Ich habe gelernt, mein Herz nur an jemanden zu verschenken, der meine Seele liebt

· 23. Dezember 2016

Im Laufe der Zeit verstehen wir, dass wir nicht mit dem Körper, sondern mit der Seele lieben. Dass die wahre Leidenschaft dort zu finden ist, wo unser Sein unseren Körper verlässt, um Teil zweier Seelen zu werden, die sich öffnen, die sich entblößen, um Zuneigung, Zugehörigkeit und Gefühle zu zeigen. Zwei Seelen, die im Stillen tanzen und sich als etwas Gemeinsames fühlen.

Experten sagen uns, dass die Haut das wichtigste sexuelle Organ des Menschen sei. Wir Menschen brauchen es, berührt zu werden, um zu überleben, und hin und wieder reicht es uns, gestreichelt zu werden, um tausende sensorische Rezeptoren zu aktivieren, die dazu in der Lage sind, ein Gefühl zu erzeugen. Doch bei der wahren Liebe ist die Symphonie der Gefühle, die durch Berührungen ausgelöst wird, nicht immer ausreichend. Wir wollen noch mehr.

„Unter deiner Haut lebt der Mond.“

Pablo Neruda

Die besten Liebesgeschichten finden wir normalerweise nicht in Büchern. Sie werden auf unserer Haut mit unsichtbarer Tinte geschrieben, die vom Rest der Welt nicht wahrgenommen werden kann, für uns aber sichtbar ist. Denn diese Liebesgeschichte ist mit den Fingerkuppen dieser weisen Finger und deren Schatten auf unsere Haut gezeichnet worden. Die Form unseres Körpers wurde mit ihnen nachgeahmt. Diese Finger waren es, sind es, die unsere Seele erwecken, um sich mit der der anderen Person zu verbinden und dem Leben somit einen wahren Sinn zu geben.

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Die Seele: Suche mich unter meiner Haut

Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, bei dem die Welt stillsteht, bei dem Gefühle, Werte und gemeinsame Verbindungen für einen Moment magisch sind. All das zusammen ist wie ein Rausch an Gefühlen, wo alles plötzlich perfekt zusammenpasst, wo alles harmoniert und es keine Leere gibt, die gefüllt werden muss. Die Seele und das Herz erwachen genau dann aus ihrem Winterschlaf, wenn wir davon überzeugt waren, dass wir die wahre Liebe nicht mehr finden würden.

Denn es kommt einmal der Moment, an dem wir es leid sind, diese feigen Lieben zu erleben, die nichts riskieren, die wie ein Sturm am Ende des Sommers aufziehen und ihn trüben. Nach der Leidenschaft und gegebenen Versprechen in gefühlvollen Nächten kommt die Ruhe und der strahlende Morgen, der keinen Platz mehr für Lügen lässt und an dem nur noch ein leeres Kissen auf der anderen Seite des Bettes und die Trümmer der zerbrochenen Träume, in Tränen getränkt, bleiben.

Doch eines Tages verstehen wir. Wir sammeln die zerbrochenen Scherben mithilfe unserer eigenen Liebe auf, um sie mit der größten Würde wieder zusammenzufügen. Wir sagen uns immer wieder folgendes Mantra vor: „Nie wieder werden wir so verletzt werden.“  Wir lernen, dass der beste Liebhaber derjenige ist, der sich traut, über die Berührungen unserer Haut hinauszugehen und sich emotional vor uns zu entblößen.

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Wenn die Chemie zwischen zwei Menschen im wahrsten Sinne des Wortes stimmt

Die Chemie der Liebe existiert, findet inmitten unseres Kopfes statt und ist wie ein drittes Auge. Es ist die sogenannte Hypophyse, die Hormondrüse, die ein magisches und erstaunliches Hormon ausschüttet: das Oxytocin.

Wir alle können zu einem bestimmten Zeitpunkt sexuell aktiv werden, und genau in diesem Moment ist unser Gehirn überflutet von Emotionen und Neurotransmittern, die unsere grundlegendsten Instinkte zum Leben erwecken. Wenn man seine Sexualität demnach auslebt und sich an ihr erfreut, wird das Hormon Oxytocin freigesetzt.

Dieses Hormon erweckt bei uns das Bedürfnis, achtzugeben, aufmerksam zu sein und es weckt unseren Beschützerinstinkt. Es erfüllt uns mit Wärme, Liebe und der intelligentesten Leidenschaft, die daran interessiert ist, eine permanente Verbindung entstehen zu lassen, und wir sind darüber hinaus frei von jeglichen Ängsten und Unsicherheiten. Tatsächlich gibt es viele Studien, die besagen, dass ein Orgasmus wesentlich intensiver sei, wenn dieser chemische und magische Prozess stattfindet.

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Andererseits gibt es, wie wir alle wissen, Paare, die mit der Zeit aufhören, liebende Partner zu sein, und nur noch zu Liebhabern werden. In ihrem Leben gibt es keine Gemeinsamkeiten mehr, obwohl sie unter einem Dach leben. Sie haben keine gemeinsamen Vorstellungen mehr und dennoch sprechen sie im Bett noch immer ein und dieselbe und fantastische Sprache, ohne zu wissen, warum. Es ist gerade so, als würde diese magische Verbindung nur noch in dieser einen bestimmten Situation vorhanden sein.

Die Liebe ist dieses besondere Etwas, das im Herzen und in der Seele zweier Menschen weiterhin besteht, dass über Berührungen hinausgeht und eine Sprache spricht, die nur die weisesten Liebenden verstehen.

Diese Situation in einer Partnerschaft ist die Vorstufe des Lebewohls, weil im Grunde genommen nur noch wenig von diesem durch das Oxytocin erzeugten Gefühl bleibt, das nach und nach immer weniger wird, wie die Glut eines Lagerfeuers, das an diesem Ort zuvor so viel Wärme gespendet hat.

Die Sexualität spricht zweifellos eine eigene und außergewöhnliche Sprache, die wir erlernen müssen. Vor allen Dingen weil nicht jeder das Gleiche sucht. Es gibt Menschen, die diesen alleinigen Kontakt von Haut auf Haut bevorzugen, bei dem es keinen unterzeichneten Vertrag dafür gibt, was morgen passiert. Das sind auf jeden Fall Aspekte, die von Anfang an geklärt werden sollten, damit am Ende nicht einer von beiden enttäuscht ist.

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Es gibt unzählige Experten, die uns außerdem erklären, dass wir heutzutage in einer Zeit des erotischen und sexuellen Kapitalismus leben würden, wo alles hergegeben wird und alles gleichzeitig sehr zerbrechlich ist. Es werden Sexspielzeuge verkauft und uns wird nahegelegt, neue Erfahrungen zu machen. Und noch dazu gibt es immer mehr Dating-Portale, wo es so einfach wie noch nie zu sein scheint, einen Partner zu finden.

Doch nichts von alledem verspricht das wahre Glück. Das sind nur kleine Dopaminquellen, in denen wir das Glück für den Moment finden, wo aber kurz darauf das einsame Herz wieder im Ozean der Hoffnung treibt und wartet. Es sitzt in einem Wartezimmer, wo es sich nach diesen Händen sehnt und auf sie wartet, die unsere Haut wieder streicheln und unsere Seele aufblühen lassen können.