Ich bin zu alt, um mir meine Herzenswünsche nicht zu erfüllen

18. August 2017 en Psychologie 616 Geteilt

Man weiß kaum, wie sich das so zuträgt, aber letztendlich kommt der Tag. Dann erwacht etwas in uns und lässt uns wissen, dass wir nicht mehr jung genug sind, um uns unsere Herzenswünsche nicht zu erfüllen. Und dass wir halbherzigen Umarmungen keinerlei Wert mehr beimessen. Auch nicht den unmotivierten Versuchen oder Nächten, in denen der Mond nicht scheint. Schließlich kommen wir in eine Phase, in der sich die Ängste einfach „verkrümeln“. Wir erreichen ein Stadium, wo Grenzen keine Abgründe mehr sind. In der wir versuchen, neue Gelegenheiten ausfindig zu machen.

Jorge Luis Borges erklärte im Epilog seines Gesamtwerks, das im Spanischen Obras Completas  heißt, dass wir als Menschen unsere Vergangenheit und unser Blut sind, alle Bücher, die wir je gelesen, und alle Menschen, die wir je getroffen haben. Wir müssen dieser Liste allerdings noch etwas hinzufügen. Wir sind auch alle Dinge, die wir nicht zur rechten Zeit tun konnten. Wir sind diese Leeren und gescheiterten Versuche, in denen unsere Herzenswünsche nicht erfüllt wurden. Herzenswünsche, die viel schwerer auf uns lasten als die Fehler, die wir gemacht haben.

„Versagen bedeutet, die Chance zu haben, mit mehr Intelligenz von vorn anzufangen.“

Henry Ford

Man kreiert bloß ein trauriges Trugbild, wenn man sich selbst von Folgendem überzeugt: Für denjenigen, der zu warten vermag, kommen immer Züge des Weges. Das ist ein Satz, der viel zu oft in Selbsthilfebüchern zu finden ist. Er gehört aber zu jenen Fakten, die ihr Ablaufdatum hinter sich haben. Seine inhärente Magie ist verweht wie Rauch aus einem offenen Fenster. Sie kommt niemals wieder. Allerdings wehen bei jedem Sonnenaufgang neue, frischere Winde zum Fenster herein. Und genauso können wir uns mit einer neuen inneren Haltung an schönere Orte heranpirschen.

Bevor wir uns einreden, dass das „in unserem Alter nicht mehr möglich“ sei oder dass „derartige Dinge für jemanden wie mich nicht geeignet“ seien, sollten wir dazu fähig sein, uns von dieser traurigen Melancholie zu lösen. Damit wir unseren Lebenshunger wiederentdecken und unsere Willenskraft und unsere Freude stärken, mit vollen Händen und einem leuchtenden Herzen zu leben.

Unsere Herzenswünsche drängen uns dazu, unsere Komfortzone zu verlassen

Wir sind nicht mehr jung genug, um uns unsere Herzenswünsche nicht zu erfüllen. Oder den wunderschönen Ozean, den wir in uns tragen, einem Nichtschwimmer zu zeigen. Das Meer in uns den Menschen zu zeigen, die die Sprache unserer Wellen nicht verstehen. Es kommt der Moment, ab dem wir die eintönige Routine verabscheuen. Denn sie tröstet uns nicht mehr und erscheint uns jetzt wie ein trauriger Winter, auf den niemals der Frühling folgt. Und laue Sommernächte kommen uns wie Fantasiegebilde vor.

Das Alter, das unser Personalausweis angibt, kann uns herzlich egal sein. Denn in unserem Herzen wohnt unser Besitz: echte Jugend. Sie sehnt sich immer noch nach neuen Erfahrungen und neuen Düften. Wir wünschen uns etwas von Herzen, aber… wie können wir diesem vitalen Bedürfnis eine spürbare Form verleihen? Wie können wir die Grenzen unserer Routine überschreiten? Es klingt vielleicht ein wenig widersprüchlich, aber manchmal können wir unser Unbehagen und unsere Schwierigkeiten in unsere Verbündeten verwandeln. Wir können sie dazu benutzen, über die Grenzen unserer Komfortzone hinauszuwachsen.

Viele von uns denken bei dem Begriff „Komfortzone“ an ein Souvenir aus der Motivationspsychologie der 1980er Jahre. Die zugehörigen Untersuchungen zielten ursprünglich darauf ab, die Wohlfühltemperatur des Menschen festzustellen. Allerdings wurde dabei sogar noch etwas Interessanteres bewiesen: Menschen sind darauf programmiert, neutrale Räume zu suchen, in denen sie sich wohl und sicher fühlen.

Sicherheit macht das Individuum aber nicht immer produktiver oder lässt es mehr Glück empfinden. Oft tauchen neue Notwendigkeiten auf.

Wenn uns auffällt, dass unsere Komfortzone nunmehr zu klein geworden ist, gibt uns das einen Schub. Wir werden auf der Suche nach neuen Chancen ganz zweifellos dazu angestoßen, die Grenzen unserer Angst zu überwinden. Manchmal besteht der einzige Weg, die Grundlagen des Fortschritts zu verstärken, darin, an unseren Schwierigkeiten und unserem Unbehagen festzuhalten.

Das Leben mit seinen Höhen und Tiefen und die neuen Chancen

Stellen wir uns eine Sekunde lang den Verlauf unseres Lebens vor. Mit großer Wahrscheinlichkeit hast du dabei eine gerade Linie vor deinem geistigen Auge. Deine Vergangenheit liegt hinter dir – mit allem, was du durchgewunken hast, mit all deinen gescheiterten Versuchen und den Pfaden, die du nie erforscht hast. Andererseits liegt – weit ausgebreitet – eine offene Zukunft vor dir. Dort, wo alle möglichen Wachstumschancen, die wir zuvor erwähnt hatten, zu deinen Füßen liegen.

Nun, wir sollten uns unser Leben eigentlich nicht in dieser Art vorstellen. Es wäre ideal, es mit Höhen und Tiefen und sogar Zirkeln zu visualisieren. Peter Strange ist ein gefeierter Wissenschaftler und Systemingenieur. Er definiert unsere Welt und unsere Existenz als „ein wunderschönes System aus Kreisen, die miteinander verbunden sind“Fast so wie ein Mandala. Dort gibt es Kreise, die einen Anfang und ein Ende haben und die wiederum auf wunderbare Weise ineinander verschlungen sind. Wenn wir uns unser Leben so vorstellen, lädt uns das zweifellos zum Nachdenken über eine Vielzahl an Themen ein.

Die Gelegenheiten, die wir gestern vielleicht verpasst haben, die Fehler oder die gescheiterten Versuche der Vergangenheit bilden Teile eines Zyklus, der schon beendet ist. Wenn wir den Anfang und das Ende dieses Zyklus betrachten, fordert uns das dazu auf, einen neuen zu beginnen. Und das tun wir dann mit einer größeren Stabilität, Weisheit und Hoffnung.

In dem Stadium, in dem du dich gegenwärtig befindest, ist alles möglich. Du bist in einem offenen Kreis, wo du einmal mehr für alles, was dich umgibt, empfänglich wirst. Es gibt mannigfaltige Gelegenheiten und du musst dir einer Sache bewusst sein: Du darfst deine Herzenswünsche nicht unerfüllt lassen. Alles, was du in der Vergangenheit erlebt hast, liegt nicht einfach nur hinter dir. Es umgibt dich, um dir als Referenz zu dienen. Um dir wieder ins Gedächtnis zu rufen, welche Pfade du mit dem größtmöglichen Selbstvertrauen entlangschlendern kannst.

Schlussendlich erschaffst du mit deinem Leben ein wunderschönes Mandala. Eines, in dem immer alles in Bewegung ist. Du darfst dir die Farben aussuchen, die es haben soll. Du, der du dich nicht länger davon abhalten darfst, dir diesen einen Wunsch zu erfüllen: das Glück zu erschaffen, von dem du träumst.

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