Kannst du dein Gehirn trainieren, glücklich zu sein?

15 März, 2021
Niemand ist immer und jeden Tag glücklich. Aber es gibt noch etwas Wichtigeres: gut zu sich selbst zu sein. Um dies zu erreichen, musst du verschiedene Dimensionen berücksichtigen, mit denen dein Gehirn Selbstwertgefühl und flexibleres Denken trainieren kann.

Kannst du dein Gehirn trainieren, glücklich zu sein? Heutzutage gibt es unzählige “Wundermittel”, um Glück zu erlangen. So kannst du dir selber helfen, indem du einige Strategien anwendest. Aber ist das wirklich so einfach, wie es sich anhört? Gibt es eine Formel, die dir hilft, glücklicher und optimistischer zu werden?

Die kurze Antwort lautet Nein, denn alles, was mit dem psychischen Wohlbefinden und authentischer Fülle zu tun hat, ist weder einfach noch lässt es sich schnell erreichen.

Zuerst einmal musst du verstehen, dass es deinem Gehirn egal ist, ob du glücklich bist oder nicht. Du muss einfach nur überleben. Daher rückt es auch stets deine schlimmsten Ängste und die Prozesse, die dich in deiner Komfortzone halten, ins Rampenlicht.

Aber nur weil dein Gehirn veränderungsresistent ist, bedeutet das nicht, dass es sich nicht verändern kann. Der Mensch hat sich erheblich weiterentwickelt und wir haben gelernt, uns an komplexe Umgebungen anzupassen. Außerdem ist aus der klinischen Praxis bekannt, dass Veränderungen in Richtung Gleichgewicht und Heilung durchaus möglich sind. Allerdings ist hierzu ein authentisches und aktives Engagement erforderlich.

Gehirn trainieren - Frau mit geschlossenen Augen

Kannst du dein Gehirn trainieren, glücklich zu sein?

Wenn du dein Gehirn trainieren möchtest, glücklich zu sein, dann geht es nicht nur darum, deine Ernährung zu verändern. Es genügt auch nicht, ein aktiveres Leben zu führen, Sport zu treiben oder ein- oder zweimal pro Jahr zu verreisen. Diese Veränderungen werden dir dabei helfen, gesund zu bleiben und für eine kurze Zeit zufriedener zu sein.

Aber keine dieser Strategien kann dir dabei helfen, besser mit Stress umgehen zu können. Wenn dein Leben dann wieder schwierig wird, wirst du nicht wissen, wie du diesen Zustand verändern kannst. Infolgedessen fühlst du dich hilflos, besorgt und ängstlich.

Wie der Psychologe Mihály Csikszentmihályi betont, gibt es kein einfaches Rezept für ein glückliches Leben. Es ist ein individueller Prozess, der Kreativität und Originalität erfordert. Dennoch kannst du eine Reihe grundlegender Realitäten als Ausgangspunkt nutzen, um an diesem Ziel zu arbeiten.

Trainiere deine Gedanken in Reflexion, Flexibilität und realistischer Positivität

Die Neurowissenschaften haben der Welt gezeigt, dass Gedanken lediglich das Produkt der Gehirnaktivität sind. Dein Gehirn erzeugt deine Gedanken aufgrund elektrischer Verbindungen. Obwohl dies grundsätzlich richtig ist, solltest du wissen, dass deine Gedanken auch eine gewisse Macht über dein Gehirn haben, weil sie neue Verbindungen erzeugen und seine Form verändern können.

  • Negative, sich wiederholende und obsessive Gedanken können die Koordination des Gehirns verlangsamen. Sie führen dazu, dass dein Gehirn ermüdet und sich die Aktivität im präfrontalen Bereich des Gehirns reduziert. Infolgedessen fällt es dir schwerer, Lösungen für deine Probleme zu finden.
  • Wenn du dein Gehirn trainieren möchtest, glücklich zu sein, dann liegt ein Schlüssel darin, dass du mehr Kontrolle über derartige mentale Prozesse erlangst. Es ist gesund, sorgfältig zu denken.
  • Alles, was du sagst und denkst, ist wichtig. Daher musst du versuchen, negative Gedankenmuster zu identifizieren und diese zu stoppen.
  • Aber es geht nicht darum, dass du einfach alles umdrehst und nur noch oberflächliche und extrem positive Gedanken hast. Es geht einfach darum, dass du mehr reflektierst und flexibler in Bezug auf deine Realität wirst. Du solltest dazu in der Lage sein, zehn mögliche Lösungen für ein Problem zu entwickeln, deine Perspektive zu erweitern und aufhören, fatalistisch zu sein.
Gehirn trainieren - erleuchtetes Gehirn

Dein Gehirn trainieren: Ein tägliches Ziel kann deinem Leben einen Sinn geben

Es macht keinen Sinn, ein Leben ohne ein Ziel zu führen. Wissenschaftlich gesprochen bedeutet dies, ein Leben ohne Dopamin, Serotonin und ohne den roten Faden zu leben, der deine Fantasien mit deinen täglichen Zielen verbindet. Wenn deine Realität für dich keine Bedeutung hat, dann fehlt dir auch der Wert.

Dies erzeugt ein überwältigendes Gefühl der Leere, welches wiederum zu Stimmungsstörungen wie Angststörungen oder Depressionen führen kann. Wie Viktor Frankl einmal sagte, ein Ziel gibt dem Leben einen Sinn. Erinnere dich daran, was für dich wichtig ist und wofür es sich lohnt, weiter voranzukommen.

Wenn du also dein Gehirn trainieren möchtest, glücklich zu sein, musst du deinen Zweck und dein Ziel im Leben verstehen. Außerdem solltest du dir ein tägliches Ziel setzen, etwas, das du erreichen kannst. Dabei kann es sich um so einfache Dinge handeln wie den Vorsatz, eine Pause einzulegen, dich mit jemandem zu treffen, ein Buch zu lesen oder einen Spaziergang zu machen.

Glück bedeutet, gut zu sich selbst zu sein: Die Kraft des Selbstwertgefühls

Niemand kann jeden Tag glücklich sein. Es ist unmöglich, diesen Zustand permanent aufrechtzuerhalten. Aber es gibt etwas Wichtigeres als glücklich sein: gut zu sich selbst zu sein. Heutzutage ist mangelndes Selbstwertgefühl ein großes Problem für viele Menschen.

Aber dies ist ein wesentlicher Teil des Wohlbefindens und ein Wendepunkt für Zufriedenheit im Leben. John Rawls, einer der bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts, pflegte zu sagen, dass eine Gesellschaft nur dann glücklich sein kann, wenn ihre Bürger Selbstachtung haben.

Nach Ansicht von Rawls musst du an dich selber glauben, um frei zu sein und Fortschritt und Wohlbefinden zu verdienen. Laut Rawls ist Hilflosigkeit das Gegenteil von Selbstachtung.

Kannst du nun also dein Gehirn trainieren, glücklich zu sein? Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja. Allerdings ist dies keine einfache Aufgabe. Du musst jeden Tag daran arbeiten, denn es ist ein anspruchsvolles, komplexes und mutiges Vorhaben. Am besten, du beginnst gleich heute damit!

  • Berridge, K. C., & Kringelbach, M. L. (2011). Building a neuroscience of pleasure and well-being. Psychology of Well-Being: Theory, Research and Practice1(1), 3. https://doi.org/10.1186/2211-1522-1-3
  • Kringelbach, M. L., & Berridge, K. C. (2010). The functional neuroanatomy of pleasure and happiness. Discovery Medicine9(49), 579–587.