Jane Goodall und wie sie zu einer weltweit anerkannten Expertin und Aktivistin wurde

Jane Goodall revolutionierte die wissenschaftliche Landschaft, indem sie der Welt zeigte, dass Schimpansen und Menschen gar nicht so verschieden sind. Aber worin genau bestehen diese Ähnlichkeiten? Lies einfach weiter und finde es heraus!
Jane Goodall und wie sie zu einer weltweit anerkannten Expertin und Aktivistin wurde

Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2021

Jane Goodall ist die weltweit führende Expertin für Schimpansen. Sie kämpft unermüdlich für mehr Respekt und die Erhaltung dieser Tiere. Es ist vollkommen unmöglich, die Forschungsergebnisse jahrzehntelanger Primatenstudien in einem einzigen Artikel zusammenzufassen. Dennoch wollen wir heute versuchen, dir ihre großartigen Beiträge zum Verständnis des Verhaltens von Primaten näherzubringen.

Ebenso unmöglich ist es, ihre außergewöhnliche Persönlichkeit, ihr Engagement für unsere Welt und ihre Liebenswürdigkeit in einem Artikel darzustellen. Aus diesem Grund wollen wir dich heute einfach dazu einlagen, mehr über diese unglaubliche Frau herauszufinden. Jane Goodall ist eines der besten Beispiele dafür, wie kleine Veränderungen einen echten Einfluss auf unsere Welt haben können.

“Die Zerstörung von Lebensräumen hängt sehr häufig mit der Gier und dem Materialismus der industrialisierten Welt zusammen.”

-Jane Goodall-

Jane Goodall - Schimpanse mit Baby

Wer ist Jane Goodall?

Jane Goodall wurde am 3. April 1934 geboren. Sie ist eine englische Primatologin, Ethologin und Anthropologin, die für ihre jahrzehntelangen Studien von Schimpansen im Gombe Stream National Park (Tansania) weltweit bekannt ist.

Schon seit ihrer Kindheit ist sie eine Tierliebhaberin. Aber erst, nachdem sie Tarzan bei den Affen gelesen hatte, verspürte sie das Bedürfnis, nach Afrika zu gehen, um dort Tiere zu studieren. Sie sagte einmal, dass sie eifersüchtig war, weil Tarzan offensichtlich die falsche Jane geheiratet hätte!

Dennoch machte sie ihre ersten Erfahrungen mit der Beobachtung von Tieren bereits im Alter von vier Jahren. Sie wollte damals verstehen, wie Hühner ihre Eier legen. Daher verbrachte sie mehr als vier Stunden damit, diese aus einem Versteck heraus zu beobachten. Da sie so darin vertieft war, riefen ihre Eltern sogar die Polizei, weil sie nicht wussten, wo Jane war.

Als ihre Mutter dann erfuhr, was ihre Tochter getan hatte, war sie sehr interessiert und ermutigte Jane dazu, ihr von deren Beobachtungen zu berichten. Jane sagte immer, dass dank des Interesses ihrer Mutter an jenem Tag eine Wissenschaftlerin geboren wurde.

Auf persönlicher Ebene ist ihr Fall möglicherweise das beste Beispiel dafür, wie die Ermutigung von Kindern, neugierig zu sein und ihnen dabei zu helfen, selber zu experimentieren und Dinge auf die richtige Weise in Frage zu stellen, dazu beiträgt, Kinder großzuziehen, die glücklich, engagiert und leidenschaftlich Dinge tun, die sie begeistern.

Die erste Reise nach Afrika

Als Jane Goodall das erste Mal nach Gombe reiste, wurde sie von ihrer Mutter begleitet. Zu jener Zeit wurde es nicht als sicher angesehen, dass eine junge, ungebundene Frau alleine in diese Gegend reiste. Sie verbrachten vier Monate dort. Während dieser Zeit konnte Jane die Schimpansen aber nur aus einiger Entfernung beobachten.

Später promovierte sie in Ethologie. Infolgedessen konnte sie auch weiterhin das Verhalten von Primaten studieren. Im Jahr 1960 schickte sie der Paläontologe Louis Leakey nach Tansania, um die sozialen und familiären Interaktionen wilder Schimpansen zu beobachten. Und dies war der Beginn mehrerer Jahrzehnte dauernder aufregender Feldstudien.

Janes frühe Entdeckungen und Erkenntnisse

Eines der ersten Dinge, die Jane Goodall über Schimpansen herausfand, als sie diese lediglich aus einiger Entfernung mit einem Fernglas beobachten konnte, war die Tatsache, dass diese dazu in der Lage sind, Werkzeuge zu bauen und zu benutzen.

Zuvor wurde diese Fähigkeit ausschließlich dem Menschen zugeschrieben. Daher zeigte diese Entdeckung, dass Schimpansen den Menschen weitaus ähnlicher sind, als bis anhin angenommen. Allerdings wurde diese Behauptung – wie viele andere auch – in der wissenschaftlichen Welt nicht gut aufgenommen.

Jane beobachtete, dass Schimpansen sehr soziale Wesen sind. Sie verbringen viel Zeit damit, sich gegenseitig zu putzen, miteinander zu spielen oder sich sogar zu kitzeln. Außerdem berühren sie sich gegenseitig, umarmen sich, halten sich an den Händen und küssen sich.

Darüber hinaus studierte Jane Goodall, wie sie ihre Ruflaute und nonverbale Sprache als Ausdrucksform für ihre Angst oder Traurigkeit oder sogar als Warnung vor Gefahren nutzten. Auch dies war eine sensationelle Enthüllung, denn niemand hatte bis dahin vermutet, dass diese typisch menschlichen Verhaltensweisen auch bei Primaten existieren würden.

“Jetzt müssen wir “Werkzeug” neu definieren, “Mensch” neu definieren oder Schimpansen als Menschen akzeptieren.”

-Louis Leakey-

Mütterliches Verhalten bei Schimpansen und Menschen

Bezüglich des mütterlichen Verhaltens gibt es Beispiele, die wir heute mit zwei verschiedenen Erziehungsstilen gleichsetzen könnten. Jane Goodall beobachtete, dass Mütter im Allgemeinen beschützend waren und die Unabhängigkeit ihres Nachwuchses förderten. Sie kümmerten sich um ihre Jungen und stimulierten sie, um deren Entwicklung zu fördern, so wie dies auch menschliche Mütter tun. Dies wird heute als sichere Bindung bezeichnet.

Allerdings beobachtete sie auch eine Schimpansin namens Passion, die eine gleichgültige und unsensible Mutter war. Ihre Gleichgültigkeit demonstriert, welch große Bedeutung mütterliches Verhalten und eine sichere Bindung für die korrekte Entwicklung des Nachwuchses hat. Genau wie bei Menschen auch.

Darüber hinaus entdeckte sie, dass die Schimpansenbabys für viele Jahre von ihren Müttern abhängig sind, während sie gleichzeitig durch Nachahmung ihrer Mütter lernten, allmählich für sich selber zu sorgen. Jane studierte intensiv einen männlichen Schimpansen namens Flint, der noch als “Teenager” Muttermilch trank und der permanenten Aufmerksamkeit seiner Mutter Flo bedurfte.

Seine Mutter war schon alt und sie verstarb eines Tages durch einen Unfall. Flint fand sie. Nachdem er sie für lange Zeit beobachtet hatte, kehrte er in seine Gemeinschaft zurück. Aber er schien zunehmend depressiver zu werden, fraß nichts mehr und starb kurz darauf ebenfalls.

Flints Fall könnte auf die Studie von Spitz über die Auswirkungen der Trennung von Mutter und Kind extrapoliert werden. Die Trennung kann dazu führen, dass das Kind eine anaklitische Depression oder ein Krankenhaussyndrom erfährt, was zum Tod durch Marasmus (eine Form von schwerer Unterernährung) führen kann.

Nur ein sehr kleiner Prozentsatz von Jane Goodalls Erkenntnissen wurde publiziert. Es waren nur die wichtigsten und diejenigen, die sich am leichtesten zum Verständnis des menschlichen Verhaltens nutzen ließen. Dennoch waren ihre Studien die Grundlage für alle nachfolgenden Forschungen über Schimpansen.

Ihre Forschungsarbeit machte sie zur weltweit bedeutendsten Primatologin. Daher hat sie auch zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten.

Kritik an Jane Goodall und ihrer Arbeit

Sobald sie für ihre Promotion an die Universität kam, wurde ihr vorgeworfen, sie hätte falsche Forschungsmethoden angewendet. Außerdem wurde sie dafür kritisiert, dass sie den Schimpansen Namen gegeben hatte. Ihre Kritiker behaupteten, dieses Vorgehen sei unwissenschaftlich und würde auf Anthropomorphismus hindeuten. Andere wiederum bemängelten, dass sie den Schimpansen Emotionen oder Gefühle zugeschrieben hätte. Auch für ihre Behauptung, dass Schimpansen unterschiedliche Persönlichkeiten hätten, erntete sie große Kritik.

Bei zahlreichen Gelegenheiten versuchte man, sie zu diskreditieren. Und dies einfach nur, weil sie eine Frau ist. Dies geschah insbesondere, als sie auf eine mögliche Ähnlichkeit zwischen Menschen und Primaten hinwies.

Viele Schlagzeilen führten ihren Erfolg nicht auf ihre unglaubliche Arbeit zurück, sondern auf ihre schönen Beine und blonden Haare. Doch Jane Goodall ignorierte diese Kritik und nutzte sie sogar teilweise zu ihrem Vorteil, um mehr Geld für die Fortsetzung ihrer Studien zu erhalten.

Jane Goodall - Foto

Von der Forscherin zur Aktivistin

Nach dem Gipfel der Chicago Academy for Conservation, auf dem die Auswirkungen der Entwaldung deutlich wurden, verließ sie das wissenschaftliche Umfeld und wurde Aktivistin. Dank ihres Kampfes für die Erhaltung dieser Primaten und ihres Lebensraums gilt sie als “Weltbotschafterin für Schimpansen”.

Darüber hinaus bietet das Jane Goodall Institute zahlreiche Bildungsprogramme und Konferenzen an, um uns Menschen auf die Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Natur aufmerksam zu machen und den Respekt vor Tieren und der Umwelt zu fördern.

Sie glaubt, dass Menschen, egal wie viel Intellekt sie haben, nicht als intelligent bezeichnet werden können, da sie ihren eigenen Lebensraum zerstören.

“Nachdem wir endlich den unglaublichen Schaden erkannt haben, den wir in der Umwelt angerichtet haben, tun wir unser Möglichstes, um technologische Lösungen zu finden.”

-Jane Goodall-

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