Jean-Paul Sartre: Biografie eines existenzialistischen Philosophen

· 29. März 2019

Philosoph, Aktivist, Journalist, Politiker, Schriftsteller … Jean-Paul Sartre war einer der bedeutendsten Vertreter des Existentialismus und des humanistischen Marxismus. Seine Werke spiegeln im Wesentlichen die Vorstellungen seiner Zeitgenossen wider, seine komplexen Reflexionen zum Verhältnis zwischen Gesellschaft und ich. Seine Ideen und sein Erbe haben die Psychologie lange über seinen Tod hinaus beeinflusst.

Beeinflusst von großen deutschen Denkern wie Edmund Husserl und Martin Heidegger gewann Sartre den Nobelpreis und entschloss sich, ihn nicht anzunehmen. Er tat dies, weil er das unerschütterliche Bedürfnis verspürte, nach seinen ideologischen Grundsätzen zu leben. Sartre war auch der Typ Mensch, der sich für die Befreiung des afrikanischen Volkes einsetzte. Damit hat er uns gezeigt, dass wahre Freiheit echtes Engagement erfordert.

Neben seiner umfassenden Arbeit in den verschiedensten Funktionen ist sein Einfluss auf die Psychologie besonders faszinierend. Jean-Paul Sartre legte den Grundstein für eine neue Strömung der Psychologie, für den humanistischen Existenzialismus. Seine Vorstellungen von der Verantwortung des Menschen gegenüber seinem eigenen Handeln und seiner Selbsterkenntnis sowie sein Mantra „Ich denke, also bin ich“ markierte eine neue Ära in der Psychologie.

„Glück macht nicht das, was du willst, sondern will das, was du tust.“

Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Sartre: die Anfänge

Jean-Paul Sartre als Teenager

Jean-Paul Sartre wurde am 21. Juni 1905 in Paris, Frankreich, geboren. Er war der Sohn eines Marineoffiziers. Er hat seinen Vater allerdings schon früh verloren, weshalb er von seiner Mutter und seinem Großvater großgezogen wurde. Seine Mutter, Anna Marie Schweitzer, weckte seine Liebe zur Literatur in ihm. Sein Großvater Charles Schweitzer, übrigens ein Onkel von Albert Schweitzer, war wiederum dafür verantwortlich, dass der junge Sartre sich für die Philosophie interessierte.

Im Jahr 1929 wurde er dann schließlich Gymnasiallehrer für Philosophie. Zu dieser Zeit lernte er auch Simone de Beauvoir kennen. Sie wurde schließlich seine Partnerin auf Lebenszeit und unverzichtbare intellektuelle Verbündete.

Als der Zweite Weltkrieg begann, änderte sich Sartres Welt. Sartre wurde sogar von den Deutschen gefangengenommen. Dies sollte erhebliche Auswirkungen auf seine Arbeit haben, wie sich zeigte, nachdem er 1941 seine Freiheit wiedererlangt hatte. Bald darauf arbeitete er zusammen mit Albert Camus an Combat,  der Zeitung des Widerstandes in Frankreich.

Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir

Ein Mann, der sich sozial engagiert

Im Jahr 1945 starteten Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gemeinsam ein großes soziales Projekt: die politische und literarische Zeitschrift Les Temps ModernesIhre sozialistischen Ideale waren zu dieser Zeit ihres Lebens bereits gut gefestigt.

Sartre war auch ein heftiger Kritiker des Vietnamkrieges. Tatsächlich hat er es sich zur Aufgabe gemacht, der Welt die von den Vereinigten Staaten begangenen und propagierten Verbrechen und Ungerechtigkeiten zu zeigen. Später, 1964, erhielt Sartre den Nobelpreis für seine Beiträge zur Philosophie. Allerdings akzeptierte er diesen Preis nicht, wie bereits erwähnt.

Sartre zufolge hätte die Annahme des Nobelpreises dazu geführt, dass er seine kritische Vision als Philosoph verloren hätte. Er verbrachte sein ganzes Leben damit, sich für viele verschiedene Zwecke einzusetzen und lebte sehr demütig.

Sartre starb am 15. April 1980 im Alter von 74 Jahren. Tausende Menschen kamen zu seiner Beerdigung. Derzeit ruht sein Leichnam auf dem Montparnasse-Friedhof in Paris.

Der Ekel – Jean-Paul Sartres größter literarischer Beitrag

Um das Erbe von Jean-Paul Sartre und seinen Beitrag zum humanistischen Existenzialismus zu verstehen, muss man sich sein erstes Werk ansehen: Der EkelDieses Buch führte über seine unbestreitbare literarische Qualität hinaus zu einer neuen Art, die Welt zu verstehen.

Die Einflüsse von Der Ekel

Sartre schrieb dieses Buch, als er 26 Jahre alt war und in Berlin, Deutschland, lebte. Der Zeitraum fiel mit Hitlers Aufstieg zur Macht zusammen. In dieser Zeit las er vor allem Husserl und Heidegger. Er war wirklich fasziniert von Husserls Phänomenologie und seinem Talent, die Ereignisse zu beschreiben.

Deshalb ist Sartres berühmteste Arbeit eigentlich eine Übung in der Phänomenologie. Darin beschreibt er seine eigenen Erfahrungen als Hochschulprofessor. In dieser Umgebung spürte er nur Dunkelheit, Leere und Sinnlosigkeit.

Jean-Paul Sartre sitzt in einem Strandkorb.

Antoine Roquentin, Sartres Alter Ego

Der Protagonist in Der Ekel  ist Antoine Roquentin, Sartres Alter Ego. In Antoine sehen wir einen jungen Mann, der nach Indochina kommt, um sich in einer imaginären Stadt mit einem sehr konkreten Ziel niederzulassen. Er möchte eine Biografie über einen Aristokraten aus dem 18. Jahrhundert abschließen. Das Einzige, was unser Protagonist dabei macht, ist schreiben, mit dem Hotelbesitzer interagieren, Jazz hören und mit einem Autodidakten sprechen.

Der Protagonist ist apathisch. Wenn du das Buch liest, wirst du bemerken, dass nichts von dem, was um ihn herum geschieht, wirklich versteht.

„Mein Denken, das bin ich: Deshalb kann ich nicht aufhören. … der Abscheu zu existieren, das sind wiederum nur Arten, mich existieren zu machen, in die Existenz einzutauchen.“

Jean-Paul Sartre (Der Ekel)

Es gibt allerdings etwas, das du bei diesem Buch beachten musst, wenn du es verstehen willst. Was Sartre im Buch beschreibt, findet zwischen 1936 und 1938 statt. In dieser Zeit herrschte der Nationalsozialismus in Deutschland. Es war auch die Zeit, in der sich die französische Gesellschaft in einer tiefgreifenden moralischen Krise befand. Sartre wurde Zeuge dieser Krise und zeichnete sie meisterhaft in Der Ekel  nach.

In diesem Buch versucht Sartre, uns verständlich zu machen, dass eine Person gegen die Tyrannei rebellieren und ihren eigenen Weg wählen kann, sobald sie die unbestreitbare Wahrheit akzeptiert hat, dass nichts eine Bedeutung hat.

  • Cohen Sola, Annie (2005) Sartre. Madrid: Edhasa
  • Sartre, J. P. (2006). El existencialismo es un humanismo (Vol. 37). UNAM.
  • Sartre, Jean-Paul (2011) La náusea. Alianza