Ich fühle immer weniger und erinnere immer mehr

· 25. April 2016

Der Schmerz, den wir beim Tod eines geliebten Menschen, beim Weggang des geliebten Partners, in der Enttäuschung über einen Freund spüren, lässt im Laufe der Zeit nach, er verwässert und verliert sich und wir beginnen, uns an die glücklichen Momente zu erinnern, an das Lachen, und wir spüren die Liebkosungen der Bilder der Vergangenheit.

Im Laufe der Zeit, während die Tage und Jahre vergehen, werden unsere Gefühle weicher und wir erfinden neue Erinnerungen.

“Eine gute Erinnerung lässt uns wieder das Glück spüren.”

Gabriela Mistral

Wo entstehen unsere Gefühle?

Studien über die Tätigkeit unseres Gehirns haben gezeigt, dass die menschlichen Emotionen im limbischen System entstehen, einem Geflecht von Strukturen, das unter anderem den Hypothalamus und die Amygdala umfasst.

Vom limbischen System aus werden verschiedene Funktionen gesteuert, wie die Emotionen, Aufmerksamkeit, Freude, Lust, Erinnerungsfähigkeit, Abhängigkeit etc.

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Aber wenn wir verliebt sind, entstehen die entsprechenden Gefühle in anderen Teilen des Gehirns. Daher war es schwierig für die Wissenschaftler, den genauen Ort festzustellen, an dem die mit der Liebe zusammenhängenden Gefühle entstehen.

Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität von Concordia (Kanada) sowie der Universitäten von Syracuse und West Virginia (USA) überprüfte vorhergehende Studien über die Hirntätigkeit im Zusammenhang mit Liebe und Sexualität.

Man kam zu der Schlussfolgerung, dass der Ort, an dem die Liebe entsteht, mit dem Ort, an dem das sexuelle Begehren entsteht, verbunden ist, aber dass beide dennoch getrennt voneinander sind.

Können wir unsere Gefühle steuern?

Manchmal erleben wir unsere Gefühle wie etwas Dunkles oder etwas, was wir nicht ändern können, weil wir niemals eine Erziehung über den Umgang mit Gefühlen erhalten haben. Es wird allgemein angenommen, dass wir das, was wir fühlen, nicht ändern können.

Gefühle kommen von den Emotionen, die in uns durch eine bestimmte Situation oder Person hervor gerufen werden. Emotionen können durch die emotionale Intelligenz gesteuert werden.

Der Begriff der emotionalen Intelligenz wurde von Daniel Goleman in seinem Buch “EQ. Emotionale Intelligenz” geprägt und so verbreitet. Die emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, sich seiner Emotionen bewusst zu sein und sie angemessen zu steuern, sodass sie die Beziehung zu den anderen oder zur Welt im Allgemeinen nicht stören oder lähmen.

“Wenn du jede Situation wie eine Sache auf Leben oder Tod angehst, wirst du sehr oft sterben.”

Adam Smith

Daniel Goleman erfasst die grundlegenden Emotionen in den folgenden sechs Kategorien:

  • Glück: Empfindung von Fülle, Freude und Genuss.
  • Traurigkeit: Dies ist die Empfindung von innerer Unruhe und Leere, Niedergeschlagenheit, fehlender Motivation, oftmals hervorgerufen durch einen Verlust.
  • Ärger: Hierbei handelt es sich um eine Wahrnehmung, die durch ein Hindernis, eine Beleidigung oder eine Unannehmlichkeit verursacht wird.
  • Überraschung: Die Empfindung angesichts eines unerwarteten Ereignisses, das positiv oder negativ sein kann.
  • Angst: Änderung des Gemütszustandes, die Angst vor einer Gefahr oder einer Beeinträchtigung hervorruft, unabhängig davon, ob diese real oder eingebildet sind.
  • Abneigung: Unbehaglichkeit vor etwas, das Unannehmlichkeit oder Missfallen hervorruft.

Wie können wir unsere Emotionen kontrollieren?

Ein System zur Kontrolle der Emotionen ist die Sedona-Methode, die darin besteht, Emotionen auf rasche Weise zu befreien. Man muss sich dabei die folgenden fünf Fragen stellen:

1.- Könnte ich das, was ich fühle, akzeptieren?

Denk an das, was dich bedrückt, was du fühlst, und lass zu, dass deine Emotionen und Gefühle fließen. Erlaube es dir, all das zu fühlen, was du brauchst.

2.- Könnte ich das, was ich fühle, loslassen?

Es geht hier nur darum zu wissen, ob es möglich wäre.

3.- Würde ich dies tun?

Das heißt: Bin ich bereit, dies zu tun?

4.- Wann?

Dies ist eine einfache Einladung, das loszulassen, was du fühlst.

5.- Wiederhole die vorhergehenden vier Schritte so oft, bis du dich vollständig von deinen Gefühlen befreit hast.

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Anfangen, sich zu erinnern

Erinnern heißt im Lateinischen „recordari” und setzt sich zusammen aus “re” – neu – und “cordari” – Herz. Erinnern im Lateinischen bedeutet daher „im Herzen wiederholen„.

Wenn wir uns an einen Menschen erinnern, der gegangen ist, oder an einen Partner, der uns verlassen hat, wiederholen und durchleben wir in unserem Verstand und unserem Herzen all das, was wir mit dieser Person erlebt haben. Vor allem die glücklichen Momente werden dann wieder präsent, jene Situationen, die uns zum Lächeln gebracht haben.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Birmingham und Cambridge (Vereinigtes Königreich) veröffentlichte kürzlich eine Studie, die erwies, dass wir das, an das wir uns erinnern und das wir vergessen, kontrollieren. Das heißt, dass das Vergessen nichts Passives ist.

Um die schlechten Erinnerungen zu kontrollieren, können wir drei Schritte anwenden, die es uns ermöglichen, unser Leben weiterzuleben und die Gegenwart, die wir leben, sowie die Zukunft zu genießen:

– Akzeptieren

Wir können dir Vergangenheit nicht ändern, wohl aber die Gegenwart und die Zukunft. Daher ist es notwendig, die Momente der Vergangenheit loszulassen, die uns schaden, damit wir die Gegenwart befreit von jeglichen Schuldgefühlen leben können.

– Lernen

Wir lernen aus allen Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen, egal ob sie positiv oder negativ sind. Unsere Existenz ist eine ständige Lehrzeit. Finde daher heraus, was dich jede negative Erinnerung lehren will, nimm sie an und lerne, damit du mit diesem Wissen dein Leben weiterführen kannst.

– Vergeben

Vergib anderen und dir selbst. Dies ist eine Form, der negativen Erinnerung eine Grenze zu setzen und weiterzuleben und jeden Moment voll zu genießen.

“Ich fühle immer weniger und erinnere immer mehr, aber was ist die Erinnerung, wenn nicht die Sprache der Gefühle, ein Wörterbuch der Gesichter und Tage und Düfte, die wie die Verben und Adjektive immer wieder in der Rede auftauchen.“

Julio Cortazar