Kognitive Psychologie: Was ist das und wer ist ihr Entdecker?

· 12. Juli 2018

Die Kognitive Psychologie oder Kognitionspsychologie liefert die Basis für einige der wirksamsten Therapien von psychischen Störungen. Obwohl „kognitiv“ kein sehr gebräuchlicher Begriff ist, ist er in der Welt der Verhaltensforschung weitverbreitet. Von allen, die mit ihm weniger vertraut sind, soll „kognitiv“ als Synonym für „auf die Wahrnehmung oder Denkprozesse bezogen“ verstanden werden.

Kognitive Psychologie ist daher die Untersuchung des menschlichen Verhaltens, die sich auf nicht beobachtbare, sondern auf mentale Aspekte konzentriert, auf das, was zwischen dem Reiz und der sichtbaren Reaktion liegt. Sie versucht, zu verstehen, welche Ideen in den Köpfen der Menschen entstehen und wie diese ihre emotionale und verhaltensmäßige Reaktion beeinflussen.

Heutzutage wird die Kognitive Therapie häufig zur Erklärung von psychischen Problemen eingesetzt. Die Behandlung aus kognitionspsychologischer Perspektive konzentriert sich auf die Identifizierung von Gedanken, Überzeugungen und mentalen Schemata, die nicht der Realität entsprechen und über- oder untertrieben sind. Diese Art der Therapie beruht auf einer Debatte, die darin besteht, Fragen zu stellen, die Zweifel an den eigenen Erkenntnissen aufkommen lassen.

Alle Menschen sind in der Lage, Erkenntnisse zu generieren. Erkenntnisse sind Gedanken oder mentale Darstellungen dessen, was um uns herum geschieht. Aber nicht immer entsprechen diese Erkenntnisse der Realität. Der Patient, der an einer psychischen Störung leidet, soll deshalb seine Überzeugungen erkennen und hinterfragen. Dann wird er bereit sein, sie neu zu formulieren. Das Ziel besteht in der Generierung von Erkenntnissen, die eher der objektiven Realität entsprechen.

Die kognitive Revolution

In den 50er Jahren entstammten vorherrschende Paradigmen der Verhaltens- oder Lernpsychologie. Zugegeben, es ist hiermit gelungen, eine Vielzahl von psychologischen Phänomenen zu erklären. Dennoch stieß die Verhaltens- und Lernpsychologie häufig an ihre Grenzen, da sie nur das Beobachtbare erklären konnte. Alles, was zwischen Reizen und Reaktionen lag, galt als Epiphänomen. Es war die so genannte „Black Box“, die als irrelevant für das beobachtbare Verhalten betrachtet wurde. Aber schließlich verstand man, dass dieser Ansatz mangelhaft war. Das war der Zeitpunkt, an dem Forscher begannen, die Prozesse des Denkens, des Gedächtnisses und der Fantasie zu studieren – und ihre oft beträchtlichen Auswirkungen auf unser Verhalten.

Ein ähnliches Schicksal ereilt Sigmund Freuds Psychoanalyse, ein Trend, der damals noch verfochten wurde. Auch seine Theorien waren nicht in der Lage, eine Antwort auf sämtliche psychologische Fragestellungen zu geben, obwohl sie als fortschrittlich galten.

Frau mit Wolke als Kopf

Die sogenannte „kognitive Revolution“, die die Interessen der Psychologie auf die mentalen Prozesse ausrichtete, wurde nach und nach eingeleitet. Wer trug noch zu ihr bei?

  • Die von Turing, von Neumann und anderen geprägten Fortschritte in Informatik und Rechenwesen, die es ermöglichten, Maschinen zu entwickeln, die programmierbar und entscheidungsfähig waren
  • Fortschritte in der Kybernetik, begründet durch Wiener
  • Die Informationstheorie von Shannon, der Information als Wahl und Reduktion von Alternativen begriff

Welche Autoren haben die Kognitive Psychologie geprägt?

Wie wir bereits erklärt haben, ist die Kognitive Psychologie aus der Verhaltenspsychologie hervorgegangen, welche zum Beispiel nicht erklären konnte, warum es Menschen gibt, die unterschiedlich reagieren, obwohl gleichermaßen konditioniert wurden. Die bekanntesten Wissenschaftler, die der Kognitive Psychologie einen Platz in der Welt der Wissenschaften schufen, waren:

  • Frederic Charles Bartlett. Er war der erste Professor für experimentelle Psychologie an der University of Cambridge (England, Vereinigtes Königreich). Er postulierte die Theorie der Schemata des Geistes, in der er behauptete, dass Gedanken und Erinnerungen Prozesse seien, die rekonstruiert werden können.
    Indem er den Teilnehmern seiner Studien Fabeln vorlas, fand er heraus, dass sie sich nicht im wahrsten Sinne des Wortes an diese erinnern konnten, selbst wenn die Geschichten wiederholt erzählt wurden. Er stellte fest, dass sich diese Menschen eher an das erinnerten, das zu ihren mentalen Mustern passte.
  • Jerome Bruner. Für diesen Autor gibt es drei Formen des Lernens: die enaktive, die ikonische und die symbolische. Er stellte fest, dass sich Unterricht auf vier Hauptaspekte konzentrieren muss, nämlich auf die Veranlagung zum Lernen, auf die Art und Weise, wie ein Wissensfundus strukturiert werden könne, auf die Sequenzen der Präsentation des Materials und die Art und Häufigkeit von Belohnung und Strafe. Seine wichtigste Schlussfolgerung war, dass ein Schüler mehr und schneller lernen würde, wenn er in das Wissen eingebunden wird, das er zu erwerben und anzuwenden versucht.
  • Howard Gardner. Er formulierte die berühmte Theorie der multiplen Intelligenzen, wonach Intelligenz die Fähigkeit sei, Gedanken zu organisieren und mit Handlungen zu koordinieren. Jede Person habe mindestens acht Arten von Intelligenz oder kognitiven Fähigkeiten. Diese Intelligenzen seien halbautonom, aber funktionieren integriert im Kopf jedes Einzelnen. Jede Person werde eine Art von Intelligenz in höherem Maße entwickeln als alle anderen.
Howard Gardner

  • Jean Piaget. Er war einer der wichtigsten Autoren der Kognitiven Psychologie. Er formulierte die Theorie der kognitiven Entwicklung. Die zugehörigen Phasen seien durch den qualitativ verschiedene Strukturen gekennzeichnet. Es sind diese Strukturen, die bestimmte Fähigkeiten ermöglichen, aber auch Einschränkungen auferlegen.
Jean Piaget

  • David Rumerlhart. Er war ein sehr einflussreicher Autor zur Theorie der mentalen Systeme. Nach Ansicht dieses Forschers seien mentale Schemata Darstellungen allgemeiner Konzepte, die im Gedächtnis gespeichert würden und uns helfen, unsere Welt zu organisieren. Seine Theorie erklärt, wie die Welt in unserem Geist dargestellt wird und wie wir diese Informationen nutzen, um mit der Welt zu interagieren.
  • Jeffrey Sternberg. Sternberg ist vor allem für seine Dreieckstheorie der Liebe bekannt, nach der sich vollendete Liebe aus drei Elementen zusammensetze: aus Intimität, Leidenschaft und Engagement. Im Gegenzug postulierte er auch die triarchische Theorie der Intelligenz, die besagt, dass Intelligenz eine mentale Aktivität sei, die darauf abziele, sich an die relevanten Umgebungen anzupassen, sie auszuwählen und zu gestalten. Intelligenz, so der Forscher, würde sich darin zeigen, wie jeder von uns Veränderungen konfrontiere oder fördere.

Es gibt viele andere Vertreter der Kognitiven Psychologie, wie Lew Wygotsky, Erik Erikson oder David Ausubel, die einen Platz auf dieser Liste verdienen. Auch ihre Beiträge trugen zur Revolution in der Psychologie bei.

Wegen dem, was diese Männer geleistet haben, hat die Psychologie große Fortschritte gemacht. Verhaltenspsychologie ist nach wie vor relevant und wird heute mit der Kognitionspsychologie kombiniert, was ein großer Fortschritt dem gegenüber ist, was wir vor Jahrzehnten wussten. Die Kognitive Psychologie hat die Behandlung verschiedener psychischer Störungen effizienter gemacht.

Aber auch sie ist nicht frei von Einschränkungen. Begründete Kritik wird vor allem an der Annahme geäußert, dass mentale Prozesse und Verhaltensweisen getrennt voneinander abliefen. Oder daran, dass das erstere letzterem notwendigerweise vorausgehen.