Kennst du das Pica-Syndrom?

17. Dezember 2015 en Psychologie 17 Geteilt

Das Pica-Syndrom ist laut dem „Diagnotischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen“ (DSM) eine seltene Essstörung. Ihr Namensgeber ist der lateinische Begriff „Pica“, zu Deutsch „Elster“. Bei dieser Art der Essstörung nehmen die Erkrankten Substanzen zu sich, die im Allgemeinen als ungenießbar oder ekelerregend betrachtet werden.

Was genau verbirgt sich hinter dem Pica-Syndrom?

Das Pica-Syndrom, das auch als Pikazismus bezeichnet wird, beschreibt eine „qualitative“ Essstörung. Von dieser Krankheit betroffene Personen verspüren einen unaufhaltsamen Drang, ungenießbare und gesundheitsschädliche Dinge wie Erde (Geophagie), Kalk, Zigarettenasche oder Tabak, Lehm, Papier, Natron, Nagellack, Stifte, Magnesia-Milch, Kohle, Eis (Pagophagie), Haar- oder Wollbüschel (Trichophagie), Tierfäkalien (Koprophagie) und anderes zu essen.

Diese Erkrankung tritt in den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen auf, weshalb sie nicht an einen geographischen Punkt oder an eine bestimmte Lebensweise gebunden ist.

Diese Art der Essstörung tritt häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf. Von dieser Erkrankung sind zwischen 10% und 32% der Kinder im Alter von 1-6 betroffen, obwohl auch Erwachsene und Schwangere, die angeben, dass sich ihr Organismus verändert hat – auch wenn dies nicht der Wahrheit, sondern nur ihrer persönlichen Wahrnehmung entspricht – an dieser Krankheit leiden können. Damit bei einer Person diese Krankheit diagnostiziert werden kann, muss sie mindestens über einen Monat lang krankheitstypische Symptome aufweisen.

Was sind die Ursachen des Pica-Syndroms und wie kann man dieser Krankheit vorbeugen?

Bisher ist nicht genau bekannt, was das Pica-Syndrom auslöst. Laut Studien könnten evtl. biochemische Faktoren (z.B. Eisenmangel), aber vor allem psychologische Faktoren (Stress und Angst, Genussempfinden beim Verzehr von Eis, Erde, etc.) oder kulturelle Faktoren eine Rolle spielen.

Beispielsweise könnte diese Art der Essstörung in Entwicklungsländern und ländlichen Gegenden, in denen ungewöhnlichere Substanzen aus Not verspeist werden, häufiger auftreten. Doch auch diese Erklärung erscheint nicht ganz plausibel, da z.B. der Wunsch, einen Stift abzulecken, in Städten in Industrieländern etwas völlig Normales ist.

Leider gibt es auch keine spezifischen Vorbeugungsmaßnahmen, die man treffen könnte, obwohl Ärzte davon ausgehen, dass eine gesunde Ernährung von Kindesbeinen an dazu beitragen kann, dieser Krankheit vorzubeugen.

Wie wird das Pica-Syndrom behandelt?

Eine Behandlung des Pica-Syndroms beruht hauptsächlich auf einer psychosozialen, familiären Orientierung und einer Veränderung der Umwelt, die gemeinsam von Ärzten und Psychologen vorgenommen wird – von Ärzten und Psychologen, die feststellen, ob ein tatsächliches Pica-Syndrom vorliegt, ob Medikamente und oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollten, um möglichen Folgen wie Verdauungsbeschwerden, Unterernährung, Fettleibigkeit etc. vorzubeugen. Die therapeutische Behandlung sollte auf jeden Fall von Psychologen durchgeführt werden, deren Aufgabe es ist, dem Patienten zu vermitteln, dass er diese von ihm als Nahrungsmittel angesehenen Substanzen nicht weiter verzehren kann.

Um diese Essstörung zu beheben, sollte der Patient zu Beginn der Therapie befragt werden, wieso er diese ungewöhnlichen Gelüste verspürt. Oftmals handelt es sich um eine unüberlegte, schlechte Angewohnheit. Der Betroffene ist sich nicht bewusst, dass die Substanzen, die er zu sich nimmt, gesundheitsschädlich sind und dass diese Art der Essstörung negative Folgen nach sich ziehen kann. Es können Probleme mit der Speiseröhre, Verdauungsstörungen und Krankheiten wie Unterernährung oder Fettleibigkeit (aufgrund des Verzehrs von Stärke) auftreten. Wenn der Erkrankte sein Problem erkennt, kann es sein, dass er seine Essstörung früher als gedacht hinter sich lassen kann. Falls dies nicht der Fall sein sollte, bleiben noch die folgenden Maßnahmen gegen diese Krankheit zu ergreifen:

  • Der Patient muss den Unterschied zwischen essbaren und ungenießbaren Substanzen erlernen.
  • Dem Patienten muss verständlich gemacht werden, dass der Verzehr dieser Substanzen gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen kann und dass sich gesunde Lebensmittel positiv auf seine Gesundheit auswirken.
  • Die Verwendung von Selbstschutzmaßnahmen, die das Einführen von ungenießbaren Substanzen verhinderen.
  • Die Umwelt des Patienten muss genaustens untersucht und korrigiert werden, um herauszuffinden, woher die Essstörung kommt.
  • Dem Patienten muss ein gesundes Essverhalten antrainiert werden.

Wenn du das Gefühl haben solltest, dass du selbst oder ein dir nahestehendes Familienmitglied an dieser Krankheit leidet, dann solltest du so schnell wie möglich einen Arzt konsultieren, um gesundheitsschädliche Folgen zu vermeiden.

Auch interessant