Katzen im Buddhismus und eine Legende

26. Juli 2016 en Kuriositäten 212 Geteilt
Katzenbuddha

Im Buddhismus repräsentieren Katzen Spiritualität. Sie sind erleuchtete Wesen, die Ruhe und Harmonie vermitteln. Deshalb wird oft gesagt, wer sich nicht mit seinem Inneren verbinden könne, könne niemals in wahrhaften Kontakt mit einer Katze kommen und auch ihre Geheimnisse nicht verstehen. 

Tatsächlich wird es niemanden überraschen, dass Katzen im Buddhismus eine Rolle spielen. In Thailand erzählt man sich eine Legende, die Katzen im Laufe der Zeit in vielen asiatischen Tempeln zur Repräsentanten des Friedens werden ließ. Es ist deshalb ganz normal, dort dösende Katzen zu sehen, zusammengerollt im Schoß von Buddhafiguren, die Gärten und Heiligtümer säumen.

Katzen nehmen vieles wahr, dass sich unseren Sinnen entzieht, und das trotz der vielen Stunden Schlaf und den Momenten des Spiels. Auf ihren Entdeckungstouren erforschen sie unsere Seele mit ihrem feinen Gespür. Sie lindern Traurigkeit und binden uns mit ihren noblen Blicken an sich.

Es wird oft gesagt, dass Hunde die treuesten Freunde des Menschen seien. Das stimmt sicherlich. Trotzdem weiß jeder, der den Charakter von Katzen kennt, dass die Verbindung zu mindestens genauso intim ist wie die zum Hund. Auch deshalb sprechen Mönche wie der Meister Hsing Yun von der heilenden Kraft dieser Tiere.

Wir laden dich ein, mehr über Katzen im Buddhismus zu lernen.

Katze schläft in Buddhas Arm

Eine buddhistische Legende von Katzen

Zunächst ist es wichtig, einige Aspekte zu klären. Der Buddhismus ist im Gegensatz zum Christentum nicht in einer vertikalen Hierarchie organisiert. Religiöse Autoritäten berufen sich auf heilige Texten, aber gleichzeitig existiert auch eine große Flexibilität bezüglich unterschiedlichster Themen.

Die Legende, welche wir dir hier vorstellen, hat ihre Wurzeln in einer bestimmten Schule des Buddhismus, nämlich im Theravada-Buddhismus oder Buddhismus der Schule der Ältesten. Im thailändischen Theravada-Buddhismus entstand Das Buch der Katzengedichte,  das auch bekannt ist als Tamra Maew.  Bis heute wird das Original in der Nationalbibliothek in Bangkok als kostbares Kulturerbe aufbewahrt.

In diesen alten Papieren lässt sich eine bezaubernde Geschichte nachlesen, in der eine Person stirbt, die zuvor die höchste spirituelle Stufe erreicht hatte. Ihre Seele verbindet sich mit dem Körper einer Katze. Ihr Leben entsprach dann nur noch der Lebenserwartung einer Katze und erschien ihr sehr kurz. Die Seele an der Schwelle des Todes wusste jedoch, dass sie sich auf ein erleuchtetes Niveau begeben würde.

Das thailändische Volk entwickelte im Sinne dieses Glaubens einige kuriose Praktiken…

Katzen im Buddhismus

Wenn ein Familienmitglied verstarb, schloss man dessen Körper mit einer lebendigen Katze in eine Gruft ein. Diese Gruft verfügte über eine Öffnung, durch welche die Katze nach außen gelangen konnte. Wenn dies geschah, ging man davon aus, dass die Seele des geliebten Menschen nun im Körper der noblen Katze steckte. Auf diese Weise erreichte die Seele Befreiung und den Pfad der Ruhe und Spiritualität, auf dem sie sich auf die Zeit nach dem körperlichen Tod vorbereiten konnte.

Katzen und Spiritualität

Man sagt, Katzen seien wie kleine meditierende Mönche, in der Lage, Harmonie an einen Ort zu bringen. Für den buddhistischen Orden von Fo Guang Shan zum Beispiel sind Katzen wie Menschen, die Erleuchtung erlangt haben.

  • Katzen sind freie Lebewesen, die trinken, wenn sie Durst haben, die essen, wenn sie hungrig sind, und die schlafen, wenn sie müde sind. Sie tun genau das, was zu tun ist, ohne die Notwendigkeit zu verspüren, jemand anderen zufriedenzustellen.
  • Sie lassen sich nicht vom Ego einlullen. Ein weiterer für die Buddhisten interessanter Aspekt ist, dass Katzen schon vor langer Zeit gelernt haben, den Menschen zu verstehen. Der Mensch hingegen hat es bisher nicht geschafft, die Katze zu verstehen.
  • Sie sind unabhängig, aber loyal und liebevoll. Ihre Liebesbezeugungen sind intim und subtil und trotzdem überraschend tiefgreifend. Nur Menschen, die in der Lage sind, in ihr Inneres einzutauchen, mit Respekt und Hingabe, werden sich an ihrer unerschütterlichen Liebe erfreuen können. An launischen Menschen, die vielleicht sogar herumschreien, werden Katzen niemals etwas finden. 

Katze sitzt neben Obstschale am Fenster

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht notwendig ist, die alten buddhistischen Texte zu lesen, um zu verstehen, dass Katzen etwas Besonderes sind. Dass ihre Blicke dich in introspektive Universen einladen, ihre faszinierenden Körperhaltungen dich inspirieren, Yoga zu praktizieren, dass sie Musterbeispiele sind für Eleganz und Gleichgewicht.

Der Mensch liebt Katzen, er verehrt sie sogar. Dass sich Katzen selbst wie authentische Gottheiten verhalten, liegt vielleicht auch an ihrer Vergangenheit und diese gestehen wir Menschen ihnen mit Stolz zu.

Wir alle haben über unsere ganz eigenen Geschichten mit Katzen erlebt, unvergessliche Momente voll von Magie und Authentizität. Diese dienten sicher auch als Inspiration für das Spinnen der buddhistischen Legende, die schließlich mit Tinte, Papier und Mystik festgehalten wurden.

“Mit Katzen verbrachte Zeit ist nie verschwendete Zeit.“

Sigmund Freud

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