Wo bleibt unsere Freiheit angesichts des mechanistischen Determinismus?

· 15. Dezember 2018

Sind wir angesichts des Determinismus frei, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen? Ist uns unser Leben vorherbestimmt? Das sind Fragen, die sich viele Denker und Philosophen im Laufe der Geschichte gestellt haben. Der freie Wille und seine Existenz oder Abwesenheit waren im Laufe der Zeit ein immer aktuelles Thema. Und unsere subjektive Erfahrung zeigt uns, dass unsere Entscheidungsfreiheit viel mit mechanistischer Konditionierung zu tun hat.

Der Determinismus basiert auf der Tatsache, dass alle physischen Ereignisse durch bestimmte Ausgangsbedingungen bedingt sind. Mit anderen Worten, alles ergibt sich aus einer Kette von Ursachen und Wirkungen. Wir können viele Arten von Determinismus beschreiben: religiöse, wirtschaftliche, genetische, usw. In diesem Artikel werden wir über den mechanistischen Determinismus sprechen.

Das Konzept des mechanistischen Determinismus basiert auf der Vorstellung, dass Menschen Maschinen ähnlich seien. Dabei sei unser Gehirn ein Werkzeug, das in der Lage sei, eine Reihe von Eingaben zu sammeln, sie zu verarbeiten und in Ausgaben umzuwandeln. Der freie Wille sei eine Illusion, die sich aus der Ignoranz von Prozessen ergibt, die zwischen Input und Output stattfinden.

Im Laufe des Artikels werden wir zwei Aspekte untersuchen, um den mechanistischen Determinismus besser zu verstehen. Zuerst werden wir über die Prinzipien und Gründe sprechen, die uns dazu bringen, über Determinismus nachzudenken. Zweitens werden wir über das Homunkulus-Paradoxon sprechen, das für den freien Willen gilt.

Anlass zur Reflexion über mechanistischen Determinismus

Die Idee, den menschlichen Geist als Maschine zu verstehen, entstand aus der Computermetapher der kognitiven Psychologie. Die kognitive Psychologie besagt, dass das Gehirn ein Informationsprozessor sei und dass alles menschliche Verhalten durch eine Reihe von Algorithmen und mentalen Prozessen erklärt werden könne. Aus diesem Grund wurde das menschliche Gehirn mit einer Turingmaschine verglichen.

Das Gehirn als Computer: mechanistischer Determinismus oder freier Wille?

Obwohl die Computermetapher aufgrund neuerer, konnektionistischer Modelle inzwischen obsolet ist, veranlasst sie zu einer Reflexion. Die Weiterentwicklung der Psychologie erlaubt es uns, jeden Tag mehr kognitive Prozesse einschließlich ihrer Auswirkungen zu verstehen und mehr der Geheimnisse der Psyche zu entwirren. Wir können nun Verhaltensweisen, die wir zuvor dem freien Willen zugeschrieben haben, mit einer Reihe von definierten Prozessen erklären.

Das lässt uns ernsthaft überlegen, ob menschliches Verhalten nur die Antwort auf eine Kette von Ursachen und Wirkungen ist oder ob es wirklich ein Ich in uns gibt, das entscheidet? Stellen wir uns vor, wir wären in der Lage, alle Variablen zu kennen, die das menschliche Verhalten beeinflussen. Könnten wir das Verhalten eines jeden Einzelnen dann vollständig vorhersagen? Die Antwort auf diese Frage scheint „ja“ zu sein. Damit aber würden wir die Existenz des freien Willens leugnen, da wir die Zukunft bestimmen könnten.

Darüber hinaus zeigen uns neurowissenschaftliche Studien, dass unser Gehirn Entscheidungen trifft, lange bevor wir sie wahrnehmen. Diese Ergebnisse lassen uns die Macht des Bewusstseins in Betracht ziehen. Heutzutage ist es schwierig, festzustellen, ob unser Verstand deterministisch arbeitet oder nicht. Allerdings geht die moderne Psychologie von der Annahme aus, dass wir das Verhalten mit einem bestimmten Fehlerniveau vorhersagen können. Daher ist die Idee des Determinismus für die Forschung sehr nützlich.

Das Homunkulus-Paradoxon im freien Willen

Nun wollen wir über das Homunkulus-Paradoxon sprechen. Dieses beschreibt eine theoretische Inkompatibilität der Psychologie mit der Existenz des freien Willens. Bei vielen Gelegenheiten kann ein Paradoxon uns helfen, unsere Fehler zu erkennen und neue kognitive Rahmen oder theoretische Perspektiven zu nutzen.

Das Homunkulus-Paradoxon basiert auf folgendem Widerspruch: Die Psychologie sagt uns, dass alle Verhaltensweisen oder mentalen Prozesse beschrieben und erklärt werden können. Die Idee des freien Willens legt nahe, dass wir die Freiheit haben, zu entscheiden, welche Entscheidungen wir treffen wollen. Das würde uns dazu bringen, zu entdecken, dass es „etwas“ geben muss, das in unserem Gehirn entscheidet. Wir nennen das „etwas“ einen Homunkulus, da es wie ein Mensch in uns ist, der entscheidet.

Nun, wenn der Homunkulus das ist, was uns die Entscheidungsfreiheit gibt, was gibt ihm diese Freiheit? Wir könnten sagen, dass es in diesem Homunkulus einen anderen Homunkulus gebe, der entscheide. Aber wenn wir es so erklären, geraten wir in eine paradoxe Unendlichkeit von Homunkuli. Wir würden den menschlichen Geist mit einer Matroschka vergleichen.

Drei Matroschkafiguren

Mechanistischer Determinismus stellt ein nützliches Paradigma für die Interpretation der psychologischen Realität dar. Darüber hinaus scheinen uns die Beweise, die wir finden, zusammen mit den theoretischen Unverträglichkeiten, in diese Richtung zu führen. Allerdings sollten wir uns selbst nicht vertrauen. Es ist wahrscheinlicher, dass die Wahrheit viel komplexer ist und dass sie in keinem der Extreme, weder im Determinismus noch im freien Willen, zu finden ist.