Problemlösung: Warum wenden wir immer die gleichen Methoden an?

27 März, 2020
Ist dir aufgefallen, dass du immer wieder die gleichen Methoden zur Problemlösung anwendest, selbst wenn die Ergebnisse gar nicht effektiv sind? Warum tun wir das? Und noch viel wichtiger, was können wir dagegen unternehmen? 
 

Probleme gehören aufgrund ihrer Natur zu den Dingen, die uns die größten Sorgen im Leben bereiten. Das Leben ist nicht einfach und zahlreiche Schwierigkeiten, die uns dabei tagtäglich begegnen, stellen uns immer wieder vor große Herausforderungen. Wenn sich diese Hindernisse zu echten Problemen entwickeln, wird die Situation noch weitaus komplizierter. Daher beschäftigen wir uns in unserem heutigen Artikel mit der Frage, welches die besten Methoden zur Problemlösung sind.

Probleme blockieren dich in deiner natürlichen Entwicklung und behindern dein persönliches Wachstum. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sie nicht gelöst werden. Das Leben mancher Menschen wird dann häufig von den Auswirkungen und der Kontrolle, die diese Probleme über ihr Leben haben, bestimmt.

Wenn sich Schwierigkeiten immer wieder zu ernsthaften Problemen entwickeln, ist dies eine Folge davon, dass du wiederholt ungeeignete Methoden zur Problemlösung angewendet hast. Diese gescheiterten Versuche der Problemlösung können dazu führen, dass sich die ganze Situation noch zusätzlich verschlimmert, denn sie werden irgendwann selber zu einem Problem! Je mehr du dich darum bemühst, sie zu lösen, desto häufiger wirst du das gleiche Resultat erzielen. Das führt dazu, dass dieses Problem in deinem Leben immer mehr Raum einnimmt.

Problemlösung: Was kannst du tun?

Ansätze zur Problemlösung bestehen aus einer Reihe von Maßnahmen und Interaktionen, von denen du dir erhoffst, dass du mit ihnen deine anstehenden Schwierigkeiten lösen kannst. Diese Handlungen sind die typischen Mechanismen, auf die eine Person zurückgreift, wenn Hindernisse auftreten.

 

In der Regel nutzen Menschen bei der Problemlösung selten ihre gesamte Kreativität. Die konzeptionellen Rahmenbedingungen, über die wir verfügen, folgen einer rationalen Logik und es gibt viele Situationen, in denen Logik nicht hilfreich ist. Außerdem bewegen sie sich meist in einem sehr begrenzten Repertoire und unterscheiden sich auch qualitativ nur wenig voneinander.

Wir Menschen neigen dazu, mehr Anstrengungen in quantitativer Hinsicht zu unternehmen. Daher wiederholen wir häufig die gleichen Verhaltensweisen immer wieder, selbst wenn diese Handlungen nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen und zum Scheitern führen. Hier sind einige Beispiele dafür:

  • Obwohl ihr Kind nach wie vor Probleme beim Lernen hat, engagieren die Eltern weiterhin einen Privatlehrer. Dadurch erzielen sie im besten Fall nur sehr geringfügige Verbesserungen.
  • Auch der Versuch der Mutter, ihre Tochter immer wieder mit der gleichen Nahrung zum Essen zu bewegen, obwohl diese nicht essen will, ist ein solches Beispiel. Das Verhalten der Mutter führt lediglich dazu, dass sich die Abneigung der Tochter gegen die Nahrung noch verstärkt.
  • Der Chef, der seinen Mitarbeiter immer wieder aufgrund seiner Ineffizienz zurechtweist, erzeugt lediglich größere Anspannung bei dem betroffenen Mitarbeiter. Infolgedessen wird sich die Ineffizienz des Mitarbeiters noch weiter steigern.
 
  • Auch die Eltern, die ihr Kind anschreien und ihm sagen, dass es aufhören solle, zu schreien, sind ein klassisches Beispiel für diese ineffizienten Verhaltensweisen.

Wie du siehst, sind diese Versuche der Problemlösung nichts weiter als sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Obwohl Menschen viel Zeit darauf verwenden und alles versuchen, um eine Situation zu vermeiden, tragen sie letztendlich nur dazu bei, das Problem zu verschlimmern.

besorgter Mann

Problemlösung: Warum wenden wir immer wieder die gleichen Methoden an?

Was sind die Gründe dafür, dass du trotz ihrer Ineffektivität immer wieder die gleichen Methoden zur Problemlösung anwendest? Warum versuchst du, Probleme immer wieder auf die gleiche Art und Weise zu lösen, obwohl du damit nur das Gegenteil von dem erreichst, was du tatsächlich beabsichtigst?

Die Antworten darauf finden sich in deinem Gehirn und in der Art und Weise, wie du Informationen verarbeitest. Dabei basieren die Prozesse und Mechanismen, die du häufig anwendest, auf Folgendem:

 
  • Die Suche nach Ursachen. Dein Denken basiert auf einer linearen Logik und dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Daher versuchst du jedes Mal, wenn du ein Ergebnis siehst, die Gründe dafür zu erklären, die zu diesem Ergebnis geführt haben.
  • Das Prinzip der Erklärung. Dies beschreibt die Tendenz, unsere Handlungen auf einfache und unidirektionale Weise zu erklären.
  • Die analytische Methode. Außerdem zerlegen wir Dinge in einzelne Teile, analysieren jedes einzelne und fügen anschließend alles wieder zusammen. Dadurch versuchen wir, das Ganze zu verstehen.
  • Binäres Denken. Dieses bewegt sich linear zwischen zwei Polen hin und her (schwarz/weiß, hoch/tief, geschlossen/offen).
  • Mathematische Logik. Außerdem wendest du häufig eine deduktive Logik an, um emotionale Probleme zu lösen.
  • Objektive Realität. Hierbei geht es darum, dass wir um jeden Preis die Suche und den Glauben an eine absolute Realität aufrechterhalten wollen. Dabei kann diese Realität nicht tatsächlich gesehen, aber objektiv beobachtet werden.

Weitere Aspekte:

  • Die Suche nach der absoluten Wahrheit. Es geht um das Verständnis, dass es nur eine Wahrheit gibt und dass sie enthüllt werden muss, wenn du das Problem löst.
  • Erkenntnis. Die Überzeugung, dass der Schlüssel zur Problemlösung darin liegt, dass du die externe Realität, diese absolute Wahrheit, erkennst, erklärst und sie verstehst.
 
  • Kognitive Trägheit. Hierbei geht es um die Tendenz, repetitive Gedankenmuster anzuwenden und kognitive Dominoeffekt-Prozesse zu stereotypisieren.

Diese Komponenten bieten eine Möglichkeit, Probleme anzugehen, sie zu analysieren und bestimmte Formeln anzuwenden, um sie zu lösen.

Anwendung bereits bekannter Lösungswege

Grundsätzlich wirst du auf bekannte Lösungswege zurückgreifen und sie immer wieder wiederholen. Dabei wirst du fortlaufend sich wiederholende Schemata anwenden. Diese Starrheit mentaler Schemata formt die kognitiven Modelle des Menschen. Wenn es dir nicht gelingt, kreativ zu werden und über deine mentalen Begrenzungen hinauszugehen, wirst du ein „Gefangener“ dieser Modelle sein.

Wenn du eine Situation analysierst, um eine mögliche Lösung zu finden, ist die linke, rationale und logische Hemisphäre die dominante Hirnhälfte. Andererseits ist die rechte Hemisphäre diejenige, die kreativer und emotionaler ist und dein Gehirn wird sie genau zu dem Zeitpunkt automatisch außer Kraft setzen, wenn du sie am dringendsten benötigst.

Über die vorgegebenen Grenzen hinaus denken

Diese Problematik kannst du sehr deutlich bei logischen Aufgabenstellungen wie beispielsweise dem Neun-Punkte-Problem erkennen. Es handelt sich um ein einfaches Problem. Dennoch ist es ein perfektes Beispiel für fehlgeschlagene Versuche einer Problemlösung.

Du zeichnest neun Punkte auf, wie dies in der Abbildung gezeigt wird. Nun musst du die Punkte verbinden, ohne dabei den Stift abzusetzen. Außerdem darfst du nur vier gerade Linien zeichnen.

 
Problemlösung - Neun-Punkte-Problem

Das Neun-Punkte-Problem

Wenn du die Figur betrachtest und dir das Muster und die neun Punkte ansiehst, ist es unmöglich, das Quadrat nicht zu erkennen. Dies ist auf das Gestaltgesetz der Nähe zurückzuführen, welches besagt, dass aufeinanderfolgende Punkt eine gerade Linie bilden.

Daher bist du in gewisser Weise innerhalb dieses Rasters gefangen. Alle Versuche, dieses Rätsel zu lösen, beschränken sich nur auf den Umfang des Quadrats und nicht auf die anderen Punkte.

Allerdings musst du zur Lösung dieses Problems über die Illusion des wahrgenommenen Quadrates hinausgehen, denn genau das ist es: eine Illusion. Die Linien, die du zeichnen musst, um zur Problemlösung zu gelangen, müssen über die Grenzen des imaginären Quadrates hinausreichen.

Problemlösung - Lösung des Neun-Punkte-Problems
 

Das Quadrat, das du siehst, ist nicht nur ein Quadrat. Darüber hinaus ist es auch eine Metapher für deine eigene „quadratische“ Sichtweise; die starren Ideen, die es dir nicht erlauben, von deinen normalen Methoden der Informationsverarbeitung abzuweichen.

Problemlösung erfordert Kreativität

Wenn du über dein „mentales Quadrat“ hinausgehen willst, benötigst du Kreativität. Dabei ist die Theorie der zwei Hemisphären sehr hilfreich. Das Quadrat repräsentiert deine linke Hemisphäre, den rationalen mathematischen Teil deines Gehirns. Die rechte Hemisphäre ist emotionaler. Sie wird in unserem Beispiel durch die Linien repräsentiert, die über den Umfang des Quadrates hinausgehen. Und genau diese Seite ist es auch, die dir dabei helfen wird, kreative Lösungswege zu entwickeln.

Dein Gehirn systematisiert nicht nur die Inhalte, sondern auch die Prozesse oder die Wege der Informationsverarbeitung. Allerdings ist dein Gehirn so voller rationaler Logik, dass es fortlaufend bestimmte Formel auf deine Probleme anwendet und dabei nicht berücksichtigt, dass die meisten menschlichen Probleme von Emotionen bestimmt werden.

Es stimmt, dass Menschen „Gewohnheitstiere“ sind. Wir alle wenden die gleichen Formeln immer wieder an, obwohl wir dadurch stets das Gegenteil von dem erzielen, was wir eigentlich anstreben. Außerdem neigen wir dazu, die Ergebnisse in Frage zu stellen und nicht die Prinzipien und Methoden, die uns zu diesen Resultaten geführt haben.

 

Experten haben die Gründe dafür untersucht, warum wir Menschen immer wieder versuchen, Probleme auf die gleiche Art und Weise zu lösen und unsere mentalen Operationen zu systematisieren. Dabei haben sie herausgefunden, dass uns diese Vorgehensweise eine vorübergehende Erleichterung verschafft.

Dein Umfeld beeinflusst dich

Wir wollen dies an einem Beispiel verdeutlichen. Eine Frau fühlt sich traurig und bedrückt und versucht die Gründe für ihre Stimmung zu verstehen. Anschließend schaut sie aus dem Fenster und sieht, dass der Tag grau und regnerisch ist und attribuiert dies direkt als Ursache ihrer niedergedrückten Stimmungslage. Ganz offensichtlich hilft diese Zuschreibung der Frau nicht dabei, ihren emotionalen Zustand zu verbessern. Dennoch verschafft es ihr eine vorübergehende mentale Beruhigung, wenn sie den regnerischen Tag für ihre Traurigkeit „verantwortlich macht“.

Frau mit geschlossenen Augen

Viele Methoden sind zum Scheitern verurteilt

Versuche der Problemlösung beziehen sich nicht immer auf persönliche Initiativen. Wenn es einem Menschen nach Jahren der Systematisierung derselben Prozesse nicht gelingt, seine Probleme zu lösen, wird er immer verletzlicher und abhängiger von seinem direkten Umfeld. Er wird dann zunehmend von diesen Menschen abhängig, um Antworten zu finden, die ihm dabei helfen könnten, sich zu verbessern und bessere Lösungen zu finden.

 

Unter all den fehlgeschlagenen Versuchen gibt es auch persönliche Anstrengungen, die die Person immer wieder unternimmt, um endlich eine Lösung zu finden. Zu diesen Versuchen können auch persönliche „Mantras“ gehören wie beispielsweise „Es wird mir nicht mehr passieren, es wird mir nicht mehr passieren“ oder „Bitte, lasse es gut gehen; bitte, lasse es gut gehen“ oder ähnliche.

Neben diesen persönlichen Anstrengungen gibt es auch viele Menschen, die sich professionelle Unterstützung bei Experten suchen, von denen sie sich Hilfe bei der Problemlösung erhoffen.

Und schließlich versuchen auch die Menschen, die dir am nächsten stehen (deine Familie, Freunde, Nachbarn usw.), dir bei der Lösung deiner Probleme zu helfen. Sie geben dir häufig „gute“ Ratschläge, die sich meistens als wenig hilfreich erweisen. Außerdem werden sie versuchen, dich zu motivieren und dazu zu ermutigen, nicht aufzugeben. Allerdings sind die Lösungen, die sie vorschlagen, meist völlig ineffektiv. Oder aber sie lassen sich nur von den Dingen leiten, die sie sehen und die dir widerfahren, ohne dabei jedoch über die bekannten und vorgegebenen Grenzen hinaus zu denken.

Problemlösung: Du kannst das!

Außerdem werden viele versuchen, dich aufzumuntern und dir Dinge sagen wie „Du kannst das!“. Allerdings findest du auf diese Weise auch keine Lösung für dein Problem. Darüber hinaus führt dies dazu, dass du dich gefangen fühlst von deinem eigenen Verstand, der dir sagt, dass die Dinge gut laufen sollten. Darüber hinaus sagt dir dein Umfeld: „Du kannst das!“. Eine derartige Situation wird dir nur noch zusätzlichen Stress und Ängste verursachen und das wird dir ebenfalls nicht bei der Problemlösung behilflich sein.

 

Wenn du das weiterhin tust, wirst du nur wenig auf dem Weg zu einer Lösung erreichen können. Wir wollen dies am Beispiel eines Fußballspielers erklären. Stelle dir vor, du bist inmitten eines Fußballspiels. Du hast das Gefühl, dass du dieses Spiel verlieren wirst. Alle Spieler rennen nur umher und versuchen verzweifelt, den Ball zu bekommen. Allerdings ist diese Vorgehensweise völlig negativ und nicht zielführend. Was kannst du nun tun?

Wir empfehlen dir Folgendes: Nimm den Ball mit deinem Fuß, behalte ihn dort, kontrolliere ihn. Halte einen Moment inne und hebe deinen Kopf, um zu sehen, in welche Richtung du dich bewegen möchtest. Vielleicht entscheidest du dich dazu, einen Pass zu einem Mitspieler zu spielen, der eine bessere Position hat als du. Oder aber du entscheidest dich dazu, selber zu schießen. Jede Option ist gut, so lange du dich nicht für eine ineffektive Option entscheidest.