Kennst du die 5 Arten von Appetit?

07 April, 2021
Forscher des Charles Perkins Centre fanden heraus, dass Menschen unterschiedliche Essensgelüste haben. In Experimenten erforschten Sie die Ursache dafür.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass Menschen und auch Tiere fünf verschiedene Arten von Appetit haben. Der Prozess, der Appetit auslöst ist sehr komplex, denn unsere Organismus ist eine ausgeklügelte Maschine, die versucht, durch Nahrungsaufnahme im Gleichgewicht zu bleiben.

Doch zunächst möchten wir dir den Unterschied zwischen Hunger und Appetit erklären. Hunger ist ein rein körperliches Bedürfnis. Du fühlst dich hungrig, weil dein Körper nach den Nährstoffen verlangt, die er benötigt, um richtig zu funktionieren. Man könnte auch sagen, dass Hunger ein Verlangen nach Treibstoff ist, den dein Körper braucht, um all die unterschiedlichen Funktionen ausüben zu können.

Appetit hingegen ist ein komplizierter Prozess. Zunächst einmal geht es dabei nicht nur um einen Überlebensinstinkt, sondern auch um Vergnügen. Die Grundbedürfnisse deines Körpers regen nicht unbedingt deinen Appetit an. Also sind dabei andere Faktoren im Spiel, weshalb Wissenschaftler glauben, dass es verschiedene Arten von Appetit gibt.

“Deine Ernährung gleicht einem Bankkonto. Eine gute Auswahl an Lebensmitteln ist eine gute Investition.”
-Bethenny Frankel-

Frau hat Appetit auf Süßes

Was ist also der Unterschied?

Bevor wir über die unterschiedlichen Appetitarten sprechen, ist es wichtig zu wissen, dass der Hypothalamus das Essbedürfnis beim Menschen reguliert. Diese Hormondrüse sendet Signale, wenn der Körper Nährstoffe benötigt, um den Energieaufwand auszugleichen. Sie teilt dem Körper auch mit, wann er genug hat.

Frühere Studien haben gezeigt, dass der Hypothalamus dem Körper nicht immer ausreichend anzeigt, wann kein weiteres Essen notwendig ist. Vor allem kann das bei fett- und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln vorkommen. Infolgedessen kann es dir passieren, dass du viele von diesen Nahrungsmitteln isst, aber dich trotzdem nicht satt fühlst.

Zucker und Fett regen auch die Produktion von zwei Botenstoffen im Gehirn an: Dopamin und Serotonin. Beide sind eng mit dem Gefühl von Freude und Wohlbefinden verbunden. Wie du vielleicht bereits richtig vermutest, bedeutet das, dass diese Lebensmittel süchtig machen können. Dein Körper reagiert auf sie genauso, wie er auf eine Droge reagieren würde.

Was hat Appetit mit Heuschrecken zu tun?

Ernährungswissenschaftler haben jetzt einige faszinierende neue Erkenntnisse gewonnen. Das verdanken wir auch den Biologen David Raubenheimer und Stephen J. Simpson, die sich seit mehr als 30 Jahren mit diesem Thema beschäftigen und die Erkenntnisse ihrer Forschung in dem Buch Eat Like the Animals veröffentlicht haben.

Schon der Titel ist sehr aussagekräftig und spielt darauf an, was die beiden Forscher herausgefunden haben. Ihre Hauptstudie konzentrierte sich auf Heuschrecken. In ihren Versuchen gaben sie einer Gruppe dieser Tiere ein nährstoffreiches, kohlenhydratarmes Futter. Der anderen Gruppe boten sie jedoch ein Futter an, das reich an Kohlenhydraten und nährstoffarm war.

Dabei experimentierten sie mit verschiedenen Nahrungsmitteln, wobei sie immer eine nährstoffarme und eine nährstoffreiche Option anboten. Die Heuschrecken aßen immer ausgewogen, das heißt, sie nahmen immer die gesunde Menge an Eiweiß zu sich, egal wie viele Kohlenhydrate sie zur Verfügung hatten.

Ein zweites Experiment über Appetit

Um diese Ergebnisse weiter zu untersuchen, experimentierten die Wissenschaftler mit zwei weiteren Gruppen von Heuschrecken. Sie fütterten einer Gruppe mit einer kohlenhydratreichen und eiweißarmen Nahrung. Die andere Gruppe erhielt das Gegenteil: eine eiweißreiche und kohlenhydratarme Variante. Dabei durften sie so viel zu sich nehmen, wie sie wollten.

Dabei konnten die Forscher herausfinden, dass die Gruppe mit der eiweißreichen Nahrung insgesamt eine geringere Menge zu sich nahm, also auch weniger Kohlenhydrate. Die Gruppe mit der eiweißarmen Nahrung fraß so lange, bis sie eine bestimmte Menge an Eiweiß erreicht hatte und nahm so auch mehr Kohlenhydrate zu sich. Sie taten dies, um den Mangel an Eiweiß auszugleichen. Warum bevorzugen diese Tiere Eiweiß? Die Antwort ist einfach: Eiweiß garantiert eine bessere Entwicklung und bessere Überlebenschancen.

Später wiederholten die Wissenschaftler dieses Experiment mit Menschen. Sie kamen zu den gleichen Ergebnissen. So kamen sie zum Ergebnis, dass es verschiedene Arten von Appetit gibt.

Es gibt unterschiedliche Arten von Appetit

Sorten von Appetit und der Zusammenhang mit deinem Gewicht

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass es fünf verschiedene Formen von Appetit gibt, und zwar Appetit auf:

  • Eiweiß
  • Kohlenhydrate
  • Fette
  • Kalzium und
  • Natrium (Salz).

Beim Menschen werden die ersten drei unter der Kategorie “Makronährstoffe” zusammengefasst.

Extrem verarbeitete, industriell erzeugte Lebensmittel enthalten hauptsächlich Fett und Kohlenhydrate. Sie haben in der Regel nicht viel Eiweiß. Wenn deine Ernährung hauptsächlich aus diesen Lebensmitteln besteht, musst du mehr essen, um die vom Körper benötigte Menge an Eiweiß abzudecken.

Raubenheimer und Simpson kamen zu dem Schluss, dass der Mensch, genau wie 50 andere Tierarten, über einen eingebauten Mechanismus verfügt, der für das Gleichgewicht bei den aufgenommenen Nahrungsmitteln sorgt. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn du Lebensmittel isst, die schon immer Teil der Ernährung waren. Ansonsten ist das Gleichgewicht gestört. Vielleicht sollten wir also den Rat befolgen und anfangen, “wie Tiere” zu essen.

Simpson, S., Raubenheimer, D. Perspective: Tricks of the trade. Nature 508, S66 (2014). https://doi.org/10.1038/508S66a