In welchem Zusammenhang stehen unsere Gefühle und Rückenschmerzen?

· 15. Juni 2018

Platon pflegte zu sagen, dass der Körper das Gefängnis der Seele sei. Denn manchmal ist er der Überbringer der Botschaft, dass etwas schmerzt, dass etwas nicht stimmt, anstatt als unser Verbündeter aufzutreten. So ist es auch in diesem Fall. Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, ob unsere Gefühle und Rückenschmerzen miteinander zusammenhängen. Die Antwort auf diese Frage könnte nicht eindeutiger sein: Unsere Emotionen erzeugen Muskelverspannungen und -schmerzen, gegen die Medikamente oft nicht helfen.

Wenn wir von Rückenschmerzen sprechen, beziehen wir uns auf eine der häufigsten Erkrankungen der Bevölkerung. Man schätzt, dass 1 von 10 Menschen häufig unter Rückenschmerzen leide und dass dies auch eine der Hauptursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten am Arbeitsplatz sei. Darüber hinaus, und trotz der Tatsache, dass diese Krankheit ganz unterschiedliche Ursachen haben kann – schlechte ergonomische Bedingungen am Arbeitsplatz, Osteoporose, Arthritis, Bandscheibendegeneration usw. – gibt es einen Aspekt, der oft vernachlässigt wird.

Jedes mentale Leiden und emotionale Unbehagen kann zum Auftreten körperlicher Beschwerden führen, wobei der Rücken der am stärksten betroffene Körperbereich ist.

Wir sprechen natürlich vom Zusammenhang zwischen Geist und Körper. Vor allem von unseren Gefühlen und ihren Auswirkungen auf diese sehr komplexe, aber fantastische Kombination aus Knochen, Bändern, Sehnen, Muskeln, Gelenken und Nerven. Faktoren wie Stress oder Angst erzeugen kleine Veränderungen in diesen Strukturen, die nach und nach zu Entzündungen und schmerzhaften Schüben führen, die unsere Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Rücken einer Frau in Form eines Gefängnisses

Wie unsere Gefühle Rückenschmerzen begünstigen

Die Art und Weise, wie Gefühle den Rücken beeinflussen, ist so vielfältig wie eindrucksvoll. Es gibt Experten, die nur allzu gern darauf hinzuweisen, dass die Wirbelsäule nicht nur unsere physischen, sondern auch emotionale Lasten trage. Sie ist die Säule unserer Existenz, und wir sprechen hier nicht von etwas Spirituellem oder Transzendentalem. Wir müssen uns nur an seine Funktion erinnern: Er schützt und bedeckt unser empfindliches Nervensystem.

Verspannungen, Versteifungen oder, schlimmer noch, chronische Rückenschmerzen zu haben, setzt uns außer Kraft, was uns dazu zwingt, innezuhalten. Schmerzen sind in erster Linie der Wachhund vor unserer Haustür, der jedes Mal Alarm schlägt, wenn er eine Gefahr wittert. Diesen Hund mithilfe von Medikamenten zum Schweigen zu bringen, nützt rein gar nichts, wenn wir nicht die Ursache kennen, wenn wir nicht ausfindig machen, was die „Stütze unseres Körpers“ einreißen und das Gleichgewicht unserer physischen Existenz ins Wanken bringen will.

Traurigkeit, Sorgen und Stress können zu Rückenschmerzen führen

So erstaunlich es uns auch erscheinen mag, sind Rückenschmerzen eines der häufigsten körperlichen Symptome bei Patienten mit Depressionen oder einer generalisierten Angststörung. So kommt es oft vor, dass betroffene Menschen unzählige Physiotherapeuten und Spezialisten für Wirbelsäulenleiden aufsuchen, ohne Schmerzminderung zu erfahren, ohne ein Mittel gegen diese wiederkehrenden Rückenschmerzen zu finden, bis sie schließlich von einem Psychologen oder einem anderen Spezialisten für mentale Gesundheit die richtige Diagnose erhalten.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Schmerz vor allem eine neurologische Empfindung ist, die durch Rezeptoren vermittelt und über Nerven weitergeleitet wird. Bei diesen Zuständen, die von Furcht, Angst, Enttäuschung oder Entmutigung gekennzeichnet sind, existiert in unserem Gehirn ein chemisches Ungleichgewicht. Ein Ungleichgewicht zwischen Serotonin und Noradrenalin führt beispielsweise zu einer Zunahme der Schmerzwahrnehmung.

Mann mit Rückenschmerzen

Diese durch Stress oder Angst gekennzeichneten Zustände wiederum führen zu einem höheren Kortisolspiegel im Blut. Dieses Hormon verstärkt die Muskelspannung und begünstigt sogar das Auftreten bestimmter Autoimmunprozesse, die die Gelenke angreifen, Entzündungen der Nerven fördern und sogar den Kalziumgehalt in unseren Knochen verringern können.

Emotionale Schmerzen und Rückenschmerzen

Schwimmen, Entzündungshemmer, Muskelrelaxantien etc. – keiner dieser Ansätze funktioniert, wenn der Betroffene tatsächlich unter emotionalen Schmerzen leidet. Wie uns in einem Artikel des Magazins Psychology Today erklärt wird, sei emotionales Leiden der Indikator dafür, dass ein Teil unseres Wesens gebrochen und fragmentiert sei. Diese unsichtbare Verletzung wird normalerweise in Form von Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen usw. somatisiert.

Im Medical Center der Duke University (North Carolina, USA) arbeiten Experten an der Behandlung dieser Art von Zuständen. Dr. Benson Hoffman erklärt, dass fast 80 % aller Menschen mindestens gelegentlich Rückenschmerzen hätten. Sie seien die weitverbreitetsten Schmerzen, was zeige, wie Gefühle den Rücken beeinflussen und wie das mit Traurigkeit oder Enttäuschung verbundene emotionale Leid sich in diesem Bereich unseres Körpers bemerkbar mache.

Dieses Thema ist zweifellos so faszinierend wie aufschlussreich.

Die Art und Weise, in der Gefühle Rückenschmerzen beeinflussen, hängt immer von unserer Fähigkeit ab, unsere Sorgen und alltäglichen Anspannungen zu bewältigen, die wir lieber verbergen, bevor wir sie ans Tageslicht kommen lassen.

Wie können wir Rückenschmerzen, die im Zusammenhang mit unseren Gefühlen stehen, vorbeugen und behandeln?

Stellen wir uns einen Moment lang folgendes Bild vor: Wir haben einen Köcher mit Pfeilen auf unserem Rücken, ein Köcher voller Pfeile, die dazu bereit sind, Schmerzen zu zerstören, besser mit ihnen umzugehen und uns vor dem zu verteidigen, das sich an uns festklammern will, um zu Schmerz zu werden.

  • Eine Möglichkeit, einen gut ausgestatteten Köcher zu erhalten, ist die Biofeedback-Therapie. Dabei handelt es sich um eine Übung, in der dem Patienten beigebracht wird, seine Gesundheit zu verbessern, indem er sich bestimmter Aspekte wie Blutdruck, Herzfrequenz oder Muskelspannung bewusst wird. Sie besteht im Wesentlichen darin, das Gehirn so zu trainieren, dass es zu unseren Gunsten arbeitet, indem wir auf Prozesse aufmerksam werden, die wir vorher nicht berücksichtigt haben.
  • Auch die kognitive Verhaltenstherapie ist eine weitere sehr hilfreiche Option, um eine bessere Kontrolle über unsere Gedanken zu haben, Emotionen zu bewältigen und angemessenere sowie nützlichere Verhaltensweisen für uns zu begünstigen.
  • Dass Gefühle und Rückenschmerzen miteinander zusammenhängen, ist mehr als offensichtlich. Daher sollten wir unbedingt verschiedene Techniken ausprobieren, um diejenige für uns zu finden, die unseren Eigenschaften am besten entspricht. Die American Association of Chronic Pain  empfiehlt, mehr Vitamin-B-reiche Lebensmittel auf unseren Speiseplan zu setzen und sogar Gebrauch von sogenannten Ablenkungstechniken zu machen, d. h. bestimmte Bilder, Aromen und sogar Musik als Ablenkung zu nutzen, um zu lernen, Schmerzen abzuwehren.
Blonde Frau hält hinter ihrem Rücken eine rote Blume

Jetzt kennen wir den Zusammenhang zwischen Gefühlen und Rückenschmerzen. Wir wissen, dass der Geist in direkter Verbindung mit unserem Körper steht und dass unser Gehirn manchmal ohne Rücksicht auf Verluste die Kontrolle übernimmt und jegliche Besorgnis, Wut oder ungelöste Probleme auf unserem Rücken ablädt. Wir sollten lernen, dem vorzubeugen, uns so sehr um unsere Emotionen zu kümmern wie wir uns auch um unsere Ernährung kümmern, und wir sollten niemals vergessen, wie wichtig „Bewegung“ ist. Ein Körper, der in Bewegung ist, und ein Geist, der sich von Zeit zu Zeit von Lasten befreien kann, sind ebenfalls entscheidend für unsere Gesundheit.