Wie können wir Opfern von sexuellem Missbrauch helfen?

6. März 2019

Der Fall „La Manada“ beleuchtete eine Realität, die wir für eine Weile vergessen hatten: Wie schwierig es für die Gesellschaft ist, die Opfer von sexuellem Missbrauch zu verstehen. Es ist ein tragisches Beispiel für das, was in der Gesellschaft tagtäglich passiert, was aber nur selten thematisiert wird. Die Menschen beschuldigen das Opfer für das Ereignis und versuchen, ihr Alltagsleben wieder auf den normalen Weg zu führen, indem sie die Version des Opfers infrage stellen.

Die Wahrheit ist, dass sexuelle Belästigung etwas ist, das dauerhaft beim Opfer bleibt; es ist nicht nur eine vorübergehende Sache. Die angegriffene Person muss für den Rest ihres Lebens damit umgehen.

„Ich wünschte, ich könnte meiner Schwester sagen, dass sie nicht schmutzig ist und dass sie sich nicht für etwas schämen sollte, für das sie buchstäblich nicht verantwortlich war.“

Viola Davis

Welche Faktoren beeinflussen die Genesung von Opfern sexuellen Missbrauchs?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass die Opfer an einem Aspekt arbeiten, der ihre psychische Belastung stark beeinflusst: die ständige Schuldzuweisung sich selbst gegenüber. Nach einem solchen Trauma ist es üblich, dass eine Person schlecht über sich selbst denkt. Opfer von sexuellem Missbrauch neigen dazu, sich selbst verantwortlich zu machen, was die Manifestation einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depression nur noch wahrscheinlicher macht.

Eine Frau wurde Opfer von sexuellem Missbrauch.

Wenn wir verschiedene Fälle von sexuellem Missbrauch im Fernsehen sehen, sollten wir einmal darauf achten, welche Fragen den Opfern gestellt werden: „Aber hast du dich tatsächlich geweigert, oder hast du ihn animiert, sich dir zu nähern? Und hast du dann wirklich versucht, den Täter aufzuhalten?“

Wenn die Öffentlichkeit das Geschehene erst einmal anzweifelt, wird die Verbundenheit des Opfers mit den ohnehin vorhandenen negativen Überzeugungen bezüglich seiner selbst noch multipliziert.

STOPPT VICTIM BLAMING! Wegen euch leben so viele Überlebende in Angst.“

Aly Raisman

Für Opfer von sexuellem Missbrauch ist die soziale und emotionale Unterstützung sehr wichtig. Es ist jedoch auch zu beachten, dass diese Unterstützung ihre Wirkung verfehlt, wenn das Opfer sie nicht wahrnehmen kann. Es muss wissen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, zu helfen, damit es selbst wieder gesund werden kann. Darüber hinaus sind effektive Bewältigungsstrategien und adaptive emotionale Regulation Voraussetzungen für seine Genesung.

Wie können Opfer von sexuellem Missbrauch auf ein besseres Wohlergehen hinwirken?

Zunächst einmal ist es empfehlenswert, Techniken zur kognitiven Umstrukturierung einzusetzen, um jene Zweifel, die sexuelle Missbrauchsopfer an sich selbst haben, zu überwinden. Außerdem muss ihr Schuldgefühl in Bezug auf das, was sie erlitten haben, anders kanalisiert werden. In diesem Sinne müssen sie vor allem lernen, ihre negativen Ideen und Gedanken zu modifizieren. Diese Gedanken, die ihnen sagen, dass sie das verdient hätten, was ihnen widerfahren ist.

„Wir müssen eine Botschaft in die ganze Welt senden, dass es keine Schande ist, ein Überlebender sexueller Gewalt zu sein – die Schande liegt beim Angreifer.“

Angelina Jolie

Leider ist es nicht einfach, die besagten Gedanken loszuwerden, da das Opfer sich schnell an sie gewöhnt. In Bezug auf Bewältigungsstrategien sind im Falle von Missbrauch diejenigen am besten geeignet, die sich auf seine Emotionen konzentrieren, da der Missbrauch ein Ereignis darstellt, das außerhalb seiner Kontrolle liegt.

Schließlich wollen wir erwähnen, dass die soziale Unterstützung derart anzupassen ist, dass Missbrauchsopfer sie wahrnehmen und nutzen können. Manchmal, wenn jemand in unserer Nähe eine traumatische Situation erlebt, verspüren wir das Bedürfnis, ihm zu helfen. Doch wissen wir dann nicht, wie wir das anstellen sollen. Daher bieten wir unsere Hilfe und Unterstützung an, aber vielleicht nicht so, wie das Opfer es braucht.

Ein trauriges Mädchen, das Opfer von sexuellem Missbrauch wurde

Manchmal sind wir frustriert, wenn wir versuchen, jemandem zu helfen, und nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Deshalb ist es sinnvoll, sich unserer Grenzen bewusst zu werden – es gibt Dinge, mit denen wir schlicht nicht umzugehen wissen. Daher ist es am besten, es den Fachleuten der Psychologen zu überlassen, das Opfer durch den Prozess der Genesung zu leiten. Am Ende des Tages sind sie diejenigen, die in der Lage sind, ihm angemessen zu helfen. Das bedeutet nicht, dass wir nicht für es da sein sollten. Wir sollten uns jedoch stets fragen, ob wir es richtig machen, und dazu ist es keine schlechte Idee, selbst bei einem Psychologen nachzufragen.

„Ich bin nicht das, was mir passiert ist, ich bin das, was ich beschließe zu sein.“

Carl Gustav Jung