Kein Mensch weiß, wer er ist – bis er herausfindet, was er in der Lage ist, zu tun

2. August 2017 en Psychologie 277 Geteilt

Wenn du endlich herausfindest, was jenseits der Grenzzäune der Angst liegt – jenseits des „du schaffst das nicht“  und des „du hast ja keine Ahnung“ – dann kann dich nichts mehr aufhalten. Denn das Abenteuer, du selbst zu sein in einer Welt, die sich täglich jede erdenkliche Mühe gibt, dass du das nicht schaffst, ist sicherlich die größte Leistung.

Wenn du darüber nachdenkst, wirst du feststellen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der auf jedem Menschen ein Etikett klebt. Das ist eine gefährliche Routine, die angewandt wird, um Leute in Schubladen zu stopfen, sie zu begrenzen und sie ihrem eigenen Wesen zu entfremden. Das Schlimmste daran ist, dass wir das jeden Tag in unseren Schulen, in unserem Arbeitsumfeld und sogar im engsten Familienkreis erleben.

Es ist besser, du selbst zu sein, als eine schlechte Kopie von jemandem anderen.

Wir müssen uns von den „Kleberesten“ dieser Etiketten befreien und auch von den Zuschreibungen, die sich andere für uns ausgedacht haben. Um herauszufinden, wer wir sind, und um mit unserer inneren Größe in Berührung zu kommen, brauchen wir Wagemut. Wir müssen die Mauern der Angst und der Unschlüssigkeit abreißen.

Weil das Glück, du selbst zu sein, nicht automatisch auftaucht. Es ist ein ständiger Kampf. Es ist ein Weg, den du unablässig beschreitest und auf dem du die Grenze der Angst jeden Tag ein bisschen weiter hinter dir lässt.

Wenn du entdeckst, dass du die Macht hast, zu entscheiden

„Um glücklich zu sein, musst du Entscheidungen treffen“,  hat man dir sicher auch schon gesagt, aber setzt du ihn wirklich in die Tat um? Damit wir diesen Aspekt besser verstehen, denken wir doch an eine Situation aus dem Buch Alice im Wunderland,  das von Lewis Carroll verfasst wurde. Wir sind uns sicher, dass dich das zum Nachdenken bringen wird.

In einem gegebenen Moment stellt Alice der Grinsekatze die folgende Frage: „Könntest du mir bitte sagen, welchen Pfad ich einschlagen soll, um von hier wegzukommen?“  Die Katze antwortet ihr: „Das hängt davon ab, wohin du gehen willst.“ „Das ist mir in Wahrheit nicht so wichtig“,  gibt Alice ihr zur Antwort. Darauf die Grinsekatze: „Dann kommt es auch nicht wichtig, welchen Pfad du einschlägst.“

Welche Lektion steckt in dieser Passage? Damit wir wir selbst sein können, müssen wir zu unseren Entscheidungen stehen. Denn in einer Welt voll endloser Möglichkeiten sollten wir uns über unsere Prioritäten im Klaren sein. Wenn dem nicht so ist, werden wir uns höchstwahrscheinlich verlaufen.

Damit du das schaffst, lohnt es sich, die folgenden Prinzipien zu verinnerlichen:

  • Die Erwartungen, die andere an uns haben, bestimmen häufig die Wege, die wir einschlagen. Sie übernehmen Stück für Stück unser Leben, bis wir kein Stimmrecht mehr haben. Lass das nicht zu, setze deine eigenen Prioritäten und kämpfe für diese. Du kannst und solltest deine eigenen Entscheidungen treffen.
  • Anderen ein Nein entgegenzusetzen, wenn wir das für nötig erachten, ist kein egoistisches Vorgehen. Es ist ein Akt der Selbstliebe. Der Mensch, der den Wert eines Neins erkannt hat, befreit sich von einer unglaublichen Last.
  • Wenn du deinen Weg durchs Leben noch nicht genau definiert hast, dann pflege deine Wertvorstellungen (nur deine und keine anderen) und hör auf dein Herz (nur auf deines und kein anderes). Die Worte, die du dann vernimmst, werden zu deinem Kompass für die Landkarten deines täglichen Lebens.

Alles, zu dem du in der Lage bist

Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens in der unmittelbaren Umgebung von Werturteilen, die uns in unseren Berufen, unseren Freundeskreisen und sogar in unseren Beziehungen im freien Fall stürzen lassen. Wir können dabei auch unseren Kreis der Familie nicht außer Acht lassen. Da sind Mütter und Väter, die ihre Kinder in Schubladen stecken und ihre Zukunft anhand bestimmter Werturteile vorprogrammieren. Diese Werturteile sind nicht immer zutreffend.

„Denn für keinen ist es zu früh und für keinen zu spät, sich um die Gesundheit seiner Seele zu kümmern.“

Epikur

Wenn wir größer sind, betreten wir eine komplexe Welt der Bildung, in der wir auf der Basis unserer Noten und unserer Leistung beurteilt werden. Aber niemals auf der Grundlage unserer inneren Welt, die sich weit über diese normativen Strukturen hinaus erstreckt. Hier geht es um diejenigen, die uns sagen, was wir ihren Erwartungen nach tun und nicht tun sollten: „Denk bloß nicht daran, eine Ingenieurskarriere einzuschlagen, denn du hast ja nur eine Vier in Mathematik.“

Viele von uns wachsen heran und messen den Meinungen anderer Leute viel Wert bei. Aus diesem Grund errichten wir nach und nach Verteidigungswälle und eine Komfortzone, in der wir uns häuslich einrichten können. Wir tun dies, um den Parametern zu entsprechen, die andere für uns aufgestellt haben.

Carl R. Rogers, ein vielgerühmter Psychologe, bemerkte, dass es keine frustrierendere Sache gibt als den Versuch, den Erwartungen der anderen zu entsprechen und sein Wunschbild von sich selbst aufzugeben. Dieses entscheidende Missverhältnis widert uns selbst an und wir fahren regelrecht „herunter“. Darum lohnt es sich, für einen Augenblick über die folgenden Konzepte nachzudenken.

Niemand kann entdecken, wer er selbst ist, bis ihm alles deutlich wird. Damit dieser Fall auch eintreten kann, muss man sich selbst die passenden Gelegenheiten verschaffen. Trau dich, einen Szenenwechsel vorzunehmen, stell dich selbst auf die Probe und finde heraus, wie weit du damit kommen kannst.

Josh Billing war im 19. Jahrhundert ein bekannter Komödiant und Schriftsteller. Er empfahl die folgende Maxime: „Sei wie ein Siegel auf einem Brief. Hefte dich fest an etwas und lasse nicht los, bis du deinen Bestimmungsort erreicht hast.“

Genau dies sollten wir selbst in die Hand nehmen. Vergiss also nicht, das Licht deines Selbstwertgefühls einzuschalten und jeden Winkel deiner Seele zu erforschen, um dich an deine Träume zu erinnern. Und vor allem, um deinen Bedürfnissen größere Aufmerksamkeit zu schenken.

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