Josef Breuer: Der Urvater der Psychoanalyse

28. November 2019
Josef Breuer war ein akribischer Forscher, der wichtige Beiträge zur Medizin und Physiologie leistete. Er war auch Sigmund Freuds Lehrer und Freund. Breuer ebnete den Weg für die spätere Freudsche Psychoanalyse.

Josef Breuer war ein angesehener Arzt und Physiologe, der eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Psychoanalyse spielte. Er war eng mit Sigmund Freud befreundet, der ihn als Vaterfigur sah. Die beiden Männer bewunderten und respektierten sich sehr, und die Freundschaft war für beide wichtig.

Gemeinsam haben sie die erste Ausgabe von Studies on Hysteria (zu Deutsch: Studien über die Hysterie) herausgegeben, die grundlegende Arbeit der Psychoanalyse. Er war auch der erste, der Anna O. behandelte, die berühmt wurde, weil sie Freuds Versuchskaninchen für die psychoanalytische Methode war. Breuer traf sie zuerst und schickte sie dann zu Freuds Praxis.

Der brillante österreichische Arzt entdeckte auch den Zusammenhang zwischen Atmung und Körpertemperatur sowie Innenohr und Gleichgewicht. Historiker betrachten ihn auch als Schöpfer der kathartischen Methode, als Vorläufer der freien Assoziationsmethode der Psychanalyse. In diesem Artikel sprechen wir kurz über sein Leben und gehen auf die Bedeutung seiner Arbeit ein.

Das frühe Leben von Josef Breuer

Joseph Breuer wurde am 15. Januar 1842 in Wien geboren. Sein Vater war eine wichtige Figur in der dortigen jüdischen Gemeinde. Obwohl Breuer nie sehr religiös war, distanzierte er sich auch nicht bewusst vom Judentum.

Breuers Mutter starb, als er gerade vier Jahre alt war. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er von seinem Vater und seiner Großmutter mütterlicherseits erzogen. Im Alter von 19 Jahren begann er 1859 ein Medizinstudium an der Universität Wien. Dort studierte er bei einigen der größten Wissenschaftler der Zeit, wie Karl Rokitansky und Josef Skoda.

Ein Porträt von Sigmund Freud.

Er stand auch unter der Leitung von Johann Ritter von Oppolzer, einem berühmten Wiener Internisten. Von Oppolzer übernahm Breuer als Assistenten im Allgemeinen Krankenhaus Wien. Später begann er in einem Labor des Physiologen Ewald Hering zu arbeiten, der sich mit Wahrnehmungsforschung befasste.

Im Labor entdeckte er die Rolle, die der Nervus Vagus bei der Regulierung der Körpertemperatur durch Atmung spielt. Diese Entdeckung machte ihn in der medizinischen Gemeinschaft berühmt. Er fuhr auch fort, die Verbindung zwischen dem Innenohr und dem Gleichgewicht herauszufinden.

Treffen mit Sigmund Freud

1871 beschloss Josef Breuer, eine eigene Arztpraxis zu eröffnen. Er behandelte renommierte Patienten wie Franz Brentano und Johannes Brahms. Er wechselte zwischen Lehre und Forschung am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der Universität Wien, wo er sich 1877 mit einem seiner Studenten anfreundete. Dieser Student hieß Sigmund Freud.

Josef Breuer fühlte sich seit den späten 1870er Jahren von der Psychologie angezogen. Er interessierte sich sehr für Hypnose, die zu dieser Zeit sehr beliebt war. Einige Leute glauben, dass sein Interesse an geistiger Gesundheit geweckt wurde, weil die meisten seiner Patienten wohlhabende Frauen mit Symptomen von Hysterie waren.

Mit Freud teilte er viele der gleichen Interessen und mit der Zeit wurden sie enge Freunde. Breuer lieh Freud einen erheblichen Geldbetrag, damit der zukünftige Vater der Psychoanalyse seine Privatpraxis aufbauen konnte. Er riet ihm auch, ein Medizinstudium zu beginnen. Ihre Neugier und ihr Interesse führten die beiden Freunde auf den Weg, sich ungewollt auf psychische Störungen zu spezialisieren.

Anna O. und die Hysterie

Josef Breuer war der erste, der mit einer Patientin namens Anna O. zusammenarbeitete, die später für ihre Arbeit mit Sigmund Freud Geschichte schreiben sollte. Breuer behandelte sie mit Hypnose und sie machten gute Fortschritte. Anna O. mochte den Arzt jedoch nicht besonders und fühlte sich dadurch unwohl. Ihre berufliche Beziehung endete, als eine wahnsinnige Anna O. behauptete, sie würde Dr. Breuers Kind zur Welt bringen.

Breuer beschloss, seine Patientin an Freud zu verweisen, was sich letztendlich auf die theoretische Entwicklung und Praxis der Psychoanalyse auswirkte. Es war auch das Ereignis, das letztendlich die Freundschaft zwischen diesen beiden berühmten Österreichern zerstören würde. Als er mit Anna O. fertig war, war Freud bereit, eine definitive Theorie über Hysterie zu veröffentlichen. Breuer stimmte jedoch nicht mit Freuds Theorie überein.

Die berühmte Patientin Anna O.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich ihre Beziehung verschlechtert hatte, war, dass Breuer Freud aufforderte, das Geld zurückzuzahlen, das er ihm schuldete. Zusätzlich zu den theoretischen Meinungsverschiedenheiten, die sie bereits hatten, zerstörte dies im Wesentlichen das, was von ihrer Freundschaft übrig blieb. Erwähnenswert ist jedoch, dass Breuer nie aufhörte, die Karriere seines brillanten Schülers zu verfolgen.

Als Breuer 1925 starb, drückte Freud Breuers Sohn sein Beileid aus. Sein Sohn antwortete, dass sein Vater nie das Interesse an Freuds Arbeit und den Fortschritten in der Psychoanalyse verloren habe. Freud antwortete: „Was Sie über die Beziehung Ihres Vaters zu meiner späteren Arbeit gesagt haben, ist für mich neu und heilt eine schmerzhafte Wunde, die nie heilte.“

So endete eine der fruchtbarsten Beziehungen dieser Zeit bittersüß. Ihre gegenseitige Bewunderung hörte nie auf, aber ihre Unterschiede waren stärker als ihre Freundschaft. Heute sind beide Männer bekannt, obwohl Freuds Name Laien noch ein wenig mehr bekannt ist. Dennoch ist es wichtig, sich an die wesentlichen Beiträge zu erinnern, die Josef Breuer auf dem Gebiet der Psychoanalyse leistete.

  • Bedó, T., & Rocco, I. M. (1976). A propósito de la contribución de Josef Breuer a los Estudios sobre la histeria. México: Siglo Veintiuno Editores.