Intuitive Theorien im Vergleich zu dem, was Schulen lehren

4. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Intuitive Theorien - ein Kind am Kopfrechnen

Wir wollen zuerst erklären, was intuitive Theorien sind. Vor der Einschulung haben Kinder keinen leeren Verstand. Bevor Kinder überhaupt anfangen, in der Schule zu lernen, haben sie bereits eine Reihe von Theorien aufgestellt, die ihre Realität erklären. Diese werden als „intuitive Theorien“ bezeichnet.

Doch welche intuitive Theorien haben Kinder? Diese Theorien basieren nicht auf einer vollständigen Analyse der Realität, ganz im Gegenteil. Intuitive Theorien basieren auf der schnellen Argumentation der Dinge, die Kinder in wahrnehmen. Man kann sie auch als gesunden Menschenverstand des Kindes bezeichnen.

Sie können falsch oder sehr ungenau sein. Wenn wir wollen, dass Kinder lernen, wie die Welt wirklich funktioniert, müssen wir sie von diesen intuitiven Theorien lösen und diese durch solche ersetzen, die Fakten richtig erklären. Wir glauben, dass das die Aufgabe einer Schule sei, aber erfüllt sie diese Funktion tatsächlich?

In der Tat erstellen und bewahren wir intuitive Theorien unser Leben lang. Wann immer ein Ereignis eintritt, ob physisch, sozial oder emotional, das unser Verständnis übersteigt, kommt unser Gehirn mit einer Theorie des gesunden Menschenverstandes dafür auf. Aber unser gesunder Menschenverstand ist weder Mathematik noch Wissenschaft, obwohl er uns in unserem täglichen Leben regelmäßig zur Hilfe kommt.

Der kleine Prinz gießt eine Rose

Intuitive Theorien und Schule

Hier haben wir ein Problem – unser Bildungssystem behandelt die Schüler, als wären sie passive Wesen, die mit Wissen gefüttert werden müssten. Das ist jedoch nicht wahr – ein Schüler ist wie eine Pflanze, die gegossen werden will, damit sie ihre ganze Pracht entfalten kann.

Lass uns zuerst darüber sprechen, warum Schulen die Schüler als passive Wesen betrachten. Wenn wir eine typische Klasse besuchen, werden wir etwa 20 oder 30 Schüler vor einem Lehrer sitzen sehen, der an einer Tafel unterrichtet. Sie werden über viele Dinge sprechen, die sich die Schüler einprägen und dann in einer Prüfung wiedergeben müssen. Entsprechend dieses Modells ist es die einzige Aufgabe der Schüler, dem Lehrer zuzuhören und zu tun, was dieser sagt.

Wenn die Schüler passiv bleiben, erreichen sie allerdings kein tiefes Verständnis der Themen: Sie merken sich die wörtliche Bedeutung dessen, was der Lehrer ihnen vorgibt. Was passiert also, wenn ein Schüler eine falsche intuitive Theorie hat und nur oberflächlich mit Informationen versorgt wird, die diese widerlegen? Die Antwort ist, dass der Schüler weiterhin an seiner intuitiven Theorie festhält, während er sich an die ihm gelehrten Fakten erinnert, auch wenn beide widersprüchlich zueinander sind.

Zwei widersprüchliche Theorien am gleichen Ort

Wie ist es möglich, dass ein Schüler zwei widersprüchliche Theorien im Kopf behält? Wenn er kein tiefes Verständnis für die richtige Theorie hat, ignoriert der Schüler die bestehenden Widersprüche und folgt seiner Intuition. Wenn der Schüler in der Schule ist und ein Lehrer ihm eine Frage stellt, wird er in seinem Gedächtnis nachschauen und richtig antworten. In einer realen Situation wird er jedoch seine intuitive Theorie anwenden, an die er wirklich glaubt.

Um das zu verstehen, machen wir eine kleine Übung. Denke einen Moment über die folgende Frage nach: Wenn wir sehr hoch nach oben springen, während wir eine Rolltreppe hinaufgehen, auf welcher Stufe landen wir dann: auf der gleichen, auf der wir standen, der über ihr oder der unter ihr?

Die Intuition sagt uns, dass wir beim Springen in der Luft blieben, während die Rolltreppe weiterläuft, also würden wir auf der nächsttieferen Stufe landen. Aber das ist falsch, Newtons Trägheitsgesetz sagt uns, dass jeder bewegte Körper in Bewegung bleibt, wenn keine anderen Kräfte auf ihn wirken, deshalb würden wir auf derselben Stufe landen, da wir die ursprüngliche Bewegung – die Geschwindigkeit der Rolltreppe – während des Sprungs beibehalten würden.

Wenn du die Frage richtig beantwortet hast, herzlichen Glückwunsch! Wenn du dich geirrt hast, mach dir keine Sorgen, vor Kurzem wurden einige Physikstudenten vom Psychologen J. Clement dasselbe gefragt, und die Mehrzahl von ihnen gab eine falsche Antwort. So können wir zeigen, dass Studenten, obwohl sie komplizierte physikalische Aufgaben perfekt lösen können, indem sie jene Theorien anwenden, die sie während ihres Studiums gelernt haben, auf ihre intuitiven Theorien hören, sobald ihnen eine Frage außerhalb der akademischen Welt gestellt wird.

Gibt es eine Lösung für dieses Problem?

Um sicherzustellen, dass jene Theorien, die die Realität richtig erklären, sich durchsetzen, ist es notwendig, den Schülern ein tiefgründiges Verständnis für diese beizubringen. Leider ist das derzeitige Bildungssystem dazu nicht in der Lage. Das liegt daran, dass Schüler nicht aktiv in den Lernprozess einbezogen werden.

Vier Menschen mit Sprechblasen in vier Farben

Um ein solches Verständnis zu erreichen und falsche intuitive Theorien defenitiv abzulehnen, sollte das Klassenzimmer ein Ort der Diskussion sein, an dem die Schüler ihre Theorien erklären und mit Hilfe des Lehrers so anpassen können, dass sie der richtigen Theorie näherkommen.

Die Frage, die wir beantworten müssen, lautet: Wie können wir das Klassenzimmer in einen Raum für Diskussionen verwandeln?

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