Hegels Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft

4. Januar 2019

Die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft ist eine philosophische Theorie von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Sie gilt als eines der Schlüsselelemente seiner Philosophie, welche von zahlreichen anderen Philosophen in späteren Jahren aufgegriffen wurde. Diese Theorie wurde nicht nur zur Grundlage für die materialistische Dialektik von Karl Marx, sondern hatte auch einen starken Einfluss auf die Psychoanalyse.

Für Hegel verdichtet sich die menschliche Realität in der sogenannten Weltgeschichte. Was diese Geschichte prägt, ist die ungleiche Beziehung zwischen den Menschen. Einige seien Tyrannen, während andere tyrannisiert würden. Was die Geschichte bewegt, sind die Konflikte zwischen Menschen, welche wiederum zu Ungleichheit geführt haben. Darauf basiert die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft.

Die Dialektik ist nach Hegel eine Denkweise, bei der zwei Thesen sich widersprechen. Gleichzeitig führt dies zu neuen Konzepten. Es gibt eine These, die bestimmte Argumente aufwirft, gefolgt von einer Antithese, die ihre Probleme und Widersprüche aufdeckt. Die Synthese ergibt sich aus der Dynamik zwischen These und Antithese und wird zu einer Lösung oder einer neuen Perspektive auf die Materie.

Das Verlangen und die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft

In der Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft von Hegel spielt das Verlangen eine sehr wichtige Rolle. Der Philosoph stellte fest, dass Tiere ein Verlangen haben, das mit einem unmittelbaren Objekt befriedigt werden könne. Das Tier wisse zudem nicht, was es begehre. Dies sei bei den Menschen anders.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Für Hegel war Geschichte gleichbedeutend mit der Geschichte der sozialen Beziehungen, die sich seiner Meinung nach offenbarte, wenn sich zwei menschliche Wünsche gegenüberstehen. Was die Menschen wirklich wollen, sei, von anderen gewollt zu werden. Mit anderen Worten, sie wünschen sich die Aufmerksamkeit von anderen. So sei das menschliche Verlangen grundsätzlich ein Verlangen nach Anerkennung.

Die Menschen wollen, dass andere ihnen einen eigenen Wert zuschreiben. Einen individuellen Wert, der sie von anderen unterscheide. Das sei es, was den menschlichen Zustand definiere. Daher sei es nach Hegel das Hauptmerkmal des Menschen, sich anderen aufzuzwingen. Selbstbewusstsein werde nur dann geschaffen, wenn andere die Menschen als eigenständige Wesen erkennen. Zur gleichen Zeit könne Selbstbewusstsein der Grund dafür sein, dass sich Menschen bis zum Tod gegenseitig bekämpfen.

Die Geschichte von Hegels Sicht der Dinge

Hegel konstruierte darauf basierend seine Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft. Es wurde von ihm vorgeschlagen, dass vom ersten Moment der Geschichte an zwei Figuren gebildet würden: der Herrscher und der Knecht, der Meister und der Sklave. Ersterer dränge sich letzterem auf. Er tue dies, indem er die Wünsche des anderen nicht anerkenne. Der Herrscher objektiviere den Knecht. Dieser wiederum müsse dann sein Verlangen nach Anerkennung aus Angst vor dem Sterben aufgeben.

So entstehe im Dominierten eine Form des Bewusstseins. Er akzeptiere den anderen als den Herrscher und sehe sich selbst als Knecht. Daher könne er sein eigenes Selbstbewusstsein nicht formen. Er gehe einfach davon aus, dass nur die Meinung des Herrschers zähle. Dies macht die Essenz der Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft aus.

Evolution vom Affen zum Knecht

All dies habe auch Auswirkungen auf die Produktion. Der Herrscher komme nicht mit dem Rohmaterial oder dem „Ding“ in Berührung, das der Knecht mit seiner Arbeit herstelle. Der Knecht auf der anderen Seite komme damit nur in Kontakt, um es umzuwandeln; aber es gehöre ihm nicht und es sei auch nicht für ihn bestimmt. Es ist wie bei dem Arbeiter, der Ziegelsteine herstellt, aber kein Haus besitzt.

Herrscher und Knechte

Was Hegel vorschlug, ist, dass die Dialektik der allgemeinen Geschichte wie die Dialektik der Herrschaft und der Knechtschaft sei. Seit dem Beginn der Geschichte gab es Dominante und Dominierte; der Herrscher ist eine anerkannte Instanz, während der Knecht für die Anerkennung zuständig ist. Der Knecht hört auf, eine autonome Einheit zu sein, und wird zu etwas, das vom Herrscher geformt wird.

Aufgrund dieser Dominanz bestimmt der Herrscher über den Knecht und zwingt ihn, für ihn zu arbeiten. Diese Arbeit ist nicht der kreative Prozess des Knechts. Stattdessen ist es eine Zumutung, die ihn selbst zum eigentlichen Arbeitsmaterial macht. Es hängt dabei vom Herrscher ab, ob der Knecht überleben kann. Und es gibt immer wieder Momente, in dem sich das Blatt wenden kann. Denn der Knecht ist für den Herrscher unverzichtbar, der Herrscher für den Knecht jedoch nicht.

Eisenkette eines Sklaven

Die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft ist ein Begriff, der in der Geschichte der Philosophie ein Vorher und Nachher markiert hat. Hegels Theorie ist immer noch gültig, 200 Jahre nachdem sie entworfen wurde.

Jojeve, Alexander (2006) La dialéctica entre el amo y el esclavo de Hegel. Madrid, Leviatán