Johanna Arendt, eine pluralistische Denkerin

1. November 2019
Johanna Arendt wurde als Jüdin und auch als Deutsche verfolgt. Sie war viele Jahre lang „staatenlos“. Vielleicht hat sie deshalb eine pluralistische Denkweise entwickelt.

Johanna Arendt war eine der größten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Obwohl einige sie als „Philosophin“ bezeichneten, lehnte sie eine solche Kategorisierung ab. Vielleicht war der Grund dafür der, dass der Begriff für einen Intellektuellen mit breiten Interessen zu schlüssig und begrenzt ist.

Man könnte sagen, dass Johanna Arendt eine der größten Expertinnen „zur Judenfrage“ war. Im Gegensatz zu anderen Denkern näherte sie sich dem Thema mit großer Weite und kritischem Sinn, obwohl sie selbst Jüdin war.

„Der radikalste Revolutionär wird am Tag nach der Revolution ein Konservativer.“

-Hannah Arendt-

Ihre Arbeit Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ist ein wahrer Klassiker der politischen Theorie. Darin enthüllt sie die historische Entwicklung von Antisemitismus, Rassismus und Imperialismus. Am Ende beschreibt sie, was sie selbst eine „totale Herrschaft“ nennt, was sich im Grunde genommen im Nationalsozialismus und Stalinismus verkörpert.

Johanna Arendt, eine intelligente junge Frau

Johanna Arendt zeigte bereits in jungen Jahren Anzeichen großer intellektueller Fähigkeiten und einen rebellischen Charakter auf

Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Linden-Limmer geboren. Ihre Familie war jüdisch und stammte ursprünglich aus Linden, der Region Preußens, die später ein Teil Russlands wurde.

Arendt’s Vater war ein Ingenieur, der an Syphilis starb, als sie gerade sieben Jahre alt war. Ihre Mutter, Martha Cohn, war eine Frau mit liberalen Ideen. Sie wollte ihrer Tochter die gleiche Ausbildung geben, die die Jungen zu dieser Zeit erhielten.

Hannah Arendt zeigte bereits in jungen Jahren Anzeichen großer intellektueller Fähigkeiten und einen rebellischen Charakter auf. Einige sagen, dass sie im Alter von 14 Jahren bereits die Werke von Emmanuel Kant und Karl Jaspers gelesen hatte. Im Alter von 17 Jahren wurde sie wegen „Disziplinarangelegenheiten“ von der Schule verwiesen.

Hannah reiste danach allein nach Berlin, wo sie Kurse in Theologie und Philosophie belegte. Sie begann selbständig zu studieren und legte im Alter von 18 Jahren die Aufnahmeprüfung an der Universität Marburg ab.

Johanna Arendt, eine jüdische Intellektuelle

Martin Heidegger, ein berühmter Mann, war einer von Arendt‘s Lehrern. Die beiden verliebten sich und begannen eine geheime Affäre. Er war verheiratet und hatte bereits Kinder. Für Hannah, die für ein Semester an die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg wechselte, wurde die Situation unerträglich.

Sie promovierte 1928 in Philosophie, nachdem sie Unterrichtsstunden bei Edmund Husserl genommen hatte. Karl Jaspers war der Tutor ihrer Doktorarbeit und wurde später einer ihrer engsten Freunde. Zu dieser Zeit war sie auch mit vielen der bedeutendsten Philosophen ihrer Zeit befreundet.

Der fortschreitende Aufstieg des Nationalsozialismus begann mit einer allmählichen Zunahme des Antisemitismus. Hannah Arendt nutzte ihr eigenes Haus, um vielen Kindern und Jugendlichen bei der Flucht zu helfen. Im Jahr 1933 wurde sie von der Gestapo verhaftet und für acht Tage inhaftiert. Sie floh anschließend nach Frankreich, wo sie ihren ersten Ehemann, Günther Stern, traf.

Eine staatenlose Denkerin

Johanna Arendt war eine der wenigen europäischen Intellektuellen, die sich von Anfang an radikal gegen den Nationalsozialismus aussprachen

Johanna Arendt war eine der wenigen europäischen Intellektuellen, die sich von Anfang an radikal gegen den Nationalsozialismus aussprachen. Sie stand somit im Gegensatz zu anderen Philosophen, die sich mit dem neuen Regime versöhnen wollten.

1937 ließ sie sich von Günther scheiden und im selben Jahr zog die Bundesregierung ihre Staatsangehörigkeit zurück. 1939 schaffte sie es, ihre Mutter aus Deutschland zu befreien. 1940 heiratete sie Heinrich Blücher. Kurz danach wurde sie in ein Konzentrationslager nach Frankreich geschickt, für das Verbrechen Deutsche zu sein, obwohl dies nicht der Fall war. Sie schaffte es, von dort zu fliehen und wanderte zusammen mit ihrem Mann und ihrer Mutter in die Vereinigten Staaten aus.

In den USA arbeitete sie als Journalistin. Ein Beruf, in dem sie bereits Erfahrung hatte, da sie bereits in Europa im Journalismus gerabeitet hatte. 1951 wurde sie US-amerikanische Staatsbürgerin, obwohl sie immer sagte, ihr Herz sei durch Sprache, Kunst und Poesie an Deutschland gebunden.

Johanna Arendt hatte eine glänzende Laufbahn

Als sie US-amerikanische Staatsbürgerin wurde, „befreite“ sie sich von ihrem Status als Staatenlose. Tatsächlich sagte sie, dass eine Staatsbürgerschaft das „Recht auf Rechte“ sei. Dann hatte sie eine glänzende Karriere und schrieb ihre größten Werke in den Vereinigten Staaten.

1961 arbeitete sie als Korrespondentin für The New Yorker und berichtete über den Prozess gegen den Nazikriegsverbrecher Adolf Eichmann. Der Artikel trug den Untertitel „Die Banalität des Bösen“ und war weit umstritten.

1959 unterrichtete sie als erste Frau an der Princeton University. 1963 wurde sie Professorin an der University of Chicago und arbeitete danach an anderen akademischen Zentren.

Ihr geliebter Ehemann starb 1970. Vier Jahre später erlitt Hannah einen Herzinfarkt, von dem sie sich erholte. So arbeitete sie bis 1975 weiter. In diesem Jahr erlitt sie, während eines akademischen Treffens, einen zweiten Herzinfarkt, den sie leider nicht überlebte.

  • Arendt, H. (2005). Arendt sobre Arendt. H. Arendt, De la historia a la acción. Buenos Aires: Paidós.