5 Gestalttechniken für dein persönliches Wachstum

· 3. Februar 2018

Gestalttechniken helfen uns dabei, uns auf unsere Gegenwart zu konzentrieren, um unsere Selbstverwirklichung und eine angemessene Entscheidungsfindung zu begünstigen sowie um uns zu ermöglichen, auf persönlicher Ebene freier und mehr gemäß unseren Bedürfnissen zu wachsen. Jeder von uns hat das Recht darauf, sich die Art von Realität zu erschaffen, die er sich wünscht, und dieser Ansatz – mit eindeutigen humanistischen Einflüssen – lädt uns eben dazu ein.

Fritz Perls, Mitbegründer der Gestalttechnik, pflegte zu sagen, dass unsere größte Angst als menschliche Wesen die Kluft sei, die wir selbst zwischen dem Jetzt und dem Später schlagen. Manchmal funktioniert unser Verstand schneller als das Leben, wir nehmen Dinge vorweg und versteifen uns auf Ereignisse, die noch nicht eingetroffen sind. Und fast ohne dass wir es bemerken, laden wir uns Ängste, Ängstlichkeit und viele weitere Unsicherheiten auf, die zu einem Berg voller Leid werden.

„Dränge einen Fluss nicht, er fließt von ganz allein.“

Fritz Perls

Eines der Ziele der Gestalttechniken ist es daher, uns selbst zu ermöglichen, unsere Probleme auf eine globalere, vereinheitlichendere Weise, Stück für Stück, aber als ein Ganzes zu verstehen. Wir konzentrieren uns somit darauf, zu verstehen, wie uns die Gesamtheit der Umstände betrifft. Hierbei geht es also nicht so sehr darum, unbedingt erfahren zu müssen, warum etwas passiert ist oder was dieses Ereignis konkret ausgelöst hat.

All das motiviert uns dazu, zu verstehen, dass die Vorstellung, die wir von der Vergangenheit oder der Zukunft haben, daher rührt, wie wir die Gegenwart erleben. Mit Gestalttechniken verfolgen wir das Ziel, unser persönliches Wachstum zu begünstigen und darüber hinaus zu lernen, bewusst wahrzunehmen, was wir sind, was wir fühlen und brauchen, um dann verantwortungsvoll zu handeln.

Menschen bilden einen Kreis

Gestalttechniken, die das persönliche Wachstum begünstigen

Die Techniken der Gestaltpsychotherapie drehen sich hauptsächlich um das, was Fritz Perls seinerzeit  „Regeln und Spiele“ nannte. Was war damit gemeint? Dass viele dieser dynamischen, sehr originellen und grundlegend verschiedenen Strategien darauf abzielen, dass wir unsere Welt bewusster wahrnehmen, um Widerstände zu beseitigen und gleichzeitig unseren Reifeprozess zu vereinfachen.

Sehen wir uns einige Beispiele der besagten Techniken an.

1. Offene Angelegenheiten

Mit offenen Angelegenheiten sind all jene Ereignisse aus der Vergangenheit gemeint, die unsere Gegenwart beeinträchtigen. Das sind nicht verarbeitete oder blockierte Gefühle, jene „Knoten“, die uns Vitalität im Hier und Jetzt nehmen. Laut der Gestalttheorie haben wir alle offene Angelegenheiten mit Freunden, Familienmitgliedern, Ex-Partnern und sogar Menschen, die nicht mehr an unserer Seite sind.

  • Anstatt ihnen auszuweichen, sollten wir dazu in der Lage sein, diese Gefühle hervorzuholen, um nicht länger zu leiden, einen Verlust zu bedauern oder sogar Groll zu hegen.
  • Dafür können wir eine Simulation, einen mentalen Prozess der Wiederbegegnung, etwas erneut die Stirn bieten und sich noch einmal verabschieden, durchführen.
  • Wir können uns die Person erneut ins Gedächtnis rufen und ihr sagen, was wir ihr mitzuteilen haben. Wir legen den Schmerz offen, geben unserem Trübsal, unseren Verlusten oder sogar Groll einen Raum.

2. Dialogtechnik: der leere Stuhl

Vielen kennen diese bekannte Technik bestimmt, die hilfreich ist und das Wesen der Gestalttherapie sehr gut verdeutlicht. Manchmal wird sie benutzt, um Begegnungen und imaginäre Projektionen von anderen Menschen zu begünstigen und sie zielt darauf ab, Trauerprozesse positiv zu beeinflussen oder Traumata zu verarbeiten.

Im Bereich des persönlichen Wachstums wird sie aber auch zu einem anderen Zweck verwendet: um einen inneren Dialog zu generieren, in dem „unsere Gegensätze“ inszeniert werden. Zum Beispiel können wir einen Dialog mit uns selbst führen, bei dem auf der einen Seite dieser Auslöser erscheint, der bei uns Unbehagen auslöst, und auf der anderen Seite dieser Teil, dem man sich stellen will, um ein produktiveres, freieres und aufnahmefähigeres Leben zu haben. Folgende Aussagen könnten in so einem Dialog getroffen werden:

  • „Ich fühle mich jeden Tag müder und abgeschlagener.“
  • „Du nimmst mir schon wieder die Kraft, nimmst in meinem Leben zu viel Platz ein. Sage mir, was mit dir geschieht.“
  • „Ich mag mich selbst nicht. Ich denke, dass mir das Leben, das ich führe, nicht gefällt.“
  • „Anstatt mich die ganze Zeit zu beschweren, sage mir also, was du tun würdest, um dich besser zu fühlen.“
Der leere Stuhl

3. Verantwortung übernehmen

Eine andere Gestalttechnik, die uns im Alltag nützlich sein kann, ist das Spiel „die Verantwortung übernehmen“. Sie scheint einfach zu sein, aber vor allem erfordert sie Engagement. Das Ziel dabei ist es, uns bewusst zu machen, was in unserm Inneren geschieht; dass wir es wahrnehmen, akzeptieren und gleichzeitig ein aktiveres Verhalten fördern, was die Veränderung anbelangt.

Ein kleines Beispiel dafür wäre das Folgende:

  • „Ich nehme wahr, dass mir der Kopf und der Magen wehtun. Ich weiß, dass ich die Dinge nicht loslasse und unter Stress leide. Ich übernehme die Verantwortung dafür und ich sehe ein, dass ich etwas ändern sollte.“
  • „Ich bin mir darüber bewusst, dass ich eine gute Stimme habe. Ich übernehme die Verantwortung dafür, ehrlich zu sein, ohne Angst zu sprechen, andere und mich zu respektieren.“

4. Das Kontinuum des Bewusstseins praktizieren

In der Gestaltpsychologie ist es wichtig, dass der Therapeut mit dem Wie der Erfahrung der Person und nicht mit dem Warum in Kontakt kommt. Er muss verstehen, wie der Patient mit Problemen umgeht, wie er sie erlebt, wie er sie fühlt und verinnerlicht. Dafür muss ein Raum geschaffen werden, in dem es möglich ist, seine derzeitigen Emotionen und Empfindungen ausfindig zu machen. Das gelingt mit Hilfe von Fragen und Aufforderungen: „Was fühlen Sie?“, „Wo fühlen Sie es?“, „Erklären Sie mir, was Sie im Hier und Jetzt spüren“, usw.

Auch können wir auf einer persönlichen Ebene diese Technik anwenden,mit der das vollkommene Bewusstseins trainiert wird, wodurch jede Empfindung, jeder Gedanke und jedes Gefühl präsent wird. Anstatt sie zu übergehen oder zu verinnerlichen, holen wir sie hervor und nehmen sie bewusst wahr.

„Wenn wir das Gefühl haben, dass wir von etwas überzeugt sind, dann sollten wir das sagen. Wir müssen unser wahres Ich zeigen. Wir müssen fühlen, was wir sagen.“

Fritz Perls

Entspannte Frau mit geschlossenen Augen

5. Aus Fragen Aussagen machen

Dies ist eine weitere Gestalttechnik, die uns sehr leicht vorkommen mag, die aber therapeutisch äußerst wertvoll ist: Sie hilft uns dabei, empfundene Realitäten zu erklären und Werkzeuge zu mobilisieren. Wie geht das? Ganz einfach. Wir alle haben schon einmal einen dieser Tage erlebt, an denen wir nach Hause kommen und uns selbst fragen: „Aber warum fühle ich mich nur so? Wieso fühle ich mich so hoffnungs- und kraftlos?“

Die Gestaltpsychologie schlägt uns Folgendes vor: aus Fragen Aussagen machen. Schauen wir uns hierfür einige Beispiele an:

  • „Wieso fühle ich mich heute so schlecht?“ ⇔ „Heute fühle ich mich schlecht. Ich werde es möglich machen, dieses Gefühl zu ändern, damit morgen ein besserer Tag wird.“
  • „Warum habe ich das Gefühl, dass sich mein Partner jeden Tag mehr von mir distanziert?“ ⇔ „Mein Partner distanziert sich von mir. Ich werde ihn fragen, ob es ein Problem gibt.“

Zusammengefasst können wir sagen, dass die Gestalttechniken, wie wir gesehen haben, so originell wie funktional sind, wenn wir es uns ermöglichen wollen, in Kontakt mit unseren Bedürfnissen zu treten. Darüber hinaus laden sie uns dazu ein, die Verantwortung für uns zu übernehmen, unseren Gefühlen gegenüber offen zu sein und folglich zu handeln, um unsere Entwicklung, unsere persönliche Reife zu fördern.

Wir sollten diese Strategien in die Tat umsetzen, da sie zweifellos von Vorteil für uns sind.