Internet-Spielstörung: Worum geht es?

· 23. März 2019

In letzter Zeit fordern immer mehr Menschen eine Behandlung für Teenager mit Problemen bei der Internetnutzung. Dies liegt daran, dass die Internet-Spielstörung bei jungen Menschen immer häufiger auftritt. Sie nutzen das Internet, um über verschiedene Geräte auf eine Vielzahl von Inhalten zuzugreifen. Die Hauptziele der Internetnutzung bestehen für sie darin, Spaß zu haben, neue Freunde zu finden oder zu lernen, aber es ist längst nicht allen Nutzern klar, wo die Grenze zur Sucht verläuft.

In den letzten Jahren haben wissenschaftliche Studien immer wieder gezeigt, dass eine unangemessene oder übermäßige Nutzung des Internets negative Folgen haben kann. Diese Konsequenzen beeinflussen den Alltag der Person und ihrer Familie, deren zwischenmenschliche Beziehungen oder emotionale Stabilität.

Online-Spielsucht: Ist sie real?

Im Diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen  heißt es, dass die Internetsucht allein nicht als psychische Störung eingestuft werden könne. Es wird jedoch das Bestehen einer Internet-Spielstörung vorgeschlagen.

Diese Differenzierung hat verschiedene Studien motiviert. Dank ihnen gibt es genügend Beweise, um zu bestätigen, dass ein übermäßiger Einsatz von Videospielen gleichermaßen negative Folgen haben kann wie jede andere bekannte Sucht.

Jugendlicher spielt Videospiele.

Diagnosekriterien

Hier sind die diagnostischen Kriterien, die erfüllt werden müssen, um jemanden mit einer Internet-Spielstörung gemäß Diagnostischem und statistischen Leitfaden psychischer Störungen  diagnostizieren zu können. Sie ist primär definiert über die „wiederholte Verwendung von Online-Spielen, oft zusammen mit anderen Spielern, die zu klinisch signifikanten Problemen im Alltag führt“.

Darüber hinaus müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien zutreffen:

  1. Beschäftigung mit Internet-Spielen. Der Betroffene denkt über frühere Spielaktivitäten nach oder wartet darauf, das nächste Spiel zu spielen. Das Spiel wird zur dominierenden Aktivität im täglichen Leben, womit aber definitiv kein Glücksspiel gemeint ist. Die entsprechende Störung unterscheidet sich von der Internet-Spielstörung und wird als Glücksspielstörung bezeichnet.
  2. Entzugserscheinungen, wenn nicht auf Internetspiele zugegriffen werden kann. Oft werden Reizbarkeit, Angst oder Traurigkeit beschrieben, jedoch keinerlei körperliche Anzeichen für einen Substanzentzug.
  3. Toleranzentwicklung. Es besteht die Notwendigkeit, immer mehr Zeit mit Internet-Spielen zu verbringen.
  4. Erfolglose Versuche, die Teilnahme an Internet-Spielen zu regulieren.
  5. Verlust von Interesse an früheren Hobbys und Unterhaltung, mit Ausnahme von Internet-Spielen.
  6. Übermäßiger Gebrauch von Internet-Spielen trotz Wissen über psychosoziale Probleme.
  7. Täuschung von Familienmitgliedern, Therapeuten oder anderen in Bezug auf die mit Internet-Spielen verbrachte Zeit.
  8. Verwendung von Internet-Spielen, um einer negativen Stimmung zu entkommen oder diese zu lindern, z. B. Gefühle der Hilflosigkeit, Schuld oder Angst.
  9. Verlust oder Gefährdung einer bedeutende Beziehung, eines Job oder einer Bildungs- oder Karrieremöglichkeit aufgrund der Teilnahme an Internet-Spielen.

Wie bereits angedeutet, umfasst diese Störung nur Internet-Spiele, die nicht dem Glücksspiel zuzuordnen sind. Sie schließt auch nicht die Nutzung des Internets ein, um die für ein Unternehmen oder einen Beruf erforderlichen Aktivitäten auszuführen. Darüber hinaus beabsichtigt diese Störung nicht, andere Freizeit- oder soziale Zwecke des Internets zu verurteilen.

Die Internet-Spielstörung ähnelt Sucht

Die Störung ist durch eine übermäßige und lang anhaltende Verwendung von Online-Spielen gekennzeichnet. Dies führt zu einer Gruppe von kognitiven und verhaltensbezogenen Symptomen, wie z. B. einem fortschreitenden Verlust der Kontrolle über Spiele, einer Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen, wenn das Bedürfnis nach dem Spiel nicht gestillt werden kann. Diese ähneln den Symptomen beim Substanzmissbrauch.

Wie bei substanzbedingten Störungen sitzen Menschen mit einer Internet-Spielstörung weiterhin vor einem Computer und spielen Online-Spiele, obwohl ihnen bewusst ist, dass sie andere wichtige Aktivitäten vernachlässigen, für die ihnen schlicht die Zeit fehlt. Sie verbringen oft viele Stunden pro Tag und mindestens 30 Stunden pro Woche mit dieser Aktivität. Wenn sie keinen Computer benutzen oder Internetspiele spielen können, werden sie reizbar und wütend. Die Schwere ihrer Sucht kann außerdem dazu führen, dass sie längere Zeit ohne Essen oder Schlafen verbringen.

Jugendlicher spielt mit einem Controller.

Soziale Spiele, die den Alltag stören

Das wesentliche Merkmal dieser Störung ist eine anhaltende und wiederkehrende Teilnahme an Internet-Spielen, typischerweise an Gruppenspielen, über viele aufeinanderfolgende Stunden. Ein damit einhergehendes Symptom derjenigen, die an einer Internet-Spielstörung leiden, ist, dass sie normale Verpflichtungen wie Schularbeiten oder familiäre Pflichten missachten.

Diese Spiele beinhalten den Wettbewerb zwischen Gruppen oder verschiedenen Spielern, die sich meistens in verschiedenen Teilen der Welt befinden, und implizieren komplexe und strukturierte Aktivitäten mit sozialer Interaktion. Ja, der Teamgeist scheint bei dieser Störung ein wesentlicher Motivationsfaktor zu sein. Menschen mit dieser Störung widersetzen sich den Versuchen anderer Menschen, sie auf schulische Aufgaben oder andere Pflichten aufmerksam zu machen, lehnen persönliche, familiäre oder berufliche Tätigkeiten ab. Ihrer Spielegruppe aber fühlen sie sich verpflichtet.

Auf der anderen Seite geben die Befragten oft an, dass sie den Computer verwenden, um „Langeweile zu vermeiden“, anstatt zu kommunizieren oder nach Informationen zu suchen. Bei einigen der untersuchten Personen stellten Forscher eine Aktivierung in bestimmten Regionen des Gehirns fest, die durch Internet-Spiele ausgelöst wurde und die nicht auf das Belohnungssystem beschränkt war.

Wenn du nun glaubst, dass du oder ein Familienmitglied an einer Internet-Spielstörung leidet, solltest du dir am besten an professionelle Hilfe suchen. Zögert nicht, einen Psychologen aufzusuchen. Sie können helfen, diese Sucht zu überwinden und die Auswirkungen auf das reale Leben zu reduzieren.