"Ich habe alles, ich sollte glücklich sein": Woher kommt meine Unzufriedenheit?

Dieses Gefühl hat seinen Ursprung oft in der Kindheit. Wenn du ihm nicht auf den Grund gehst und daran arbeitest, behindert es dein Glück.
"Ich habe alles, ich sollte glücklich sein": Woher kommt meine Unzufriedenheit?
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 04. September 2022

Warum fühle ich mich unglücklich, wenn ich doch alles habe? Woher kommt meine Unzufriedenheit? Warum bin ich einsam, obwohl ich von Menschen umgeben bin? Was hindert mich daran, meine Ängste abzulegen?

Viele Menschen, die zur psychologischen Beratung kommen, stellen sich diese Fragen. Sie haben Schuldgefühle, erleben Unzufriedenheit oder Einsamkeit und wissen nicht warum. In den meisten Fällen haben diese negativen Gefühle ihren Ursprung in der Kindheit. Möchtest du mehr zu diesem Thema erfahren?

“Soziale Akzeptanz, das Gefühl, geliebt zu werden, hat so viel Kraft, weil es das Gefühl der Einsamkeit in Schach hält.”

Rollo May

Frau stellt sich die Frage: Woher kommt meine Unzufriedenheit?
Es gibt Schuldgefühle, die wir seit der Kindheit in uns tragen.

Unzufriedenheit und Schuldgefühle

Normalerweise sprechen wir von Menschen, die ein funktionierendes Leben führen und in den verschiedenen Bereichen ihres Lebens kompetent sind. Das Problem ist, dass sie das Gefühl haben, alles zu haben, aber gleichzeitig tragen sie ein Leiden in sich, das sie weder verstehen noch begreifen können.

Es kann schwierig sein, die Ursachen für die Unzufriedenheit zu erkennen. Diese Verwirrung tritt oft bei Menschen auf, die in ihrer Kindheit oder Jugend alles hatten, deren emotionale Bedürfnisse jedoch nicht befriedigt wurden. Die Bezugspersonen – in der Regel die Eltern – hatten vielleicht aus beruflichen oder anderen Gründen keine Zeit oder zeigten kein Interesse. Eine typische Antwort: “Ich arbeite den ganzen Tag, damit es dir an nichts fehlt. Sei nicht so egoistisch.”

Die Bindungstheorie (Ainsworth, 1969; Bowlby, 1990) erklärt, dass wir den Bindungsstil unserer Eltern nachahmen. Wir beobachten also, wie unsere Vorbilder handeln und prägen uns dieses Verhalten ein. Manche Menschen lernen dadurch in ihrer Kindheit, sich von ihren affektiven Bedürfnissen abzukoppeln und ihr psychisches Wohlbefinden durch materielle Dinge oder eine toxische Produktivität zu befriedigen.

Frau mit Unzufriedenheit und Schuldgefühlen
Personen, die sich unzufrieden fühlen, obwohl sie alles haben, erleben oft Bindungsprobleme. Sie erkennen ihre wahren Bedürfnisse nicht und verfangen sich häufig in Wut und Groll.

Ich habe alles, aber …

Was bedeutet es, alles zu haben? Denke darüber nach, denn du wirst vielleicht feststellen, dass du mit dieser Aussage nur versuchst, deinen Schmerz zu lindern. Die Unzufriedenheit entsteht jedoch nicht aus dem Nichts, sie erfüllt eine Funktion. Du musst den Ursachen auf den Grund gehen und diese liegen normalerweise im emotionalen Bereich.

Blicke zurück in deine Kindheit: Haben sich deine Eltern um deine emotionale Gesundheit gekümmert? War ihnen der berufliche Erfolg wichtiger als alles andere? Du hast vielleicht gelernt, dass nur Leistung zählt, wenn es darum geht, von anderen geschätzt oder geliebt zu werden.

Psychologische Hilfe ist in diesem Zusammenhang sehr vorteilhaft, denn du benötigst Strategien, um deine Innenwelt zu erkunden, deine Gefühle zu akzeptieren und Wege zu entwickeln, deine Unzufriedenheit abzulegen.

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  • Ainsworth, M.D. (1969). Object relations, dependency, and attachment: a theoretical review of the infant-mother relationship. Child Development, 40, 969-1025.
  • Bowlby, J. (1990). El vínculo afectivo (2ª ed.). Buenos Aires: Paidós.