Kann ein Virus unser Verhalten kontrollieren?

06 Juni, 2020
Wissenschaftler untersuchen komplexe Themen dieser Art und haben tatsächlich herausgefunden, dass Viren unser Verhalten zu ihren Gunsten verändern können.
 

Kann ein Virus tatsächlich unser Verhalten kontrollieren? Viele haben sich das sicher schon gefragt und die Antwort darauf ist sehr interessant. Wir sprechen weder von Science Fiction noch von einem Horrorfilm. Wissenschaftler untersuchen komplexe Themen dieser Art und haben tatsächlich herausgefunden, dass Viren unser Verhalten zu ihren Gunsten verändern können.

Sie machen dies allerdings nicht auf direkte Weise. Sie bezwingen weder unseren Willen, noch beeinflussen sie unsere Entscheidungen. Sie verwenden für ihre Zwecke weitaus rätselhaftere und diskretere Strategien, leise doch immer in ihrem eigenen Interesse. Denn Viren bezwecken vor allem ein einziges Ziel, und zwar so lange wie möglich zu überleben. Die Replikation und das Nutzen der Vorteile komplexer Ökosysteme sind Wege, um dies zu erreichen.

So können ihr Ziel erreichen, indem sie das Verhalten ihres Wirts zu ihren Gunsten beeinflussen und gleichzeitig Viruspartikel verbreiten. Ein Großteil der Symptome, die wir zum Beispiel bei einer Grippe, einem Durchfall oder einer gewöhnlichen Erkältung erleiden, bezweckt, damit gesunde Menschen anzustecken, um so die Infektion auszubreiten.

Niesen ist zum Beispiel ein natürlicher Mechanismus, um Krankheitserreger aus unserem Organismus auszustoßen. Doch gleichzeitig verbreitet sich damit das Virus und hat die Möglichkeit, andere Wirte zu erreichen. Es handelt sich also um eine perfekte Überlebensstrategie, die ausgezeichnet funktioniert, wie wir immer wieder feststellen können.

 

Doch es gibt noch viel faszinierendere (und beunruhigende) Details zu diesem Thema. Lies weiter, du wirst staunen!

Kann ein Virus unser Verhalten kontrollieren?

Wie kann ein Virus unser Verhalten kontrollieren?

Das Wort „Virus“ macht uns Angst, insbesondere in diesen schwierigen Zeiten des Coronavirus oder COVID-19. Die schlimmsten Feinde sind nämlich jene, die wir nicht mit freiem Auge sehen können; jene, die nur unter einem Mikroskop sichtbar werden und die Macht haben, unserer Gesundheit zu schaden.

Doch wie verhalten sich Viren? Es handelt sich nur um kleine „Pakete“ mit genetischer Information, Behälter, die von einer Proteinschicht geschützt werden.

Ihr einziges Lebensziel ist es, sich in eine Zelle oder einen anderen Organismus einzuschleichen, um darin zu überleben und sich zu vervielfältigen. Sie infizieren nicht nur uns Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen, Pilze und sogar Bakterien.

Wir kommen jetzt wieder zurück zu unserer anfänglichen Frage: Um zu verstehen, wie Viren unser Verhalten beeinflussen können, müssen wir wissen, dass sie viel intelligenter sind, als wir uns meist denken.

Zwar haben sie kein Gehirn, doch Virologen definieren sie als hoch intelligent. Sie wissen, wie sie in eine Zelle eindringen können und sind fähig, ihre Verteidigungsmechanismen zu umgehen und sie so zu verändern, dass sie Virenpartikel vermehren können. Außerdem verändern sie das Verhalten ihres Wirts zu ihrem VorteilErfahre jetzt, wie sie das machen.

 
Kann ein Virus unser Verhalten kontrollieren?

Symptome von Krankheiten: Damit verbreiten sich Viren!

In einer aktuellen Studie wird unsere heutige Frage beantwortet. Es handelt sich um eine Forschung der Universität von Linköping in Schweden, die in der Zeitschrift PLoS Pathogens veröffentlicht und von den Ärztinnen Claudia Hagbon und Maria Istrate durchgeführt wurde.

Die Studie hatte zum Ziel, über eine Infektionskrankheit zu forschen, die jedes Jahr 600.000 Kindern das Leben nimmt. Das ist eine sehr hohe Zahl, die auf einen Rotavirus zurückzuführen ist. Die wichtigsten Symptome sind Erbrechen und Durchfall. Man ist immer davon ausgegangen, dass das Erbrechen ein Verteidigungsmechanismus des Körpers ist, um gefährliche Lebensmittel oder Gegenstände auszuscheiden, zum Beispiel toxische Stoffe oder Lebensmittel in schlechtem Zustand.

Wissenschaftler gingen davon aus, dass in diesem Fall der Botenstoff Serotonin das Nervensystem aktiviert, um das Gehirn zu diesem Verhalten zu bringen und sich durch Erbrechen von schädlichen Stoffen zu befreien. Doch das schwedische Forscherteam kam zu folgenden Resultaten: Der Rotavirus kontrolliert den Mechanismus, der Brechreiz und Durchfall auslöst, und zwar verfolgt er damit ein ganz konkretes Ziel: Virenpartikel zu verbreiten, um damit andere Menschen anzustecken. 

 
Kann ein Virus unser Verhalten kontrollieren?

Die Wissenschaft der Verhaltensvirologie

Die Antwort auf unsere heutige Frage ist ein eindeutiges Ja. Viren haben verschiedene Mechanismen, um unser Verhalten zu beeinflussen. Wie wir bereits gesehen haben, verwenden Viren verschiedene Strategien und nutzen zum Beispiel unsere Symptome, um andere Menschen zu infizieren und so neue Wirte zu finden. Ihr Ziel ist es, zu überleben und sich zu vermehren. Sie übernehmen die Kontrolle über unser Verhalten, zum Beispiel wenn wir Niesen, Erbrechen oder Durchfall haben.

Die Wissenschaft der Verhaltensvirologie geht jedoch noch viel weiter. Die am Karolinska Instituts in Stockholm durchgeführte Studie und andere Untersuchungen, haben gezeigt, dass Viren unser Verhalten noch viel mehr kontrollieren können. Sie können Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Hyperaktivität oder radikale Verhaltensveränderungen zur Folge haben.

Ein Beispiel dafür ist die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (Rinderwahnsinn). Die davon betroffenen Patienten leiden an progressiver Demenz, Schwierigkeiten beim Gehen, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit usw.

Der Borna-Virus wurde zum ersten Mal 1766 bei Pferden beschrieben. Doch auch Menschen sind daran erkrankt und haben ähnliche Symptome wie bei Schizophrenie aufgewiesen. Tollwut ist ebenfalls ein Beispiel dafür, wie ein Virus das Verhalten eines Tieres verändern kann.

 

Die Wissenschaft schützt uns zum Glück vor den Auswirkungen vieler Viren. Für andere jedoch haben wir noch keine Impfungen oder andere Schutzmechanismen. Doch eine sehr effiziente und einfache Vorsorgemaßnahme ist, uns die Hände häufig und gründlich zu waschen und für gute Hygiene zu sorgen.

  • Hagbom, M., Istrate, C., Engblom, D., Karlsson, T., Rodriguez-Diaz, J., Buesa, J., Taylor, J., Loitto, V., Magnusson, K., Ahlman, H., Lundgren, O., & Svensson, L. (2011). Rotavirus Stimulates Release of Serotonin (5-HT) from Human Enterochromaffin Cells and Activates Brain Structures Involved in Nausea and Vomiting PLoS Pathogens, 7 (7) DOI: 10.1371/journal.ppat.1002115