Kennst du den Unterschied zwischen adaptiver und pathologischer Angst?

· 14. Juli 2018

Es ist wichtig, zu wissen, dass es verschiedene Arten von Angst gibt. Auf der einen Seite gibt es pathologische Ängste, die manchmal auch als dysfunktionale Ängste bezeichnet werden. Auf der anderen Seite steht die adaptive Angst, auch bekannt als physiologische Angst. Dieser Unterschied ist deshalb relevant, weil die meisten Menschen denken, dass alle Arten von Angst negativ seien und überwunden werden müssten – dem ist aber nicht so. Nun, was ist aber der Unterschied zwischen adaptiver und pathologischer Angst?

Im Allgemeinen können wir Angst als einen emotionalen Zustand definieren, der auf eine Art von Bedrohung, einer Vorahnung von Schaden oder Unglück zurückzuführen ist. Mit anderen Worten, er stellt sich ein, wenn jemand annimmt, dass etwas Schlimmes passieren werde. Derartige Gedanken können uns große Sorgen bereiten. Sie resultieren in emotionalem Unbehagen, so etwas wie einer Mischung aus Angst, Unruhe und Nervosität. Es können auch körperliche Symptome wie Schwindel, Herzklopfen und Übelkeit auftreten.

Bei der adaptiven Angst ist das erwartete Leiden wahrscheinlich. So wissen wir, wenn wir zu spät zur Arbeit kommen, dass unser Chef das beanstanden wird. Bei pathologischer Angst dagegen entsteht emotionales Unbehagen angesichts zukünftiger Schäden, die zwar möglich, aber nur wenig wahrscheinlich sind. Mit anderen Worten, wir erwarten, dass uns etwas Schlimmes passiert, obwohl die Chancen sehr gering sind, dass sich dieses Szenario tatsächlich ergibt.

„Die Intensität der Angst ist proportional zur Bedeutung, die die Situation für den Betroffenen hat, auch wenn er die Gründe für seine Angst nicht kennt.“

Karen Horney

Eine Frau in einem Labyrinth

Die Rolle der Angst

Adaptive Angst ist ein Teil von uns. Ihre Aufgabe ist es, uns zu schützen, um unsere Integrität und unser Überleben zu garantieren. Wenn eine echte Bedrohung besteht, müssen sich Körper und Geist darauf einstellen. Wenn wir uns nicht darauf vorbereiten können, dann überflutet uns ein Gefühl der Hilflosigkeit, weil wir tatsächlich in Gefahr sind. Angst hat also auch positive Seiten.

Pathologische Angst tritt auf, wenn sich ein Mensch nicht in der Lage fühlt, sich einer fiktiven Bedrohung zu stellen. Betroffene nehmen Bedrohungen auch in Situationen wahr, die nichts Bedrohliches an sich haben. Wenn das andauernd geschieht, treten sie in einen Zustand permanenter Angst ein. In dieser Qual wissen sie oft nicht einmal, wovor sie Angst haben. Diese Menschen haben einfach Angst, weil jederzeit „etwas“ passieren könnte.

Angst hat physiologische Folgen. Wir brauchen mehrere unserer Organe, zum Beispiel Herz, Lungen und Muskulatur, um intensiv arbeiten zu können, um der Gefahr entgegenzutreten. Wenn jemand häufig Angst hat, dann ist es deshalb zu erwarten, dass der Körper in Mitleidenschaft gezogen wird. Krankheit ist eine häufige Folge ständiger Angst.

Eigenschaften pathologischer Ängste

Diejenigen, die unter pathologischer Angst leiden, haben ein ernstes Problem. Es reicht nicht aus, ihnen auf die Schulter zu klopfen und zu sagen, dass alles gut werde. Die Überwindung dieses Zustandes erfordert viel mehr als den guten Willen anderer.

Der erste Schritt, um das Problem zu entwirren, ist, zu wissen, ob das, was empfunden wird, pathologische Angst ist. Um das mit Sicherheit zu wissen, müssen wir sehen, ob die Spannung, die wir erleben, den folgenden Eigenschaften entspricht:

  • Frequenz und Intensität. Bei pathologischer Angst treten Angstzustände häufig auf. Sie halten in der Regel lange an und werden mit hoher Intensität erlebt. Adaptiven Angst hingegen ist selten, vergeht schnell und ist meist weniger intensiv – wir laufen ja nicht mehr vor Säbelzahntigern davon.
  • Leiden. Wenn Angst pathologisch ist, erleben wir sie als ein tiefes, kontinuierliches Leiden. Bei der adaptiven Angst ist das Leiden vorübergehend und hinterlässt keine Spuren.
  • Reaktionen. Die pathologische Angst ist durch unverhältnismäßige Reaktionen auf den Reiz, der diesen Zustand provoziert, gekennzeichnet, ob der nun real oder eingebildet ist. Die übertriebene Angst davor, dass Diebe das Haus betreten könnten, mag dazu verleiten, die ganze Nacht wachzubleiben.
  • Funktionalität. Pathologische Angst beeinflusst unser tägliches Leben. Sie hindert uns entweder daran, etwas zu unternehmen, oder sie bringt uns dazu, zu handeln. Sie tut das auf eine solche Weise, dass unsere Routine verändert oder eingeschränkt wird und Verwirrung und Angst unser Leben füllen. Wer die ganze Nacht wachbleibt, um auf Diebe reagieren zu können, handelt. Aber am nächsten Tag wird er seiner Routine nicht nachkommen können, weil er viel zu müde ist.
Frau umarmt sich selbst

Wann ist Angst krankhaft?

Die Antwort auf diese Frage könnte mehrere Bücher füllen. Zusammenfassend können wir jedoch sagen, dass hinter dieser Art von Angst ein ungelöstes Trauma steckt. Manchmal ist die Beziehung zwischen Trauma und Angst direkt und offensichtlich, aber das ist nicht immer so.

Wenn zum Beispiel jemand in einen Autounfall verwickelt ist, kann das Spuren hinterlassen, und nicht nur physische. Es ist häufig so, dass sich das Unfallopfer jedes Mal, wenn es in ein Auto steigen muss, oder sogar, wenn es eine Straße überquert, ängstlich fühlen. In diesem Fall ist die Beziehung zwischen Trauma und Angst direkt, wenn auch unverhältnismäßig im Angesicht der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit eines erneuten Unfalls.

In anderen Fällen kann das Trauma, das die pathologische Angst hervorruft, im Unbewussten verborgen liegen. Ablehnung oder Missbrauch in einem frühen Alter sind Beispiele dafür.

Ein Mann hat Angst und hält sich die Hand vor seine Augen

Pathologische Angst ist ein Zustand, der normalerweise Hilfe durch Dritte bedarf, um überwunden werden zu können. Am sinnvollsten ist es, einen Psychotherapeuten oder Psychoanalytiker zu kontaktieren, um dieses Problem zu lösen.