Ich kann dir beibringen, zu fliegen, aber deinen Flug nicht lenken

· 11. Oktober 2018

Wenn du Mutter wirst, wenn das Lebewesen, das neun Monate in dir herangewachsen ist, schließlich geboren wird, werden all deine Ängste stärker. Du realisierst, dass es keine größere Unabwägbarkeit gibt, als einem Kind Flügel zu verleihen und ihm das Fliegen beizubringen. Letzten Endes wissen junge Mütter, dass ihr Baby seine eigenen Wege gehen muss, wenn es schließlich das Nest verlässt.

Vielleicht ist es deshalb eines der schönsten und gleichzeitig beängstigensten Erlebnisse, Mutter zu werden. Es heißt nicht nur, Leben zu geben, sondern auch, jemandem beizubringen, wie man es lebt. Es heißt, sich der eigenen Schwächen und Fehler bewusst zu werden. Als junge Mütter müssen wir mit unseren Kindern wachsen.

Der Geburtsttermin ist der einzige Tag, von dem du schon vorher weißt, dass du jemanden treffen wirst, der dich verändern wird und den du verändern wirst – für immer.

Eltern küssen Baby

Vor der Geburt haben viele junge Mütter Zweifel

Vor der Geburt, lange bevor das Kind anfängt, zu fliegen, schwimmen junge Mütter meist in einem Meer voller Zweifel. Wie sie sich ernähren sollen, ob sie Sport während der Schwangerschaft treiben können … junge Mütter müssen an Vieles denken. Dazu kommen zahlreiche Fachzeitschriften und Bücher übers Muttersein und die gut gemeinten, oft überwältigenden Ratschläge von all den Frauen, die bereits Mütter sind. Diese Ratschläge mögen beispielsweise dem widersprechen, was medizinisches Fachpersonal empfiehlt. Was können wir also tun, um gute Mütter zu sein und Fehler zu vermeiden?

Auch wenn es widersprüchlich klingt: Das Erste, was wir tun müssen, ist, anzunehmen, dass wir Fehler machen werden. Wir sind nicht perfekt und alle Mütter vor uns haben Fehler gemacht – meist ohne dass es gravierende Folgen gehabt hätte. 

Den besten Leitfaden fürs Muttersein wirst du in dir selbst finden. Schließlich kennt niemand dein Kind und deinen Körper so gut wie du. Schon bald nach der Geburt sind es eben jene jungen Mütter, die besser als niemand sonst die unterschiedlichen Schreie ihres Babys erkennt.

Wirst du Zweifel haben? Natürlich – es ist eine neue Erfahrung. Jedoch werden dir deine Familie, Freunde und Fachpersonal immer zur Seite stehen, dir den bestmöglichen Rat geben und dich vor Falschinformationen über das Muttersein, die schädlich sein können, nach bestem Wissen und Gewissen warnen.

Mama, deine Arme waren immer offen, wenn ich eine Umarmung wollte. Dein Herz verstand, wenn ich einen Freund gebraucht habe. Deine zärtlichen Augen haben sich verengt, wenn ich eine Lektion lernen musste. Deine Stärke und deine Liebe haben mich geführt und mir Flügel gegeben.  

Mutter und erwachsene Tochter

Wenn Kinder sich entschließen, das Nest zu verlassen

Wenn die Kinder aufwachsen, üben sich ihre Eltern wahrlich in Improvisation. Niemand kommt mit all dem Wissen daher, dass er in Sachen Erziehung braucht, und oft haben wir keine Ahnung von den Situationen und Problemen, mit denen wir konfrontiert werden. Wir gehen durchs Leben und nutzen unsere Intuition als Kompass, sowie all die Hilfe und Vorstellungen, die uns andere vermitteln.

Die Aufgabe junger Mütter besteht darin, eine Richtung zu weisen, die die Werte repräsentiert, die sie ihre Kindern verinnerlichen lassen möchte, und sie dazu einzuladen, diese zu erkunden. Das heißt, ihnen beizubringen, zu fliegen, sie aber schließlich doch ihren eigenen Weg wählen und planen zu lassen. Sie selbst werden es sein, die über ihren Flug bestimmen.

Sie werden Fehler machen. Sie werden Entscheidungen treffen, die dir nicht gefallen werden. Du wirst sie leiden und weinen sehen, aber sie werden auch lachen und wachsen. Das ist eine der besten Seiten am Muttersein und es wird dich stolz machen, zuzusehen, wie sie sich entwickeln und erwachsen werden. Zu wissen, dass du das Beste gegeben hast, damit deine Kinder nun fliegen können. Ihnen zuzusehen, wie sie das Nest verlassen und mit Mut und Verantwortungsbewusstsein ihren eigenen Weg wählen. Dies wird die Freude vollkommen machen, die zur selben Zeit geboren wurde wie deine Kinder.

„Du lehrst, zu fliegen, aber sie fliegen nicht deinen Flug. Du lehrst, zu träumen, aber sie träumen nicht deinen Traum. Du lehrst, zu leben, aber sie leben nicht dein Leben. Doch in jedem Flug, in jedem Traum, in jedem Leben, wird immer die Spur des gelehrten Weges zu finden sein.“

Heilige Mutter Teresa von Kalkutta