilde

Wir verbleiben also mit dem Fazit aus Talwars Studie. Eltern und Betreuer sollten mehr mit ihren Kindern sprechen und den Unterschied zwischen Wahrheit und Lügen erklären. Wie so oft ist eine offene und ehrliche Kommunikation die beste Lösung.

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