Die 8 besten Bücher über Psychoanalyse

29. Dezember 2018

Die Psychoanalyse ist ein faszinierendes Feld: Ihre Theorien und Hypothesen sind einfach fesselnd. Trotz dieser Tatsache können anfangs einige Bücher zum Thema etwas kompliziert erscheinen, wenn man sich zum ersten Mal mit Psychoanalyse auseinandersetzt. Die meisten bedeutenden Bücher über Psychoanalyse müssen deshalb sehr sorgfältig gelesen werden. Wahrscheinlich wird es ein wenig dauern, bis wir ihren Inhalt verdaut haben. Anders ausgedrückt: Diese Bücher sind nicht die klassische Strandlektüre.

Denn wahrscheinlich werden wir einige Absätze mehrmals lesen müssen, um ihren Inhalt zu verstehen. Andere Male überspringen wir vielleicht eine Passage in der Hoffnung, dass sich ihr Inhalt uns später erschließe. Aber sicherlich werden wir irgendwann einen Aha-Moment haben.

Tatsächlich gibt es einige Bücher über Psychoanalyse, die es sich wirklich lohnt zu lesen. Unabhängig von der Anzahl der Inhaltsangaben oder Zusammenfassungen, die wir online finden können, haben Originalversion noch immer etwas Besonderes. Deshalb stellen wir hier eine Liste der 8 besten Bücher über Psychoanalyse vor, die einen großen Einfluss auf das Feld hatten.

Bücher über Psychoanalyse: Die Anfänge

Studien über Hysterie  (1895)

Dieser schmale Band wurde von Josef Breuer und Sigmund Freud verfasst. In dieser Aufsatzsammlung wird eine neue innovative Therapieform zur Behandlung der Hysterie vorgestellt. Die fünf jungen Frauen, die hier als Fallbeispiele vorgestellt werden, wurden mit Hypnose behandelt, um ihre verdrängten und vergessenen traumatischen Erinnerungen zurückzubringen.

Einer der beschriebenen Fallgeschichten war der berühmte Fall der Anna O. Sie war Breuers Patientin und die erste, die er mit der „kathartischen Methode“ behandelte. Dieser Schritt wurde zur Grundlage für die freie Assoziation, einer psychoanalytischen Technik, die von Freud erfunden wurde. Der Fall Anna O. ist somit einer der wichtigsten Fälle in der Geschichte der Psychoanalyse.

Das Buch diskutiert auch die Ursachen der Hysterie. Breuer dachte, dass die Ursachen neurophysiologischer Natur seien. Freud jedoch glaubte, dass die Hysterie psychologische Ursachen habe. Die Rezeption des Buchs war durchwachsen: Europäische Ärzte konnten dem Titel nicht viel abgewinnen, weil er gegen Konventionen verstieß.

Eine Zeichnung, die Sigmund Freud zeigt

Die Traumdeutung  (1900)

Die Traumdeutung  ist eines der bekanntesten Bücher von Sigmund Freud. Hier spricht er zuerst über seine Theorie der Traumanalyse. Freud betrachtete sie als die „halluzinatorische Erfüllung von Wünschen“. Deshalb sagte er auch, dass das Interpretieren von Träumen „die Via regia zur Kenntnis des Unbewussten im Seelenleben“  sei.

In diesem Buch erfahren wir mehr über die Methode der Traumanalyse. Dabei nutzt Freud die freie Assoziation, um die Symbolik des Traums zu entschlüsseln. Freud erklärt hier auch die menschliche Psyche, die zu seinem Hauptthema werden sollte.

Das Merkwürdige an diesem Buch ist, dass es in den ersten Jahren nach seiner Veröffentlichung nicht sehr erfolgreich war. Erst in einer neuen, erweiterten Ausgabe fand das Buch mehr und mehr Leser und Leserinnen. Diese erweiterte Version löste jedoch auch Kontroversen aus und wurde von anderen Psychoanalytikern kritisiert. Sie waren der Meinung, dass Träume äußerst subjektiv seien. Daher könnte man sie nicht aus einem allgemeinen Blickwinkel analysieren.

Der größte Teil dieses Buches bezieht sich auf die von Freud selbst durchgeführte Traumanalyse. Er nutzte seine Forschung als Grundlage für seine Theorie. Das Werkzeug, mit dem er sich beschäftigte, haben wir bereits erwähnt: die freie Assoziation.

Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie  (1905)

Dieses Buch ist zusammen mit Die Traumdeutung  eines der wichtigsten Werke Freuds. Hier spricht Freud über seine Theorie zur menschlichen Sexualität. Freud beschäftigte sich vor allen Dingen mit der infantilen Sexualität. In Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie finden wir auch Freuds berühmt berüchtigte Aussage, dass das „Kind unter dem Einfluss der Verführung polymorph pervers werden“  könne.

In diesem Buch versucht Freud, zu belegen, dass Perversion auch bei gesunden Menschen existiere. Freud ging davon aus, dass der Weg zu einer reifen und normalen sexuellen Einstellung tatsächlich in der Kindheit beginnt und nicht in der Pubertät.

Er beschäftigte sich mit der psychosexuellen Entwicklung des Menschen und sprach über Dinge wie Penisneid, Kastrationsangst und den Ödipus-Komplex. Dieses Buch ist ein unbedingtes Muss, wenn wir die Entwicklung der Psychoanalyse verstehen wollen.

Humanistische Bücher über Psychoanalyse

Es gibt viele verschiedene Autoren auf dem Gebiet der humanistischen Psychoanalyse. Erich Fromm war dabei die Person, die das Konzept definiert hat. Er hatte eine Ausbildung als freudianischer Psychoanalytiker erhalten, brachte aber auch Ideen aus dem Buddhismus und dem Marxismus in seine Theorien ein. Hier stellen wir zwei seiner wichtigsten Bücher vor.

Die Furcht vor der Freiheit  (1941)

Dieses Buch versuchte, Probleme der Moderne zu erklären, die in der westlichen Zivilisation zur Entstehungszeit vorherrschten. Eine zentrale Kategorie des Buches ist die Freiheit. Fromm verweist im Buch auf zwei verschiedene Phänomene:

  • Faschismus als eine Form des politischen Ausdrucks
  • Wachsende Ähnlichkeit von Individuen in fortgeschrittenen Gesellschaften als eine Art soziokultureller Ausdrucksform

Er verwendete diese beiden Konzepte, um die unterschiedlichen Ausprägungen der Krise zu erklären. Er sagte, diese zwei Herangehensweisen dienten dem Zweck, sich nicht mit der Realität auseinanderzusetzen. Fromm argumentierte weiterhin, dass sie großen Einfluss auf den Menschen der modernen Industriegesellschaften hatten. Da er seine eigene Bedeutungslosigkeit erkannt hätte, hätte er keine andere Wahl, als seinen Körper für äußere, unsichtbare Kräfte zu opfern.

Die Kunst des Liebens

Dies ist ein weiteres Buch von Erich Fromm, das wir kennen sollten. Obwohl es in die Kategorie Bücher über Psychoanalyse fällt, ist es tatsächlich eine leichte Lektüre. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine tieferen Einblicke in die menschliche Natur und die Hypothese, die Fromm in Die Furcht vor der Freiheit  entwickelt hat, gewähren würde.

Eine der wichtigsten Ideen des Buchs ist, dass Liebe eine Antwort auf das Problem der menschlichen Existenz sei. Fromm argumentiert im Buch, dass die Liebe Menschen miteinander verbinde und nicht von einander trenne. Diese Liebe habe keinen Einfluss auf die Individualität des Einzelnen.

Fromm fasst auch die verschiedenen Arten der Liebe zusammen. Er spricht über brüderliche Liebe, mütterliche und väterliche Liebe, Selbstliebe, erotische Liebe und die Liebe zu Gott. Außerdem beschreibt der Sozialpsychologe, wie Sorgfalt, Verantwortung, Respekt und Vertrautheit die Voraussetzungen für eine reife Liebe bilden.

Ein Foto, das Erich Fromm zeigt

Lacan’sche Bücher über Psychoanalyse

Jacques Lacan war ein französischer Psychoanalytiker. Er ist bekannt für seine Theorien, in denen er Freud neu interpretierte. Aber Lacan lesen ist nicht unbedingt leicht. Beim ersten Versuch kann es zu Verständnisschwierigkeiten kommen oder der ganze Text kann uns auch sinnlos vorkommen.

Normalerweise werden wir einen Zugang zum Text finden, wenn wir Lacans Text für eine Weile überdenken. Nach einiger Zeit werden wir sicherlich mehr verstehen! Es lohnt sich, Lacans Bücher sorgfältig zu lesen, da wir aus ihnen überraschende, neue Erkenntnisse ziehen können.

Buch III: Die Psychosen  (1955-1956)

Dies ist ein faszinierendes Buch. Lacan entwickelt hier seine Theorie über die Psychose. Seine Ideen sind revolutionär und innovativ. Das heißt, dass Lacans Theorie von den gängigen und üblichen Vorstellungen, was eine Psychose bedeutet, abweicht. In dem Buch geht es um die Ursache einer Psychose als auch um ihre Behandlung. 

Lacan studierte dazu das Buch Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken,  eine Autobiografie geschrieben von Daniel Paul Schreber. Schreber war der Präsident des Landgerichts Freiberg und erkrankte später an paranoider Schizophrenie. Diese Autobiografie interessierte nicht nur Freud; Lacan entwickelte sein theoretisches Verständnis basierend auf Schrebers Text und deutete Schrebers Fall auf faszinierende Weise.

Mein Leben auf der Seite der Kinder. Ein Plädoyer für eine kindgerechte Welt  (1985)

Dieses Buch wurde von der französischen Psychoanalytikerin und Kinderärztin Françoise Dolto geschrieben. Obwohl es auf unserer Bücherliste steht, ist es ziemlich einfach zu lesen und unglaublich realistisch. Diese Qualitäten zeichnen nämlich Doltos Schreiben aus. Das Buch spielt auch mit seiner Form, indem es die Perspektive verkehrt: Dolto beschreibt die Welt aus der Sicht der Kinder und konzentriert sich darauf, was Kinder wollen. Dolto spricht aber nicht nur davon, Kindern zuzuhören und sie in ihrer eigenen Sprache zu verstehen.

Dieses ist ein wertvolles, deutlich geschriebenes Buch, das uns nicht enttäuschen wird. Wenn wir dieses Buch lesen, wird es definitiv einen starken Eindruck bei uns hinterlassen.

Ein Foto, das Francoise Dolto zeigt

Das Vokabular der Psychoanalyse  (1973)

Das letzte Buch auf unserer Liste hilft uns, die Terminologie der Psychoanalyse besser zu verstehen. Es ist äußerst nützlich für alle, die gerade erst anfangen, Bücher zu diesem Thema zu lesen.

Im Buch finden wir verschiedene Konzepte, die definiert und kommentiert werden. Die Sprache des Buches ist sehr klar. Zu Beginn jedes Artikels finden wir Synonyme für den jeweiligen Begriff. Dieses Buch ist daher ein sehr nützliches Buch. Es ist eine Pflichtlektüre für diejenigen unter uns, die sich mit den Begriffen und Konzepten der Psychoanalyse vertraut machen wollen.

Es gibt sehr klare Erklärungen, die einen Vergleich zwischen den verschiedenen Denkern ermöglichen. Aus diesem Grund ist es ein tolles Nachschlagewerk, wenn wir die grundlegenden Probleme des Fachs verstehen wollen. So können wir richtig in das Thema Psychoanalyse einsteigen. Aber es ist viel mehr als nur ein Wörterbuch. Tatsächlich gibt es auch viele Verweise, die uns helfen werden, Konzepte in Beziehung zu setzen und sich im weiten Netz der Assoziationen psychoanalytischer Sprache zu orientieren.