Spotlight: Von der Wichtigkeit des Journalismus

· 4. Mai 2019

Teppiche, die seit Langem nicht mehr ausgeklopft wurden, werden zu Dreckfängern, aus denen ganze Staubwolken aufstieben, wenn wir auf sie treten. Dahinter steckt eine Geschichte und jeder soll sie erfahren …

Der „Teppich“, den die Redaktion des Boston Globe ausklopfte, ist ein Teppich, der in seinen leuchtenden Farben makellos wirkte. Wir sprechen von der Kirche als Institution, mit ihrem enormen Einfluss auf die gesamte Gemeinde in der die Ereignisse stattfinden: Massachusetts, Boston, im Jahr 2002.

Spotlight  ist ein fabelhafter Film, denn seine Erzählweise ist kinotypisch, aber auch die darin dargestellt Branche, der Journalismus, und die gezeigten Fakten, die auf der großen Leinwand zum Leben erweckt werden und Eindruck schaffen. Er beschreibt die grauenvolle Seite einer Gemeinde, die so durchsichtig ist, dass viele es für besser halten, einfach wegzuschauen, wenn Verbrechen begangen werden, so wie auch der sexuelle Missbrauch von Kindern.

„Die freie Presse hält mächtige Institutionen unter Kontrolle.“

Spotlight

Von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt

Es ist schwer, das Beste an Spotlight  hervorzuheben, einem Film, bei dem das Gesamtpaket einfach stimmt. Die Schauspieler sind ihrer Aufgabe gewachsen, das Drehbuch weist keine Makel auf, die Aufnahmen sind gut geschnitten und die Szenen sind fließend, ohne dass es Nebengeschichten gäbe, in denen man den roten Faden verlieren könnte. Der Film ist vom ersten Moment an ehrlich mit den Zuschauern und verpflichtet sich dieser Wahrheit bis zum Ende.

Spotlight  erhielt 2016 den Oscar für den besten Film und warf damit großartige Filme wie Reborn, Bridge of Spies oder das mitreißende Werk Raum  aus dem Rennen. Er erhielt auch eine Anerkennung für sein Drehbuch und übertraf damit wirklich originelle Drehbücher, wie zum Beispiel das von Inside Out. Dabei handelt es sich um Auszeichnungen, die nur wenig über den Film aussagen, aber verdeutlichen, dass es sich um einen Film handelt, der mehr als sehenswert ist.

„Wenn du ein armes Kind bist, aus einer armen Familie kommst, und ein Priester auf dich achtgibt, fühlst du dich besonders. Wie sagst du dann nein zu Gott?“

Spotlight

Der Ausgangspunkt

Ein Stapel Akten liegt auf einem Tisch. Ein Team von Journalisten arbeitet in der Redaktion des renommierten Boston Globe, wobei ihm vollkommen freie Hand gelassen wird. Das Team besteht aus einem Redaktionsleiter (Michael Keaton), der die von Mark Ruffalo, Rachel McAdams und Brian d’Arcy James gespielten Redeakteure anleitet. Ebenfalls dazu gehören der stellvertretende Redakteur John Slattery, gespielt von Ben Bradlee Jr., und der Neuling Liev Schreiber, gespielt von Marty Baron.

Es soll genau dieser Neuankömmling sein, der die Aufmerksamkeit des Teams auf den sexuellen Missbrauch lenkt, der sich in der Kirche ereignet und von dem die Ordensleute wissen, die hohe Positionen in der Kirche einnehmen. Von dort an stehen diejenigen, die etwas hätten tun können, es aber nicht taten, die schwiegen oder dabei halfen, alles zu vertuschen, im Mittelpunkt.

Aus psychologischer Sicht erweckt ein Detail besonders Aufmerksamkeit: Dieser Film ist ein Beispiel dafür, dass es oftmals ein äußeres Element ist, das eine Lawine auslöst, die alles verändert. Im Falle des Films kommt die Veränderung mit dem neuen Herausgeber, einer Person, die weit weg von Orten aufgewachsen ist, an denen die Kirche die volle Kontrolle über die Gemeinschaft ausübte.

Redaktion im Film "Spotlight"

Spotlight – ein Film, der den Lauf der Geschichte verändert hat

Im Gegensatz zu dem, was in Spanien, in den Vereinigten Staaten, seit dem Fall ‚Spotlight‘ geschieht, sammeln und veröffentlichen die Bischöfe diese Fälle. Der ‚Pennsylvania-Bericht‘ konnte auf die Kooperation der sechs beteiligten Diözesen zählen.

Wenn wir eine Zahl nennen wollen, müssen wir sagen, dass aktuell geschätzte 100.000 Menschen weltweit nachweislich Opfer von klerikaler Pädophilie sind. Und das ohne all jene Fälle zu berücksichtigen, in denen begründete Zweifel bestehen oder Fälle, die nicht einmal ans Licht gekommen sind. Das Schwierigste daran ist wahrscheinlich das Schweigen, die gegenseitige Unterstützung der Täter und die moralische Freizügigkeit, die es in vielen Fällen gegeben hat: die Angst der Kirche, ihre eigenen Sünden beichten zu müssen und sich als menschlich zu erkennen zu geben, so wie sie ein Großteil der Gesellschaft bereits sieht.

Wir sind einen langen Weg gegangen, wir haben die vielleicht dickste Schicht an der Oberfläche aufgebrochen, aber es gibt noch viele Fälle, die aufgedeckt werden müssen. Und nicht aus Rache oder aus Mangel an Glauben. Einfach nur, damit sie sich nicht wiederholen, damit sich die Opfer gegenüber einem Angreifer unterstützt und nicht allein gelassen fühlen, damit keine Institution denkt, dass sie ihre Taten vertuschen und das Gesetz so umgehen könnte.