Geistige Dominanz nach dem Vier-Quadranten-Modell von Herrmann: Welches ist dein Quadrant?

· 14. Juni 2018

Der Test zur geistigen Dominanz nach Herrmann ist ein 120 Fragen umfassendes Instrument, mit dem wir herausfinden können, auf welche Art und Weise wir Informationen verarbeiten und welchen Lernstil wir haben. Das zugehörige Modell beschreibt, dass das Gehirn aus vier Quadranten bestehe und dass wir alle eine gewisse Neigung zu einem dieser Typen haben.

Es ist sehr gut möglich, dass einige unserer Leser diesen Test bereits absolviert haben. Es muss jedoch gesagt werden, dass er üblicherweise nicht als alleiniges Instrument angewendet werden kann. Das „Herrmann-Dominanz-Instrument“ besitzt aus neurologischer Sicht keine Gültigkeit; tatsächlich meinen viele Wissenschaftler, dass es Teil der sogenannten Populärpsychologie sei.

„Das Gehirn ist kein aufzufüllendes Glas, sondern eine Lampe, die erleuchtet werden muss.“

Plutarch

Das Thema der zerebralen Dominanz und der Lateralisierung ist sehr umstritten. Sehen wir uns hierzu ein Beispiel an: Dieser Test beruht auf der Annahme, dass die Kreativität ausschließlich der rechten Hemisphäre entstamme. Es muss jedoch gesagt werden, dass diese Annahme nicht ganz korrekt ist, da kreative Prozesse tatsächlich im gesamten Gehirn stattfinden; es wird hierfür jeder Bereich in einer gleichsam anspruchsvollen wie auch wunderbaren Neuroaktivität genutzt.

Bedeutet das, dass das Hermann-Dominanz-Instrument nichts bringe? Ganz im Gegenteil. Es gibt einen Aspekt, der es sehr wertvoll macht und deshalb ist es ratsam, ihn auch anzuwenden. Dieser Test geht von einer wichtigen Prämisse aus: Jede Person wählt ihren ganz eigenen Weg, um Informationen zu verarbeiten, zu integrieren und zu interpretieren.

Hierzu reicht es, einen Studenten zu betrachten, der lernt, oder sogar uns selbst, wenn wir arbeiten. Manche Menschen sind akribischer, konservativer, andere sind innovativ, manche eher der visuelle Typ und wieder andere verarbeiten Informationen besser auf akustische oder kommunikative Signale hin. All das stimmt mit den Hypothesen überein, die dem Herrmann-Dominanz-Instrument zugrunde liegen, und es ist eben diese Klassifikation, die er uns bieten kann.

Frau mit erleuchtetem Gehirn

Geistige Dominanz nach dem Vier-Quadranten-Modell

Bevor wir über dieses in den 90er Jahren entwickelte Instrument sprechen, lohnt es sich, seinen Entwickler, Professor Ned Herrmann, zu erwähnen. Er war Präsident der American Association of Creativity  und einer der Pioniere auf dem Gebiet des kreativen Denkens und der Gedankengänge. Spezialisiert auf Physik und Musik, arbeitete er schon sehr früh bei General Electric, mit einem konkreten Ziel: die Produktion, Motivation und Kreativität der Mitarbeiter zu verbessern.

Dafür hat Herr Herrmann die unterschiedlichen Denk- und Lernstile der Arbeiter analysiert und aus seinen Ergebnissen eine sogenannte Gehirnkarte erstellt. Mit deren Hilfe entwickelte er die Theorie der Gehirnquadranten, die die vier Haupttypen widerspiegeln. Denn er hat vier verschiedene Wege, auf denen wir Menschen lernen, denken, interagieren und unsere Realität erschaffen und verstehen, erkannt.

Diese geistige Dominanz hat er wie folgt beschrieben:

Typ A: Analytische Personen

Ned Herrmann nannte sie Experten. Dieses Profil zeichnet sich durch einen logischen, analytischen Denkstil aus.

  • Sie sind sehr rationale Menschen, die Daten aus konkreten Fakten ableiten.
  • Ebenso neigen analytische Menschen zu Konkurrrenzdenken und individualistischem Handeln. Sie sind oft sehr intelligent – entsprechend des traditionellen Verständnisses von Intelligenz – und haben einen auffälligen Sinn für Humor.
  • Die Berufe, die für diese Art der geistigen Dominanz wie geschaffen sind, sind solche, die mit Mathematik, den Naturwissenschaften oder dem Ingenieurswesen in Verbindung stehen.

Typ B: Der praktische Stil

Dieser Stil beschreibt ein organisiertes Profil, das wir bei Liebhabern der Ordnung und Akribie vorfinden.

  • Sie tun nichts, ohne es vorher geplant zu haben. Sie mögen alles, was vorhersehbar ist, und vor allem das, was unter ihrer Kontrolle steht.
  • Sie vertreten meist eine konservative Einstellung.
  • Im Allgemeinen kann man im praktischen Quadranten Unternehmensleiter, Manager und Buchhalter finden. 

Typ C: Der gefühlsbetonte Typ

Typ C bezieht sich auf jene geistige Dominanz, die zur Emotionalität tendiert, zu der Notwendigkeit, sich mit anderen zu verbinden, beschreibt also diejenigen Menschen, die soziale Kontakte genießen, die sie sich nützlich fühlen lassen.

Sie sind Menschen, die gut kommunizieren können, die oft spontan und extrovertiert sind und die Jobs im Bereich des Journalismus, der Krankenpflege und Sozialarbeit oder auch im Rechtswesen bevorzugen.

Typ D: Der experimentierfreudige Typ

Das vierte Profil bezieht sich auf jene Persönlichkeiten, die durch eine ganzheitliche Mentalität gekennzeichnet sind.

  • Diese Menschen sind spontan und kreativ, sie probieren gern aus und sind deshalb gut darin, Innovationen zu schaffen, obwohl diese ein gewisses Risiko beinhalten. Versuch und Irrtum helfen aber dabei, anfängliche Mängel zu beheben.
  • Sie richten ihren Blick immer auf morgen, versuchen aber aus der Gegenwart zu lernen, um das Beste aus jedem Tag zu machen.
  • Zu den Berufen, die Menschen des Typs D gern ausüben, gehören die des Architekten, Schriftstellers, Musikers, Malers und Designers.
Frau, die an der frischen Luft schreibt

Zusammenfassend können wir sagen, dass sich wohl viele Menschen nicht mit nur einem einzigen Bereich identifizieren können. Das ist normal. Tatsächlich gehen wir davon aus, dass fast 60 % der Bevölkerung Merkmale in mehr als einem dieser vier Quadranten aufweisen.

Ebenso ist es auch wichtig, zu beachten, dass keiner dieser Typen besser ist als ein anderer und dass diese weder bestimmen, wie sich unsere Zukunft gestaltet, noch erlauben sie uns, sie vorherzusagen. Der Test zeigt uns nur, wie wir uns orientieren, wenn wir mit unserer Umgebung interagieren. Er ist deshalb ein einfacher Weg, sich selbst ein bisschen besser kennenzulernen.